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Warum schon Kredite ab 50.000 Euro gemeldet werden müssen

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Von: Stephen Hank

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Betont leger: Vorstandsvorsitzender Martin Mihalovits (r.) und Vorstand Udo Stefan Schlipf. Sie tragen Poloshirts mit dem Logo der Innovationskonferenz FIT, die wieder im Oktober stattfindet.
Betont leger: Vorstandsvorsitzender Martin Mihalovits (r.) und Vorstand Udo Stefan Schlipf. Sie tragen Poloshirts mit dem Logo der Innovationskonferenz FIT, die wieder im Oktober stattfindet. © Stefan Schweihofer

Die Vorgaben für Banken werden immer strenger. Inzwischen müssen schon Kredite ab 50.000 Euro gemeldet werden. Das wurde beim Bilanzpressegespräch der Kreissparkasse deutlich.

Landkreis – Die Sorge der Verbraucher vor steigenden Energiepreisen und Lebenshaltungskosten macht sich bei der Kreissparkasse noch nicht bemerkbar. „Die Leute gehen sehr vernünftig mit der Krise und ihrem Geld um“, sagte Vorstandsvorsitzender Martin Mihalovits am Dienstag (21. Juni) beim Bilanzpressegespräch. Das drehte sich diesmal inhaltlich weniger um Zahlen als vielmehr um die neue Philosophie der Bank.

Bilanzsumme bei 2,41 Milliarden Euro

Dabei sprechen die Zahlen durchaus für sich. Um knapp 7,8 Prozent auf 2,41 Milliarden Euro steigerte die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee im vergangenen Jahr ihre Bilanzsumme. Diese spiegelt den Anstieg bei den Kundenkrediten auf 1,76 Milliarden Euro (plus 12 Prozent) und den Einlagen auf 1,92 Milliarden Euro (plus 6,3 Prozent) wider. Wie andere Banken auch, muss die Kreissparkasse die Kredite mit Eigenkapital unterlegen. Das belief sich 2021 auf 146 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss betrug 1,92 Millionen Euro. Eine Ausschüttung an den Landkreis als Träger lehnen Vorstand und Verwaltungsrat weiterhin ab. „Das würgt den Motor ab“, stellte Mihalovits klar. „Weniger Eigenkapital hieße, dass wir keine Kredite an die Geschäftsleute in der Region ausgeben dürften.“

Innovationskonferenz wieder im Oktober

Klar, das Geldgeschäft. Es ist der betriebswirtschaftliche Kern des Instituts. Den Umgang mit Wertanlagen und Krediten beherrschen andere Banken aber auch. Und so konzentriert sich die Kreissparkasse mittlerweile verstärkt darauf, wie sie ihrer Verwurzelung in der Region und ihrem öffentlich-rechtlichen Auftrag am besten gerecht wird. Ein Baustein ist die Innovationskonferenz FIT (Forum.Innovation.Transformation), die wieder Ende Oktober stattfindet und in einer Mischung aus Präsenz- und Onlineformaten Diskussionen über wichtige regionale Themen anstoßen und Unternehmer vernetzen möchte. „Der Erfolg von 2021 gibt uns Recht“, sagte Vorstand Udo Stefan Schlipf. „Noch heute greifen Nutzer auf die online verfügbaren Inhalte zu.“ Neun Stunden digitales Material gibt es. Die Corona-Krise mit der Notwendigkeit, auch Veranstaltungen neu zu denken, habe hier also durchaus etwas Gutes gehabt.

Weg vom reinen Bankdienstleister

Weg vom reinen Bankdienstleister, hin zum Partner und Ratgeber des Kunden, diesen eingeschlagenen Weg möchte die Kreissparkasse weiterhin konsequent gehen. Man wolle keinen „gnadenlosen Produktverkauf“ betreiben, so Mihalovits, sondern die Menschen dabei unterstützen, ein sorgenfreies Leben zu gestalten und sich selbst zu verwirklichen. „Dazu gehört es auch, genau hinzuschauen und es jemandem zu sagen, wenn er von einem Kredit oder Vorhaben besser die Finger lassen sollte“, stellte der Vorstandsvorsitzende klar.

Kredite ab 50.000 Euro müssen gemeldet werden

Die wirtschaftliche Lage der Bank und ihrer Kunden genau im Blick zu behalten, liege im ureigenen Interesse. „Nur wenn es den Menschen gut geht, geht es auch uns gut“, erinnerte Schlipf. Über die Vorgabe, dass zur Identifizierung möglicher Spekulationsblasen inzwischen bereits Kredite ab 50.000 Euro an die Bankenaufsicht gemeldet werden müssen, kann er deshalb nur den Kopf schütteln. „Da wird Verbraucherschutz ad absurdum geführt, denn irgendjemand muss diesen Kosten- und Verwaltungsaufwand am Ende bezahlen.“

„Verantwortungsvoller Umfang mit dem Geld“

Grundsätzlich zeigten die Leute in der Region einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld. Bislang sei es wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs weder zu ungewöhnlichen Kontoüberziehungen noch zu Firmenpleiten gekommen. „Die Leute sind in der Lage, mit der Rezession umzugehen“, glaubt Mihalovits. Freilich geht auch er davon aus, dass das eine oder andere Projekt aus Kostengründen zurückgestellt oder gar nicht verwirklicht wird. Auf diese Wachstumspause sei die Kreissparkasse aber schon seit 2018 vorbereitet. „Es musste jedem bewusst sein, dass die goldene Phase aus Aufschwung und Niedrigzins kein Dauerzustand sein kann“, so Mihalovits. Für seinen Kollegen Schlipf haben die aktuellen Herausforderungen auch etwas Gutes: „Wir kommen vielleicht mit einer anderen Effizienz aus der Sache raus.“

Die Sparkasse in Zahlen

Im Jahr 2021 gab es: 50 900 Kunden, 39 500 Online-Banking-Zugänge, 21 480 Sparkassen-App-Nutzer, 87 012 Anrufe im Kundencenter, 297 Mitarbeiter, elf Filialen, 60 Bankautomaten, 300 000 Euro Spenden.

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