„Verantwortung ist keine Frage des Alters“: Geschäftsführerin Janaa Schlick erklärt, warum sich der Kinderschutzbund für mehr Mitbestimmung für Kinder und Jugendliche einsetzt.
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„Verantwortung ist keine Frage des Alters“: Geschäftsführerin Janaa Schlick erklärt, warum sich der Kinderschutzbund für mehr Mitbestimmung für Kinder und Jugendliche einsetzt.

Interview mit Geschäftsführerin Janaa Schlick

„Wir sollten der Jugend mehr vertrauen“: Deshalb setzt sich der Kinderschutzbund Miesbach für mehr Mitbestimmung ein

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
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Miesbach – Aus Sicht des Kinderschutzbunds sind Kinder und Jugendlichen in der Politik zu wenig repräsentiert. Das soll sich ändern. Während sich der Bundesverband aktuell erneut dafür stark macht, die jungen Bürger stärker in politische Prozesse einzubinden, unterstützt der Kreisverband Miesbach die Gründung eines Jugendgremiums in der Kreisstadt Miesbach.

Das Vorbereitungstreffen dazu konnte zuletzt aber – wie berichtet – keine Jugendlichen mobilisieren. Wir sprachen mit Kibu-Geschäftsführerin Janaa Schlick über die Situation in Miesbach und die grundsätzliche Frage, warum Mitbestimmung gerade in jungen Jahren wichtig ist.

Frau Schlick, die Stadt Miesbach will ein Jugendgremium oder -parlament installieren, aber seitens der Jugendlichen war zuletzt kaum Bereitschaft zu erkennen, sich zu engagieren. Soll man trotzdem dranbleiben?

Janaa Schlick: Ja, auf jeden Fall. Der Kinderschutzbund setzt sich schon seit Jahren für partizipative Strukturen ein – aus gutem Grund: Mitbestimmung ist ein Kinderrecht und Teil der UN-Kinderrechtskonvention. Leider wird es so zu wenig umgesetzt. Unser Ziel ist es, das Thema in den Fokus zu rücken und Möglichkeiten zu bieten, sich bei Themen, die Kinder und Jugendliche betreffen, einbringen zu können.

„Wir müssen die Jugend begeistern für Politik“

Gilt das auch für Miesbach?

Janaa Schlick: Ja, denn auf lokaler Ebene fängt es an, und deshalb wollen wir mithelfen. Kinder und Jugendliche haben zu vielen Themen eine eigene Meinung. Sie haben Wünsche, Bedürfnisse und Interessen. Erwachsene entscheiden aber meist über sie hinweg, obwohl die Jugend gehört werden sollte. Eine solche Struktur gibt es in Miesbach aber nicht – mit Ausnahme der Jugendbürgerversammlung. Es braucht aber gewisse Strukturen, um gleichberechtigt gehört zu werden. Wir müssen die Jugend begeistern für Politik und ihr zeigen, wie das funktioniert. Es geht darum zu vermitteln, dass jeder mitverantwortlich ist. Ohne entsprechende Möglichkeiten zum Engagieren fällt es junge Menschen schwerer diese Verantwortung zu entwickeln.

„Es hat nicht überrascht, dass das Treffen die Jugendlichen nicht erreicht hat“

Wie lässt es sich aus Ihrer Erfahrung erklären, dass kaum ein Jugendlicher am Online-Vorbereitungstreffen teilgenommen hat?

Janaa Schlick: Es hat nicht überrascht, dass das Treffen die Jugendlichen nicht erreicht hat. Zuerst stellt sich die Frage: Wie begreife ich so ein neues Thema? Nur so mitbestimmen ist nicht interessant, nicht konkret. Auch war kein entsprechender Rahmen vorgegeben und das Thema im Vorfeld zu wenig bekannt – auch weil wir infolge des Corona-Lockdowns nicht mehr so an die Jugendlichen herankommen. Die Angebote, um Jugendliche wieder zu holen, müssen erst wieder anlaufen. Wichtig ist, dass diese geplante Mitbestimmung spürbar sein muss. Was bedeutet das für mich? Was habe ich davon? Welche Konsequenzen hat es? Konkrete Details würden dabei helfen. Das haben wir 2015 erlebt, als der Kreisjugendring und wir das Projekt schon mal versucht haben. Damals haben wir konkret zu einem Workshop zum geplanten neuen Freibad eingeladen. Das hat gut funktioniert. Dass jetzt keiner mitgemacht ist, bedeutet nicht, dass sie nicht mitbestimmen wollen.

„Bei der Mitbestimmung für Kinder und Jugendliche wird wenig getan“

Der Bundesverband des Deutschen Kinderschutzbunds fordert eine Enquete-Kommission im Bundestag, um die Belange der Kinder und Jugendlichen in Zukunft stärker zu berücksichtigen. Warum ist das wichtig?

Janaa Schlick: Bei der Mitbestimmung für Kinder und Jugendliche wird wenig getan – Miesbach ist da ja keine Ausnahme. Wir denken, dass es wichtig ist, Kinder und Jugendliche viel mehr einzubinden und für Politik zu begeistern. Denn die Jugend soll uns ja als Gesellschaft in Zukunft tragen. Und viele Beispiele zeigen, dass das gelingen kann. Sie haben kreative Ideen, ohne dabei überzogen zu sein. Das hat auch unser Workshop zum Warmfreibad gezeigt: Sie waren sehr konkret und hatten die Bedürfnisse von vielen Gruppen im Blick. Wir müssen die Jugend mehr unterstützen und bestärken.

Und ihr auch mehr vertrauen?

Janaa Schlick: Mit Sicherheit. Es gibt viel Zurückhaltung, die nicht gerechtfertigt ist. Die Jugend kann viel bewegen. Das hat auch Fridays For Future gezeigt. Die Jugendlichen wollen etwas tun für ihre Umgebung. Auch in der Pandemie haben sie sehr viel mitgetragen und unterstützt, haben Regeln eingehalten und sich mehrheitlich sehr vernünftig verhalten. Sie sind es wert, ihnen zu vertrauen. Wir erwarten ja auch einiges von ihnen. Nämlich dass sie einmal unsere Gesellschaft gestalten sollen. Und Verantwortung ist keine Frage des Alters.

ddy

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