Suppe statt Sex on the Beach: Martin Jacobi führt seine Bar in der Miesbacher Innenstadt derzeit als Speiselokal. Er hofft, im Zuge der geplanten Lockerungen wieder in den regulären Betrieb gehen zu können.
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Suppe statt Sex on the Beach: Martin Jacobi führt seine Bar in der Miesbacher Innenstadt derzeit als Speiselokal. Er hofft, im Zuge der geplanten Lockerungen wieder in den regulären Betrieb gehen zu können.

„Wir wollen wieder eine klassische Bar sein“

Betreiber von Clubs und Nachtlokalen sind erleichtert über anstehende Lockerungen

  • Bettina Stuhlweißenburg
    VonBettina Stuhlweißenburg
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Landkreis – Lange eineinhalb Jahre gab es kein Nachtleben mehr – ab Oktober sollen Diskos wieder öffnen dürfen, so hat es das Kabinett am Dienstag beschlossen. Außerdem soll ab sofort die Sperrstunde in der Gastronomie fallen.

Landkreis - Die Freude mancher Klubbetreiber im Landkreis hält sich noch in Grenzen – nicht wegen der Drei-G-Regel, die für Diskotheken einen PCR-Test vorschreibt, im Gegensatz zur Speisegastronomie, wo ein Schnelltest ausreicht. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich die Lage schnell wieder ändern kann“, sagt Christoph Simon vom Spinnradl am Spitzingsee. „Noch ist nicht Oktober. Wenn die Infektionszahlen hochgehen, was für den Herbst zu erwarten ist, fällt der Politik wahrscheinlich wieder etwas Neues ein.“ Dennoch sei er guter Dinge, sagt Simon, „aber eben nicht übereifrig“. Seine rund 50 Mitarbeiter – die meisten im Nebenjob – seien ab Oktober fast alle wieder am Start.

Ein Wermutstropfen ist der vorgeschriebene PCR-Test. Im Landkreis gibt es – anders als in München – keine Station, die das Ergebnis noch am selben Tag liefert. „Wäre ein Schnelltest ausreichend, könnten wir eine Teststation am Eingang aufbauen“, sagt Simon. Jammern will er aber nicht: „Mei, das ist jetzt halt so.“ Klar ist für ihn: „Sobald wir wieder öffnen dürfen, machen wir das auch.“

Miesbach

Auch Martin Jacobi, Inhaber von Martin’s Bar in der ersten Etage des historischen Spielwarenhauses in der Miesbacher Innenstadt, hat den Kabinettsbeschluss verfolgt. Zwar hatte er seine Bar im Herbst 2020 als Speisegastronomie konzessionieren lassen, weshalb er unter Einhaltung der Drei-G-Regel auch drinnen wieder Gäste empfangen darf. Allerdings ist eine barübliche Bewirtung am Tresen nicht erlaubt, zwischen den Tischen muss ein Abstand von eineinhalb Metern eingehalten werden. Jacobi hofft, – analog zu den Diskotheken – ab Oktober in den regulären Betrieb gehen zu können. „Wir wollen wieder eine klassische Bar sein“, sagt der Gastronom. Insbesondere hoffe er, wieder Stehpublikum empfangen zu dürfen. „Das macht ja auch die Atmosphäre aus.“ Jacobi ist zuversichtlich, dann auch die Tische enger stellen zu dürfen – und sein Lokal so voll auslasten zu können.

Die Kontrolle der Drei-G-Regel erfolgt bei ihm schon jetzt an einer Station am Eingang. „Dort muss sich der Gast kurz gedulden und wird nach Vorlage des Impf- Test- oder Genesenen-Nachweises zu seinem Platz begleitet.“ Dass die ab Oktober wieder erlaubte und für das Nachtleben charakteristische Geselligkeit an einen PCR-Test gekoppelt wird, sieht Jacobi kritisch. „Es wäre wünschenswert, wenn sich die Testmöglichkeiten bei uns im Landkreis diesbezüglich wieder verbessern würden.“

Jacobi ist gut durch den Lockdown gekommen. Statt zu lamentieren, schuf er mit dem Marktcafe die Piazzagoals – und damit eine Möglichkeit, Drinks im Freien zu genießen. Auch mit der Stadlbergalm arbeitet er zusammen. „Normalerweise machen wir unser Hauptgeschäft im Winter, sodass wir uns eine Sommerpause leisten können. Während der Pandemie haben wir das umgedreht und waren im Sommer sehr umtriebig.“

Tegernsee

Im Klub Quantum in Tegernsee geht’s schon an diesem Freitag wieder los: „Uns fällt ein Stein vom Herzen, dass die Sperrstunde fällt“, sagt Geschäftsführerin Andrea Alexander. „Das ist der erste Schritt Richtung Normalität.“ Schließlich sei das Quantum ein Nachtlokal, um 1 Uhr schließen zu müssen, sei „ein Witz“. Mit Blick auf den pandemiebedingten Personalmangel in der Branche öffnet der Klub vorerst aber nur bis 3 Uhr. „Die Abläufe müssen sich erst einspielen.“ Alexander hofft, die Gäste daran gewöhnen zu können, dass laute Musik und Tanzen noch verboten sind. Aber sie ist zuversichtlich, dass die Öffnung der Diskotheken ab Oktober hier weitere Freiräume bringt. „Ich denke, dass das dann lockerer wird.“

Holzkirchen

Skeptisch bleibt dagegen Josef Bos, der in Holzkirchen Awa’s Pub führt. „Nach dem vielen Hin und Her in der Vergangenheit sind wir verunsichert und wollen erst mal abwarten.“ Derzeit werde das Pub ohnehin renoviert. „Wir werden den Umbau voraussichtlich nicht bis Oktober schaffen und wohl erst im kommenden Jahr wieder öffnen.“

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