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Friedliche Koexistenz? Die Touristiker glauben, dass Wanderer und Radler nebeneinander unsere Berge genießen können.

„Solche Wildwüchse wollen wir nicht“

Wie Touristiker die Mountainbiker erziehen wollen

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Mountainbiker fahren inzwischen sogar vom Wendelstein. Das bietet Konfliktpotential zuhauf. Deshalb soll der Landkreis jetzt eine „Fair-Bike-Region“ mit „sanften Trails“ werden.

Wer sich vor 15 bis 20 Jahren mit dem Radl eine steile Forststraße bis zu einer Alm hinauf kämpfte, der durfte sich durchaus als Pionier fühlen. Die Wanderer schüttelten höchstens amüsiert den Kopf über die meist im Schritttempo nach oben kriechenden Exoten. Und das Platzmachen auf dem Weg ins Tal war angesichts der angenehm breiten Schotterstraßen auch kein Problem.

Harald Gmeiner, Vorstand des Kommunalunternehmens Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS), kann sich an diese Zeit noch gut erinnern. „Im Jahr 2000 haben wir unser Tourennetz aufgesetzt“, erzählt er. Das habe sich bis heute nicht groß verändert – die Ansprüche der Mountainbiker hingegen schon. „Die fahren heute fast überall rauf und runter“, sagt Gmeiner. Nicht zuletzt wegen der immer schneller voranschreitenden Technik hat die Szene damit das Angebot der Touristiker quasi rechts überholt. In Internetforen tauschen sich die Biker über immer extremere Routen – so genannte Trails – aus. Sogar drei Abfahrten vom Wendelstein werden angepriesen, wie ATS-Geschäftsleiter Thorsten Schär berichtet. „Solche Wildwüchse wollen wir aber nicht in unserer sensiblen Region“, sagt er.

Um den Trend zurück in vernünftige Bahnen zu lenken, will die ATS ein komplett neues Konzept entwickeln. Mit einer„Trail-Toleranz-Kampagne“ sollen Mountainbiker und Wanderer zur gegenseitigen Rücksichtnahme angeleitet werden – und der Landkreis so zu einer „Fair-Bike-Region“ werden. Zwischen 40 und 50 neue Routen will die ATS als „sanfte Trails“ ausweisen. Schilder sollen alle Nutzer des Wegs für die Bedürfnisse der jeweils anderen Gruppe sensibilisieren.

Neue Pfade werden dafür aber nicht angelegt, betont Gmeiner. „Wir schlagen keine neuen Schneisen in den Wald.“ Auch beliebte Wanderwege bleiben außen vor. Ein Auge geworfen habe die ATS dagegen speziell auf Ziele, die von mehreren Routen aus angesteuert werden können. Hier lasse sich eine „Kanalisierung“ der Biker am einfachsten realisieren. Die Hoffnung ist offensichtlich: Wenn sich die Radler künftig auf die für sie ausgewiesenen Strecken konzentrieren, bleiben an anderer Stelle die Konflikte aus.

Dass es trotzdem weiter zu „Begegnungsverkehr“ kommt – auf den für Biker neu beschilderten Trails sogar noch mehr als bisher – könne man aber nicht vermeiden, erklärt Gmeiner. So lasse das in Bayern geltende „freie Betretungsrecht der Natur“ keine Verbote zu. Abgesehen davon, dass deren Einhaltung auch gar nicht überwacht werden könnte. Vertreiben will die ATS die Mountainbiker ohnehin nicht. „Die sind eine der wichtigsten touristischen Zielgruppen für uns“, betont Gmeiner. Extreme Downhiller oder Enduro-Freaks zählt er jedoch nicht dazu. Laut Schär setzt die ATS vielmehr auf „Tourenfahrer, die ab und zu einen leichten Trail suchen“. Diese zu bedienen, sei das Hauptziel des neuen Konzepts.

In den kommenden Monaten will die ATS die von ihr entwickelten Routen mit allen relevanten Stellen abstimmen. Neben den Fachbereichen am Landratsamt und den Gemeinden sollen auch Vertreter von Forst- und Almwirtschaft sowie von Naturschutzgruppen beteiligt werden. Auch die Haftungsfrage gelte es – in enger Absprache mit den Grundstückseigentümern – zu klären. Wie lange dieser Prozess dauert und wann die ersten Schilder aufgestellt werden können, kann Schär deshalb derzeit noch nicht abschätzen. „Bis Ende des Jahres wollen wir aber Planungssicherheit.“

sg

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