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In Miesbach findet am Karsamstag nach 21 Jahren wieder ein Ostermarsch statt. 

Kundgebung am Karsamstag

„Es ist wieder Zeit für einen Ostermarsch“

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Miesbach - 21 Jahre sind seit dem bislang letzten Ostermarsch in Miesbach vergangen. Nun gibt es eine Neuauflage der Kundgebung, mit der sich einst die linke Protestbewegung für Menschenrechte und Frieden eingesetzt hat. Diesmal geht die gesellschaftliche Mitte auf die Straße.

Die Sorge um den Frieden wächst. Angesichts von Krieg, Terror und aufkeimendem Rechtsextremismus hat sich ein breites Bündnis im Landkreis zusammengefunden, um am Karsamstag in Miesbach mit einem Ostermarsch für Frieden in der Welt, aber auch in der deutschen Gesellschaft einzutreten. Von der Arbeiterwohlfahrt über amnesty international und dem Bund Naturschutz, von Jugendorganisationen wie dem Bund der deutschen katholischen Jugend und den Jusos, über Gewerkschaftsorganisationen wie ver.di und DGB bis hin zu Parteien wie den Grünen, der Piratenpartei und der SPD wollen die Vertreter der Kreisverbände ihre gemeinsame Sorge ausdrücken und sich dagegenstellen.

Wir sprachen mit Miesbachs stellvertretendem SPD-Vorsitzenden Hermann Kraus (68), dem Organisator des bislang letzten Ostermarsches im Jahr 1995, über Erinnerungen und neue Motivation.

Herr Kraus, warum gibt es nach 21 Jahren eine Neuauflage?

Hermann Kraus: Der Unfrieden in aller Welt nimmt zu und erreicht ganz neue Dimensionen. Die Konflikte in Nahost, diese Nationalismen in Europa und der Türkei, Übergriffe auf Flüchtlingsheime bei uns – es ist wieder Zeit für einen Ostermarsch.

Warum gab es über zwei Jahrzehnte keine Ostermärsche bei uns?

Kraus:  Eine Zeitlang hat es mit dem Weltfrieden ja ganz gut ausgeschaut. Im Ernst: Der Ostermarsch ist damals eingeschlafen. Keiner hatte mehr den Drang verspürt, ihn zu organisieren. Die Initiative war nicht mehr da. Und nur um seiner selbst willen sollte er auch nicht stattfinden.

Wie wurde die Neuauflage ins Leben gerufen? Von wem ging die Initiative aus?

Kraus:  In gewisser Weise auch von Ihrer Zeitung. Wir haben bei der SPD-Kreiskonferenz Mitte Februar das Thema angerissen – und prompt stand der Ostermarsch in Ihrer Zeitung in der Überschrift. Das hat die Sache auf eine andere Ebene gehoben, dass wir gesagt haben: Dann packen wir das an. Christine Negele (SPD-Kreisrätin und Unterbezirks-Beisitzerin – Anm. d. Red.) hat dann mit ein paar Organisationen Kontakt aufgenommen. Das Ergebnis ist dieses breite Bündnis.

Ein Blick zurück: Warum ist man damals auf die Straße gegangen?

Kraus:  Im Grunde war es die Bewältigung des Dritten Reichs. Weil eine kritische Auseinandersetzung unter Kanzler Konrad Adenauer nicht passiert ist. Wir wollten mehr Demokratie, und wir wollten uns in die Politik einmischen, damit so etwas nicht mehr passiert. Damals war es hauptsächlich ein Anliegen linker Gruppen. Die wurden teils in die Nähe Moskaus gerückt, weil sie angeblich dem Kommunismus Tür und Tor öffnen wollten. Die Hochphase waren die 1980er-Jahre mit dem Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion.

Und heute?

Kraus:  Heute ist das anders. Heute ist die Sorge um den Frieden in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Basis ist vielleicht weniger scharf, aber sie ist breiter. Und das ist gut.

Es ist ein buntes Spektrum, das für gemeinsame Ziele eintritt. Welche Forderungen gibt es konkret? 

Kraus: Wir haben fünf gemeinsame Kernforderungen formuliert: Frieden vor Ort statt Waffenexport. Soziale Gerechtigkeit schafft Frieden. Fluchtursachen bekämpfen, nicht Flüchtlinge. Offene Grenzen für leidgeprüfte Menschen. Und nicht zuletzt: Jugend braucht Zukunft – Jugend fordert Frieden.

Was erwarten Sie sich persönlich?

Kraus:  Wichtig ist, dass die Politik sieht: Wir können nicht tun, was wir wollen. Sie muss sich auseinandersetzen, denn das zeigt die politische Reife einer Gesellschaft. Das Interesse bei den Menschen ist da.

Der Ostermarsch beginnt am Karsamstag, 26. März, um 10 Uhr an der Rudolf-Pikola-Schule an der Münchner Straße in Miesbach. Von dort ziehen die Teilnehmer zur Flüchtlingsunterkunft auf der Volksfestwiese, wo Asylbewerber über ihre Herkunftsländer berichten. Dann geht es weiter über den Marktplatz zum Rathausplatz. Dort ist die Friedenskundgebung geplant. Neben dem SPD-Landtagsabgeordneten Florian Ritter sprechen auch Vertreter der organisierenden Gruppen. Es spielt die Musikgruppe Afasia aus Hausham. Der Marsch wird von Mitgliedern des Motorradclubs Edelweißpiraten flankiert.

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