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Erklärt den Kreisräten die Zukunft der BOB: Bernd Rosenbusch im Kreistag.

BOB-Chef erklärt sich im Kreistag:

So sieht die BOB-Strategie bis zur Elektrifizierung aus

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Die BOB plant langfristig mit elektrifizierten Zugstrecken im Oberland. Das wurde gestern im Kreistag in einem Sachstandsbericht von Geschäftsführer Bernd Rosenbusch deutlich.

Landkreis – Die Liste umfasst 220 Punkte. 220 Einzelmaßnahmen, mit denen die Oberlandbahn ihre 20 Jahre alten Integrale über die Zeit retten will. Bis mindestens 2024 müssen die Züge noch durchhalten, doch gedanklich sind die Verantwortlichen der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) schon weiter. An einer Elektrifizierung der Bahnstrecken im Oberland führt in ihren Augen kein Weg vorbei. Dass die Staatsregierung jetzt genau das vom Bund fordert, spielt ihnen in die Karten.

„Der Bund muss endlich dort investieren, wo die meisten Fahrgäste sind“, sagte Bernd Rosenbusch gestern im Kreistag. „Und das ist nicht der Fernverkehr, das sind die Regionalbahnen.“ Der BOB-Chef war in die Sitzung gekommen, um einen mit Zahlen und Beispielen untermauerten Sachstandsbericht zur Betriebsqualität zu geben. Einen großen Teil seines Vortrags widmete er aber auch dem Blick in die Zukunft. Die zentrale Frage: Wie schafft man im Oberland den Übergang von diesel- zu elektrobetriebenen Zügen?

Strecken wie im Bayerischen Wald

„Wir sind 40 bis 50 Kilometer von München entfernt und fahren auf Strecken, wie man sie sonst nur im Bayerischen Wald findet“, berichtete Rosenbusch. Wenn man über eine Elektrifizierung rede, müsse man auch Stellwerkstechnik und Bahnübergänge mit einbeziehen. Angesichts noch offener Finanzierungsfragen und Genehmigungsverfahren sei mit Oberleitungen im Oberland realistischerweise nicht vor 2032 zu rechnen. So lange auf die dieselbetriebenen Integrale zu bauen, sei völlig unrealistisch. „Wir brauchen spätestens 2026 neue Fahrzeuge“, sagte der BOB-Chef.

Zwei Alternativen stellte er in der Sitzung vor: ein hybrides Fahrzeug, wie es die Firma Siemens unter dem Namen Mireo derzeit entwickelt. Außerhalb des Oberleitungsnetzes, das derzeit nur von München bis Holzkirchen reicht, wird es mit Strom aus Batterien angetrieben. Die Alternative wäre ein bimodales Fahrzeug, das von Holzkirchen aus mit dem Dieselmotor weiter ins Oberland fährt. Sind die Strecken später voll elektrifiziert, werden Batterie oder Dieselmotor einfach ausgebaut.

„Neuerliche Experimente können wir uns nicht leisten.“

Anderen Antriebsformen wie etwa Wasserstoff erteilte der BOB-Chef eine klare Abfuhr. „Wir fahren hier schon seit Jahren mit Prototypen“, sagte er mit Blick auf die störanfälligen Integrale. „Neuerliche Experimente können wir uns nicht leisten.“ Die Kommunalpolitiker rief er dazu auf, das Thema Elektrifizierung jetzt vom Oberland aus mit Nachdruck voranzutreiben: „Ich glaube, jetzt ist ein gutes Zeitfenster.“

Landrat Wolfgang Rzehak forderte diesbezüglich einen Schulterschluss über Parteigrenzen hinweg. „Ich finde es gut, dass die Staatsregierung die Elektrifizierung jetzt forciert“, sagte er. „Wenn’s allerdings nur ein Wahlkampfmanöver sein sollte, gibt’s Ärger.“ Auch CSU-Fraktionssprecher Josef Bierschneider erkannte die Pflicht zur Zusammenarbeit. Gleichzeitig stünde dem Landkreis aber auch an anderer Stelle noch viel Arbeit bevor. „Wir müssen die Leute auch gut von den Bahnhöfen wegbringen“, erinnerte er. „Die Aktualisierung unseres Nahverkehrsplans ist deshalb dringend erforderlich.“ Die zentralen Weichenstellungen, so Karl Bär, lägen jetzt bei der Bundesregierung. „Die BOB“, sagte der Grünen-Kreisrat, „hätte ein riesiges Potenzial.“

sh

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