Im Saal des Wiesseer Gasthofs Zur Post ist viel Platz, was für Wirt Kurt Geiß ein großer Vorteil ist. So sind Treffen mit dem nötigen Abstand möglich.
+
Im Saal des Wiesseer Gasthofs Zur Post ist viel Platz, was für Wirt Kurt Geiß ein großer Vorteil ist. So sind Treffen mit dem nötigen Abstand möglich.

Großer Zeitaufwand

3G-plus-Kontrollen in der Gastro: Wirte beklagen sich über Ungeimpfte - „Militant und aggressiv“

Alle Autoren
    schließen
  • Christina Jachert-Maier
    Christina Jachert-Maier
  • Jonas Napiletzki
    Jonas Napiletzki
  • Gabi Werner
    Gabi Werner

Während das Landratsamt mehr Kontrollen in der Gastronomie ankündigt, kämpfen die Wirte noch mit der Umsetzung von 3G-plus. Unflätige Besucher sind ein Problem.

Landkreis – In seiner Rolle als Türsteher beruft sich Kurt Geiß, Wirt des Wiesseer Gasthofs Zur Post, gern auf „Dr. Söder“. Geiß steht dort, weil er oft persönlich in Sachen 3G kontrolliert, und er muss viel diskutieren. „Es gibt zu viele Ungeimpfte, und zum Teil sind sie militant und aggressiv“, berichtet Geiß. Verschwörungstheoretiker gebe es quer durch alle Schichten.

„Da sind Leute dabei, von denen man das nie gedacht hätte.“ Auch wenn der Wirt es bei Debatten mit Humor versucht, weich wird er nie. Einlass gibt’s nur für Gäste mit Nachweis. „Das bin ich auch meinen Mitarbeitern schuldig“, findet Geiß. Froh ist er darüber, dass im Saal des Gasthofs, den er von der Gemeinde gepachtet hat, viel Platz ist. So können sich kleinere Gruppen auch jetzt noch in seinem Haus treffen. „Da kann man gut Abstand halten“, erklärt Geiß.

Tegernseer Bräustüberl: Keine Diskussionen über Kontrollen

Anfeindungen von Gästen, die den Nachweis vorzeigen sollen, kennt Peter Hubert, Wirt des Tegernseer Bräustüberls, aus den Sommermonaten. Seit die Inzidenz in die Höhe geschnellt ist, gebe es keine Diskussionen über die Notwendigkeit der Kontrolle mehr. „Da streckt einem jeder das Handy entgegen“, berichtet Hubert. Kontrolliert werde am Eingang des Bräustüberls.

Im Gasthof Batznhäusl in Kreuth ist Pächter Robert Kirmse bei den Kontrollen rigoros. Die Gäste werden seinen Angaben zufolge im Eingangsbereich der Gaststätte empfangen und platziert. Die Kontrolle des Nachweises, ob der Gast geimpft, genesen oder – seit Neuestem – PCR-getestet ist, finde am Tisch statt. Bei vielen Gästen sei das Prozedere völlig problemlos – „die halten uns ihren Impfnachweis schon am Eingang entgegen“. Aber es gebe immer wieder Besucher, die keinen Nachweis haben und hoffen, dass der Wirt für sie eine Ausnahme macht.

„Ganz schlimm ist es, wenn wir dann vom Gast vorgehalten bekommen, dass sich in anderen Wirtshäusern keiner um die Nachweise schert“, berichtet Kirmse. Immer wieder höre er von Kollegen, die kaum oder gar nicht kontrollieren, ärgert sich der Wirt.

Voitlhof in Rottach-Egern: „Wir sind keine Polizei und kein Amt“

Einen anderen Umgang hat bisher die Familie Bogner vom Voitlhof in Rottach-Egern mit den 3G- und 3G-plus-Vorgaben gepflegt. Man weise die Gäste auf die geltende Verordnung hin und frage auch ab, ob sie geimpft, genesen oder getestet seien, erklärt Senior-Chef Josef Bogner. Den tatsächlichen Nachweis – etwa in Form des Impfausweises oder als digitales Dokument auf dem Handy – lässt sich Familie Bogner bislang aber nicht zeigen.

„Wir sind keine Polizei und kein Amt – für eine Kontrolle gibt es bis heute nicht die rechtlichen Voraussetzungen“, sagt Bogner, der damit rechnet, dass sich aufgrund der strengeren Regeln und des Quasi-Lockdowns im Landkreis die Zahl der Gäste reduzieren wird. Mit dieser Situation würden die Gastronomen allein gelassen, ärgert sich Bogner. Bisher fehlten jegliche Aussagen der Politik beispielsweise zum Thema Kurzarbeit. „Da hört man nichts.“

+++ Aktive Fälle, Testen, Impfen: Die neuesten Entwicklungen und Regeln rund um die Corona-Krise im Landkreis Miesbach fassen wir hier im Ticker zusammen. +++

Kurzarbeit wäre für Hanni Huber, Wirtin des Bräuwirts und des Weißbräustüberls in Miesbach, das Mittel der letzten Wahl. „Gott sei Dank haben wir noch treue Mitarbeiter“, sagt sie. Andere hätten es da schlechter. Mindestens eine Bedienung oder Huber selbst sind wegen der 3G-plus-Regel mit dem Kontrollieren der Gäste beschäftigt. „Wir sind da radikal“, sagt Huber. Das falle besonders bei Leuten schwer, die sagen: „Aber wir kennen uns doch.“ Noch weniger Verständnis hat sie für Beschimpfungen. Und die gebe es regelmäßig. „Wenn aber die Kontrolle kommt – und Kollegen haben mir davon berichtet – dann wird’s teuer, auch für die Gäste.“

Wirtesprecher: Mitarbeiter fehlen zwei bis drei Arbeitsstunden wegen Kontrollen

Hans Vogl, Chef des Landgasthofs Altwirt in Großhartpenning, braucht ebenfalls mindestens einen Mitarbeiter, „der auf Standby ist, um zu kontrollieren“. Der fehle zwei bis drei Arbeitsstunden pro Tag an anderer Stelle.

Gäste ohne Nachweis haben bei Vogl keine Chance, sagt der Wirt. Nicht alle Gastronomen sind so konsequent. Wer seiner Berufskollegen es lockerer nimmt? Dazu will Vogl, der auch Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands ist, allerdings nichts sagen.

Eine Auswahl aller relevanten News und Geschichten erhalten Sie in unserem kostenlosen Newsletter regelmäßig und direkt per Mail. Melden Sie sich hier an für Tegernsee, hier für Miesbach und hier für Holzkirchen. (gab, jm, nap)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare