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Geschütztes Spielvergnügen: Eine Gruppe des Katholischen Pfarrkindergartens in Miesbach nutzt das schöne Wetter für einen Nachmittag im Naturspielgarten. Angst vor Zecken brauchen sie dank ihrer aufmerksamen Betreuer und Eltern nicht haben.

Experten geben Auskunft

Zeckenplage: So schützen Sie sich richtig

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Wenn sie zubeißen, kann es gefährlich werden: Und heuer gibt es richtig viele Zecken. So sieht die Situation im Landkreis aus und so schützen Sie sich und andere:

Landkreis – Bevor die Kleinen zum ersten Mal ins Unterholz dürfen, müssen David Pross und seine Kollegen vom Waldkindergarten Holzkirchen viele Fragen beantworten. Die meisten davon drehen sich um ein kleines, aber nicht ungefährliches Tier: die Zecke. „Viele Eltern denken, dass es im Wald mehr davon gibt“, sagt der Vorsitzende des Trägervereins. Tatsächlich bevorzugen die gerade einmal 2,5 bis 4,5 Millimeter großen Winzlinge eher Sträucher und hohes Gras. Dass es heuer besonders viele Zecken gibt, hat Pross bislang noch nicht festgestellt.

Steht uns ein Zeckenjahr bevor?

Dr. Thomas Straßmüller, Allgemeinarzt aus Gmund, führt keine Statistik über Zeckenbisse. Und doch hat er heuer bereits etliche Patienten behandelt. „Vom Gefühl her sind es mehr als in den vergangenen Jahren“, meint Straßmüller. Nach einem verhältnismäßig milden Winter und eher verregneten Frühjahr würden die Tiere in diesen Wochen günstige Bedingungen vorfinden.

Das Robert-Koch-Institut hat den Landkreis Miesbach auch 2017 in die Karte der Risikogebiete für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) aufgenommen. Meldungen für die aktuelle Saison liegen dem Gesundheitsamt noch nicht vor. „Der Frühsommer hat in den letzten Wochen erst begonnen“, erklärt Fachbereichsleiter Dr. Christian Auracher. Vor allem jetzt und im Herbst seien die Zecken entwicklungsbedingt auf das Blut warmblütiger Lebewesen angewiesen – und würden damit auch den Mensch befallen. Rückschlüsse von der Zahl der Krankheitsfälle auf die Zeckenbelastung im Landkreis seien „differenziert zu sehen“, betont Auracher. „Die Leute können sich den Zeckenbiss auch bei einem Ausflug in eine andere Gegend zugezogen haben.“ Generell seien die Fallzahlen von an FSME oder Borreliose erkrankten Personen im Landkreis aber gering.

Was ist bei einem Zeckenbiss zu tun?

Dass nur die wenigsten Zeckenbisse in eine Infektion münden, darauf weist Dr. Straßmüller seine Patienten hin. Dennoch sollte man immer einen Arzt aufsuchen, um das Tier rückstandslos aus der Haut entfernen und die Wunde desinfizieren zu lassen. Generell spreche nichts dagegen, dass die Patienten bereits selbst Hand anlegen. Straßmüller empfiehlt aber, die Zecke mit einer Pinzette am Kopf zu packen und möglichst gerade herauszuziehen. „Sonst wird die Abgabe von möglicherweise infiziertem Material begünstigt.“

Ob das tatsächlich passiert ist, stellt sich erst ein paar Wochen später heraus – zumindest im Fall der Borreliose. Stellt der Patient um die Einstichstelle eine kreisförmige, schmerzlose Rötung – die sogenannte Wanderröte oder Erythema migrans – fest, sollte er schnell einen Arzt aufsuchen. Grund zur Panik gibt es aber keinen. „Die Borreliose ist eine bakterielle Infektion und lässt sich mit Antibiotika gut behandeln“, erklärt Straßmüller. Schlechter stehen die Chancen bei der im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung führenden FSME.

Ist eine Impfung gegen FSME nötig?

Weil FSME von Viren hervorgerufen wird, lassen sich die Symptome nur medikamentös behandeln. Deshalb raten die Ärzte hier zur Impfung. Drei Termine sind vorgesehen. Mit der zweiten Dosis nach einem Monat ist der Schutz bereits wirksam, erklärt Straßmüller. Wer sich jetzt impfen lässt, profitiert davon also schon in dieser Saison. Die erste Auffrischung ist erst nach drei bis fünf Jahren notwendig. Zugelassen ist der Impfstoff schon für Kleinkinder. „Die sind ja oft auch schon in der Wiese unterwegs“, sagt Straßmüller.

Eine generelle Impfempfehlung gibt das Team des Waldkindergartens Holzkirchen nicht ab. Dafür bekommen die Eltern ein Infoblatt in die Hand gedrückt, in dem sie über alle Schutzmöglichkeiten aufgeklärt werden. Die Botschaft: Ein Zeckenbiss ist trotz langärmliger Kleidung und Kopfbedeckung oder Abwehrspray nicht komplett vermeidbar. „Die Kinder sind bei uns eben jeden Tag in der Natur“, erklärt Pross. Sein Tipp: Die Eltern sollen die Kleinen zuhause täglich genau auf Zecken absuchen. „Die meisten erwischt man noch beim Krabbeln.“

Darauf setzt man auch im Katholischen Pfarrkindergarten in Miesbach. Wenn eine Wanderung in den Wald ansteht, werden die Eltern rechtzeitig darüber informiert, erklärt die Stellvertretende Leiterin Manuela Kalac. So könnten diese ihre Sprösslinge angemessen anziehen und nach dem Abholen auf Zecken absuchen. Sollten Betreuer einen Biss feststellen, würden diese das Tier selbstverständlich umgehend entfernen. „Dazu sind wir verpflichtet“, erklärt Kalac. „Das ist für uns eine Erste-Hilfe-Maßnahme.“

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