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Neugieriger Blick, gefährliches Lächeln: Die letzte Aufnahme von Bruno dem Bär.

"Das Schlimmste war, ihm einen Namen zu geben"

Zum zehnten Todestag: Wer erschoss Bruno?

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Miesbach – 4.50 Uhr, Kümpflalm am Spitzingsee, Schüsse im Morgengrauen. An diesem Sonntag ist es genau zehn Jahre her, dass Bruno der Bär getötet wurde. Wer erschoss Bruno?

Nicht alle, aber zumindest manche Jäger stehen in dem Ruf, dass sie bei Abschüssen das Besondere suchen. Einige unternehmen sogar weite Reisen auf andere Kontinente, um Auge in Auge mit der Bestie zu obsiegen. So gesehen war der Braunbär, der in der Nacht zum 20. Mai 2006 im Graswangtal ohne zu fragen Bayerns Grenze überschritt und dem man den Namen Bruno gegeben hatte, ein Glücksfall für heimische Jäger: Ein Bär vor der Haustür, nicht in Kanada. Das erste wildlebende Exemplar seit der Ausrottung im Jahr 1835. Eine Jagd sogar im Auftrag des Ministeriums. Aber keiner wollte ihn schießen. Und sich schon gar nicht mit seinem Tod brüsten. Wer tötet schon gern einen Medienstar?

Für Martin Weinzierl ist es kein Wunder, dass die Identität der Jäger über die Jahre im Verborgenen blieb und bleiben wird. „Das dient dem Schutz der Schützen“, sagt der Kreisvorsitzende des Jagdverbands Miesbach und stellt gleich etwas richtig: Es seien keine Jäger gewesen, sondern ein vom Ministerium „beauftragtes Sicherheitsteam“. Männer, die schießen können. Dafür müsse man nicht Jäger sein – auch Polizisten kämen infrage.

"Der Bär ist vermenschlicht worden"

Das sagt der 65-Jährige nicht ohne Grund. „Auf uns Jäger fiel ein schwarzer Schatten. Ich bin einer der Leidtragenden. Mich haben sie damals auch verdächtigt, geschossen zu haben.“ Morddrohungen habe es gegeben, Schmierereien auf der Straße wie „Weinzierl du Mörder“, anonyme Anrufe und Chinaböller am Haus. „Es waren keine ruhigen Tage.“

Auch nicht für andere, die als „Todesschützen“ gehandelt wurden oder einfach nur Jäger waren – sie wurden zur Zielscheibe für Tierfreunde und Jägerfeinde. Dabei hätte alles anders laufen sollen, sagt Weinzierl: „Der ursprüngliche Plan war, ihn weiterziehen zu lassen, rüber nach Österreich. Er war ja schon auf dem Weg.“

Dass die öffentliche Empörung über den Abschuss so dermaßen hochkochte, ist für Brigitta Regauer kein Wunder. „Der Bär ist vermenschlicht worden“, sagt die Wolfsbeauftragte des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern und bestätigt, dass einige Personen massiv bedroht worden seien. „Da fielen Sätze wie: Ihr gehört alle umgebracht.“ Dabei hätten sie sich nicht freiwillig gemeldet, sondern seien ausgelost worden. „Es waren einfach gute Schützen, damit das Tier nicht leiden muss.“

Romantisierung fernab aller Vernunft?

Sogenannte Naturschützer und Bärenfreunde seien nach Brunos Tod geradezu hysterisch gewesen. „Bei uns auf der Alm haben sie auch nach der Abschussstelle gesucht.“ Städter auf Pilgertour, gebastelte Kreuze im Rucksack.

„Das Schlimmste war, ihm einen Namen zu geben“, sagt die Landwirtin und beklagt eine Romantisierung fernab aller Vernunft. „Natürlich ist es schön, wenn nach 170 Jahren der Bär zurückkommt. Das gibt das gute Gefühl, dass unsere Natur doch intakt ist.“

Doch das, sagt die Bäuerin, glauben meist nur Menschen, die sich selbst schon weit von der Natur entfernt haben. Die die heimischen Berge als Freizeitpark und Panoramakulisse begreifen. Wo man überall Zutritt haben will – durch den dichtesten Wald, mit dem coolsten Bike.

Drei Männer, drei Schüsse, zwei Treffer

Der Mensch sei nicht bereit, der Natur ausreichend menschfreie Räume zu überlassen und wundere sich, wenn Wildtiere mangels eigener Lebensräume in der Welt des Menschen auftauchen und Mülltonnen durchsuchen. Dennoch betont sie: „Wir haben den Abschuss nicht verlangt.“

Verlangt hat ihn der Umweltminister, nachdem die eigens aus Finnland eingeflogenen Jagdspezialisten mit ihren Hunden so kläglich gescheitert waren. Sagt ein Jäger, der namentlich in Deckung bleiben möchte. „Schnappauf hatte Angst, dass Menschen zu Schaden kommen könnten, nachdem der Bär die Hunde der Finnen schwer an der Schnauze verletzt hatte. Stellen Sie sich vor, der Bär greift den Hund eines Wanderers an und Herrchen wirft sich dazwischen.“ Nicht auszudenken. Daher der Einsatz: drei Männer, drei Schüsse, zwei Treffer.

Doch warum keine Betäubung, kein Aussetzen in einem Park? „Wäre das eine Lösung?“, fragt Regauer. Der Bär wanderte Hunderte Kilometer – von den Dolomiten bis ins Oberland. „Selbst wenn wir ihm einen Hektar unberührte Natur zur Verfügung stellen, er wäre trotzdem eingepfercht.“

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