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Nach 36 Jahren ist Schluss: Die Wirtsleute Lotte und Sepp Wieland gehen nun in Rente. Am Gründonnerstag ist ihr letzter Tag in der Gaststätte des Eisstadions. Und es wird wohl zugehen wie am ersten Tag.

Die Wielands gehen in den Ruhestand

Miesbach nimmt Abschied vom Kult-Schweinsbraten

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Miesbach - Immer wieder wurde der Abschied verschoben, doch irgendwann ist Schluss: Lotte und Sepp Wieland gehen am Gründonnerstag in den Ruhestand. Und mit ihnen der wohl beste Schweinsbraten der Stadt.

Der 24. März 2016 ist ein Datum, das sich Lotte Wieland gut merken wird. Es wird sich einreihen neben anderen Kalendermarken wie dem 19. Dezember 1979, dem 24. August 2012 und dem 6. Oktober 2012. 1979 eröffnete sie mit ihrem Mann Sepp das Hopf Weißbräustüberl am Miesbacher Marienplatz, 2012 sperrten sie dort zu, um wenige Monate später „S’Hopf im Stadion“ zu übernehmen. „1979 haben wir an einem Donnerstag angefangen. Da war brutal viel los“, erinnert sie sich. Auch der Start im Eisstadion war Vollgas – „120 Eisstockschützen sind da auf einen Schlag gekommen“. Und auch am Gründonnerstag wird viel los sein. Es ist der letzte Arbeitstag für das Wirtepaar: Die Wielands gehen in den Ruhestand. Endgültig. 

Mit 69 Jahren beenden beide ihr Berufsleben. Der Abschied fällt zumindest Lotte nicht leicht. „Der Entschluss war schon schwer“, gibt sie zu, „aber irgendwann geht es nicht mehr.“ Die Arbeit in der Küche ist hart, und die schweren Töpfe und Pfannen sind nach ihrer Schulter-Operation im vergangenen Jahr nicht leichter geworden. Mehr als 36 Jahre in der Küche und hinter dem Tresen sind genug. „Jetzt is a Ruah.“ 

Es war eh schon ein Abschied auf Raten – Proberentnern könnte man sagen. Als die Familie Hopf das Weißbräustüberl 2012 an Wolfgang Salewski verkauft hatte, war eigentlich Ruhestand angesagt – die Wielands waren ja schon 65. Doch dann kamen der TEV Miesbach und Geschäftsstellenleiter Markus Wieland mit der Bitte, die Stadiongaststätte zu übernehmen – und dem eigenen Sohn schlägt man schwer etwas ab. 

Also übernahmen die Wirtsleute das Saisongeschäft im Stadion: arbeiten im Winter, erholen im Sommer. Übergangsweise. Und aus einer Saison wurden vier Spielzeiten. 

Ein Glück für die Gäste, denn Lotte Wielands Küche ist beliebt. Vor allem der Schweinsbraten, der – das ist keine Übertreibung – Kultstatus hat. Nicht nur in der Kreisstadt. „Dabei machen wir ja nichts Besonders“, versucht die Köchin zu relativieren. „Wir haben seit Jahren dieselbe Speisekarte mit bürgerlichen Gerichten.“ Aber ist nicht gerade das die hohe Kunst? Weil doch letztlich jeder weiß, wie ein guter Braten schmecken muss? Lotte Wieland widerspricht nicht: „Stimmt schon. Das haben schon einige gesagt: Du kochst wia mei Oma.“ Ein schönes Kompliment, wie sie findet. 

Der Schweinsbraten ist nun Geschichte. Denn daheim will Lotte Wieland nicht lange in der Küche stehen. „Da gibt es Griesnockerlsuppe, Apfelstrudel, Kasspatzn oder schnelle Pfannengerichte.“ Damit Zeit bleibt für gemeinsame Spaziergänge an Schliersee und Seehamer See. Seep Wieland will zudem Golfspielen, Radeln und die Diatonische lernen. Ein Leben außerhalb der Wirtschaft, die über Jahrzehnte der Mittelpunkt war. „Du bist der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht“, sagt Lotte. Natürlich seien die Wielands eine Eishockey-Familie, aber selbst im Eisstadion habe sie nicht viel gesehen, weil die Gäste wichtiger waren. 

Einen neuen Wirt hat der TEV noch nicht. Im Stillen hofft man vielleicht, dass Lotte noch eine Saison dranhängt, doch die schließt das aus: „Die Leute werden mir zwar fehlen, aber mit 69 ist es nicht mehr zu früh.“

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