Oktoberfest-Bedienungen im Winzerer Fahndl auf der Wiesn.
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Uschi Oberlechner (2.v.r.) mit ihren Kolleginnen (v.l.) Regina Schweinsteiger, Christine Eibach und Andrea Haug im Winzerer Fahndl auf dem Oktoberfest.

„Schon ziemlich heftig“

Wiesn-Absage: Bedienung aus Miesbach erzählt, wie Sie mit Oktoberfest-Ausfall umgeht

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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O’zapft is – ned. Das Oktoberfest 2020 ist dem Coronavirus zum Opfer gefallen. Wir haben eine Bedienung aus Miesbach gefragt, wie sie die Absage erlebt.

Miesbach – O’zapft is – ned. Je näher der Herbst rückt, desto mehr wird vielen Wiesn-Fans bewusst, dass heuer eine große Lücke im Kalender klafft: Auch das Münchner Oktoberfest 2020 ist der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Was für Feierlustige schon traurig ist, trifft die Mitwirkenden noch deutlich härter. Uschi Oberlechner aus Miesbach ist eine von ihnen. Die 45-jährige Miesbacherin, die im Hauptberuf eine eigene Autolackiererei betreibt, bedient seit zwölf Jahren im Winzerer Fahndl. Wie sie mit der Absage umgeht und was ihr dadurch besonders fehlt, verrät Oberlechner im Interview.

Frau Oberlechner, was machen Sie am Samstag um 12 Uhr?

Uschi Oberlechner: Kann ich so noch gar nicht sagen. Ein paar Kolleginnen fahren nach München und hocken sich auf der Theresienwiese mit einem Kasten Bier zusammen. Da bin ich aber nicht mit dabei. Sonst werde ich nur noch trauriger.

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Wie schlimm ist denn der Wiesn-Entzug?

Uschi Oberlechner: Schon ziemlich heftig. Je näher das Anzapfen rückt, umso größer ist normalerweise die Vorfreude. Wenn die Wiesen nach Herbst riechen und der Morgennebel über den Feldern liegt, dann kommt bei mir ganz automatisch das Wiesn-Gefühl. Heuer ist es leider ein sehr wehmütiges.

Wie lange bedienen Sie denn schon auf dem Oktoberfest?

Uschi Oberlechner: Seit zwölf Jahren im Paulaner-Zelt. Dazu gekommen bin ich eher durch einen Zufall. Die Mutter einer Freundin hat aus gesundheitlichen Gründen aufgehört. Ich hatte Glück, dass ich gleich ihren Platz auf dem Balkon bekommen habe. Normalerweise fängt man erst mal im Garten an. Trotzdem war ich mir erst gar nicht so sicher, ob das wirklich was für mich ist.

Weil Sie eigentlich ein Wiesn-Muffel waren?

Uschi Oberlechner: (lacht) Nein, ganz im Gegenteil. Ich bin oft zum Feiern hingegangen, zehn Mal pro Jahr war sicher keine Ausnahme. Vielleicht habe ich auch deshalb so großen Respekt vor der Arbeit der Bedienungen gehabt. Die körperliche Belastung ist schon enorm. Als ich dann aber einmal dabei war, hat es mich total gefesselt. Meine Kolleginnen haben mir gesagt: Entweder man liebt die Wiesn, oder man hasst sie. Ich gehöre ganz klar zur ersten Gruppe.

Und dann nimmt man Stress, Muskelkater und Schlafentzug einfach so hin?

Uschi Oberlechner: Natürlich gibt es auch mal Tränen, oder man denkt sich in der Früh: Ich kann da heute unmöglich wieder hinfahren. Das Gute ist aber: Bis zum nächsten Jahr hat man alle negativen Dinge wieder vergessen.

Der Verdienst ist sicher auch eine gewisse Motivation.

Uschi Oberlechner: Klar! Für mich ist das immer ein schönes Schmugeld gewesen. Zum Beispiel für einen Urlaub, den ich mir sonst nicht geleistet hätte. Anfangs hab’ ich auch einen Teil in meine Eigentumswohnung gesteckt. Total darauf angewiesen war ich aber Gott sei Dank nie. Drum muss ich mir heuer auch keinen anderen Nebenjob suchen.

Nehmen Sie sich trotzdem Urlaub während der Wiesn-Zeit?

Uschi Oberlechner: Eher nicht. Als Selbstständige überlegt man sich schon, ob man einfach mal zwei Wochen lang seinen Betrieb zusperrt. Das Oktoberfest war da natürlich immer ein guter Grund. Eine willkommene Auszeit vom normalen Alltag. Eigentlich wie Urlaub.

...der 2021 wieder stattfinden kann?

Uschi Oberlechner: Das möchte ich doch schwer hoffen. Die Absage heuer hat mich aber nicht überrascht. Schon zu Beginn des Lockdowns war mir klar, dass unter diesen Bedingungen unmöglich ein halbwegs normales Oktoberfest stattfinden kann.

Mit Maske hätten Sie also nicht bedient?

Uschi Oberlechner: Es wäre auf jeden Fall sehr anstrengend geworden im meist stickigen Zelt. Wir schwitzen ja so schon genug. Und auch die Atmosphäre wäre einfach nicht die gleiche gewesen. Durch eine Maske nimmt man doch den Duft von Steckerlfisch und gebrannten Mandeln gar nicht richtig wahr. Die Wiesn muss man einfach ungefiltert erleben.

sg

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