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Rettender Pieks: Ein Tierarzt impft eine Kuh gegen die Blauzungenkrankheit. Das Foto stammt vom bundesweiten Ausbruch der Krankheit im Jahr 2008.

Verkaufsverbot wegen Blauzungenkrankheit droht

Zuchtverband appelliert: Tierhalter sollen Rinder impfen

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Der Zuchtverband Miesbach ist alarmiert: Die Blauzungenkrankheit könnte auch hier zu einem Verkaufsverbot führen. Der Appell: Alle Rinder sollten geimpft werden.

Landkreis – Ein krankes Tier im Umkreis reicht, und das große Chaos wäre da. Von heute auf morgen dürfte der Zuchtverband Miesbach nur noch Kälber von geimpften Muttertieren verkaufen. „Wenn wir Sperrgebiet werden, haben wir ein Problem“, sagt Zuchtverbands-Vorsitzender Johann Rauchenberger. Und alles nur wegen der Blauzungenkrankheit.

Aktuell scheint das Virus noch weit weg. Die ersten Auswirkungen spüren aber auch die Züchter im Landkreis bereits. Bis dato kurioserweise aber eher positiv. Weil in Teilen Bayerns bereits Restriktionszonen aufgrund von in anderen Ländern nachgewiesenen Krankheitsfällen ausgewiesen wurden, würden mehr Viehhändler nach Miesbach fahren, um hier einzukaufen. Die Preise am Kälbermarkt seien deshalb noch stabil, berichtet Rauchenberger. „Es kann uns aber jederzeit treffen.“

Damit das nicht passiert, appelliert der Vorsitzende an alle Viehzüchter im Landkreis und darüber hinaus, ihre Rinder impfen zu lassen. Er selbst habe dies auf seinem Lenggrieser Hof bereits getan. Mit zwei Mal zwei Stichen pro Tier sei die Gefahr gebannt. Das Mittel könnten die Bauern von den Tierärzten beziehen, die Tierseuchenkasse erstatte als Beihilfe einen Teil der Kosten. „Wir können und wollen aber niemanden zwingen“, betont Rauchenberger. Eine Impfpflicht sei derzeit auch politisch nicht gewollt.

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Auch das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ruft zur Vernunft auf. „Wir setzen auf die Mitverantwortung der Tierhalter, ihre Bestände bestmöglich zu schützen“, sagt Minister Thorsten Glauber. Um die Impfrate von nur sechs Prozent in Bayern (in Baden-Württemberg sind es 40 Prozent) schnell deutlich zu steigern, habe der Freistaat kurzfristig mehrere zehntausend Impfstoffdosen zur Verfügung gestellt. Ab Juni könnte eine weitere Million Dosen über die Tierärzte bezogen werden.

Der Zeitdruck rührt aus einer Entscheidung des Bundeslandwirtschaftsministeriums, dass schon ab dem morgigen Freitag innerhalb von Restriktionszonen nur noch Kälber von geimpften Kühen „verbracht“ werden dürfen. Bislang hatte in Bayern ein negativer Bluttest ausgereicht. Wie groß so ein Sperrgebiet ausfällt, entscheiden die Landratsämter. Das Tierseuchenrecht sieht aber einen Bereich von 150 Kilometern um den von der Blauzungenkrankheit betroffenen Betrieb vor.

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Grund genug für den Zuchtverband, die Landwirte in seinem Einzugsbereich dringend zur Impfung zu raten. Wie schnell sich das tückische Virus ausbreiten kann, habe sich zuletzt 2007 und 2008 gezeigt, erinnert sich Rauchenberger. Damals sei die ganze Bundesrepublik Sperrgebiet gewesen – mit gravierenden Auswirkungen auf den Viehhandel. Und schon da habe sich gezeigt, teilt der Umweltminister mit, dass es einer Impfabdeckung von mehr als 80 Prozent bedürfe, um eine Ausbreitung der Blauzungenkrankheit grundsätzlich zu verhindern. „Der Schutz hat daher große Bedeutung.“

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