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„Entweder konsequent oder inkonsequent, aber nicht dieses dauernde Hin und Her“: Wolfgang Krebs als Horst Seehofer.

„Lieber Herr Waitzinger, sehr geehrte Frau Keller“

Wolfgang Krebs begeistert mit Neuem von Stoibmund Eder

Seehofer, Söder, Herrmann - und natürlich Edmund Stoiber: Kabarettist Wolfgang Krebs kann sie alle. Und hatte im Waitzinger Keller in Miesbach sogar einen Doktortitel für die Bürgermeisterin dabei.

Miesbach – Wenn der Kabarettist Wolfgang Krebs auftritt, bekommt der Zuschauer die Crème de la Crème der bayerischen Politik präsentiert, besser: vorgeführt. Sie sind – fast – alle da, die Seehofers und Stoibers, die Söders und Herrmanns und noch viele andere mehr. Im sehr gut gefüllten Waitzinger Keller in Miesbach durfte das Publikum einen launigen Samstagabend mit einer Art Polit-Oscar-Verleihung miterleben, das neue Programm des begnadeten Imitators.

Die Gala beginnt, der „Watschenbaum“ wird vergeben, der Preis, den keiner haben will. Es soll der geehrt werden, der den größten Bock schießt und den aberwitzigsten Unsinn verzapft. An diesem Abend werden verschiedene Kandidaten vorgestellt, und am Schluss darf das Publikum abstimmen. Schirmherr ist kein Geringerer als der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Der beginnt in seiner Eröffnungsansprache gleich mit einem Feuerwerk aus Verdrehern, Verwechslungen und Versprechern, zerstreut und verplant. „Lieber Herr Waitzinger, sehr geehrte Frau Keller, ich möchte heute mit Ihnen über ein Thema sprechen, das uns allen auf den Nägeln rührt, ääh, unter der Niere brennt, ääh, auf der Milz über die Herzen der Laus läuft.“ Und: „Sie kennen bestimmt den großen Oscar-Preisträger Adam, ääh, Alfred Einstein.“

Die Zuhörer kriegen sich kaum mehr ein, wenn er bei der Relativitätstheorie landet, die er zwar nicht aussprechen, aber sehr wohl erklären kann. Bewundernswert, wie schnell und punktgenau Krebs innerhalb von Sekunden sein Outfit, seine Frisur, seine Körperhaltung, seine Mimik und Gestik und vor allem seine Sprache an sein nächstes „Opfer“ anpassen kann. Wie er als Stoiber geht und als Ministerpräsident Seehofer – groß, imposant und mit dem typisch rollenden „r“ – wieder herauskommt.

„Die Basis ist das Fundament aller Grundlagen“, sagt Krebst als Seehofer. Die einzige nennenswerte Opposition in Bayern sei er selber mit seinem Arsenal an widersprüchlichen Standpunkten, etwa zur dritten Startbahn: „Mal bin ich dafür, dann dagegen, im Moment bin ich dafür – glaub’ ich.“ Sein Motto sei immer: „Entweder konsequent oder inkonsequent, aber nicht dieses dauernde Hin und Her.“

Mühelos gelingt dem gnadenlosen Überzeichner der Wechsel ins Fränkische – zu Minister Markus Söder, der sich um alles kümmern muss, was die andern nicht machen wollen, etwa das Gesetz zur Vermeidung von Wellenbildung beim Einsteigen in die Badewanne. „Wie soll ich wissen, was ich denke, bevor ich gehört habe, was ich sage“, philosophiert er, oder: „Immer, wenn du denkst, es geht ned blöder, kommt von irgendwo der Markus Söder.“ Weitgehend leichte Kost also.

Das unterhaltsame Programm spielt in der Welt der Politik, ist aber kein politisches Kabarett, denn Krebs geht nicht dahin, wo’s wehtut. Es geht ihm darum, die Politiker nicht so ernst zu nehmen, zu vermitteln zwischen Politik und Volk.

Brandneu im Polit-Panoptikum und sehr gelungen in Frisur, Diktion und Bedächtigkeit: Bayerns Innenminister Wolfgang Hermann. Ebenfalls neu ist Kanzlerin Angela Merkel – nicht ganz so gut getroffen, wohl wegen Krebs‘ stattlicher Körpergröße. Zum Brüllen dagegen Markus Aiwanger von den „freien Quälern“, wenn Krebs ihn „Opfisoft“ sagen lässt. Den „Watschenbaum“ gewinnt übrigens Donald Trump.

Der Spitzenkabarettist weiß, was sich gehört: Nach viel, viel Beifall verschwindet er nicht hinter der Bühne, sondern verabschiedet sich artig in der ersten Reihe per Handschlag von Miesbachs Bürgermeisterin Ingrid Pongratz, der er zuvor als Stoiber großzügig den Doktortitel verliehen hat. „Wenn Sie meinen, was ich verstehe.“

Von Reinhold Schmid

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