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Der Chef und sein Meisterstück: Balthasar Biechl steht auf der Empore der Oberlandhalle in Miesbach.

Balthasar Biechl tritt nach 15 Jahren nicht mehr an

Zuchtverbands-Chef hört auf: „Es gäbe keinen schöneren Zeitpunkt“

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15 Jahre lang war Balthasar Biechl das Gesicht der Miesbacher Viehzucht. Mit dem Bau der Oberlandhalle hat er den Zuchtverband in eine neue Ära geführt. Jetzt geht er von Bord. 

Miesbach – Balthasar Biechl hat ein Buch geschrieben. „Der lange Weg zur neuen Halle“ heißt das Werk des scheidenden Vorsitzenden des Zuchtverbands Miesbach. Auf 60 Seiten schildert der 68-jährige Landwirt aus Feldkirchen-Westerham „Fakten und Empfindungen“ zur Aussiedlung der Miesbacher Oberlandhalle von der Schlierseer Straße nach Straß. Immer wieder taucht darin sein Lebensmotto auf: „Geht ned, gibt’s ned.“ Trotz aller Hürden in seinen 15 Jahren als Zuchtverbandsvorsitzender hat Biechl daran nie gerüttelt. Am morgigen Freitag wird bei der Hauptversammlung sein Nachfolger gewählt. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt Biechl auf seine lange Amtszeit zurück.

-Herr Biechl, spüren Sie Wehmut, wenn Sie in diesen Tagen durch die Oberlandhalle gehen?

Balthasar Biechl: Eigentlich nicht. Ich sehe das ganz pragmatisch. Ich habe den Zuchtverband eine bestimmte Zeit lang verwaltet, jetzt reiche ich ihn in neue Hände weiter. Das ist wie bei einem Hof. Man möchte ihn besser übergeben, als man ihn selbst übernommen hat.

-Ist Ihnen das gelungen?

Balthasar Biechl: Das kann und möchte ich selbst nicht beurteilen. Sagen wir es doch so: Es gäbe keinen schöneren Zeitpunkt für mich, um aufzuhören. Wir verzeichnen regelmäßig Rekord-Auftriebszahlen bei den Viehmärkten, und die jungen Züchter sind mit Begeisterung dabei. Der Neubau der Oberlandhalle hat uns viel Schwung und auch ein anderes Bild in der Öffentlichkeit verliehen.

-Aber er hat bestimmt auch viel Kraft gekostet.

Balthasar Biechl: An sich bin ich ja ein sehr ruhiger Mensch mit guten Nerven. Aber die Diskussion um die Aussiedlung hat mir schon die eine oder andere schlaflose Nacht bereitet. Ich habe mich immer bemüht, nicht auf die Anfeindungen einzugehen – auch wenn das manchmal sehr schwer war.

-Haben Sie irgendwann mal dran gedacht, die Brocken hinzuwerfen?

Balthasar Biechl: Absolut nie. Mir war klar, dass die Aussiedlung für den Zuchtverband überlebensnotwendig ist. Ich erinnere mich noch gut daran, wie die alte Oberlandhalle nach einer statischen Untersuchung am 22. Dezember 2009 von jetzt auf gleich gesperrt wurde. Das war dramatisch. Wir haben dann auf die Schnelle 18 Baumstämme aus dem Wald geholt und die Dachbalken so gestützt. Dadurch haben wir eine befristete Zulassung bis 2014 erwirkt, die Märkte waren gesichert. Was dann in den folgenden Jahren alles auf uns eingeprasselt ist, hätte ich aber so nie erwartet.

-Sie sprechen vom Bürgerentscheid im Juli 2012?

Balthasar Biechl: Das war sicherlich der emotionale Höhepunkt. Aber auch der Weg bis zum Neubau selbst war hart. Es gab viele rechtliche Dinge zu beachten. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich beim Notar war. Zum Glück hatte ich viele Fachleute und Fürsprecher, die mir geholfen haben. Trotzdem war immer die Angst dabei, einen Fehler zu machen, der die Zukunft des Zuchtverbands gefährdet hätte. Ich bin ja kein Jurist, sondern Landwirt.

-Wie haben Sie denn Ihr Ehrenamt als Vorsitzender mit Ihren Aufgaben auf dem heimischen Hof unter einen Hut gebracht?

Balthasar Biechl: Das war manchmal schon ein ziemlicher Spagat. Bevor ich mich aber 2002 als Vorsitzender habe aufstellen lassen, habe ich zuerst zuhause alles gerichtet. Mit einem neuen Stall und einem modernen Melkroboter für unsere 60 Kühe war eine gute Grundlage geschaffen. Weil mein Sohn mit seiner Ausbildung fertig war, konnte er viele Aufgaben auf dem Hof übernehmen. Das war wichtig, denn gerade meine ersten Jahre beim Zuchtverband waren hart.

-Warum?

Balthasar Biechl: Weil ich vieles lernen musste. Zuhause habe ich die Entscheidungen in der Familie getroffen. Als Vorsitzender muss man viel mehr kommunizieren, um die Leute mitzunehmen. Und bei Unstimmigkeiten – zum Beispiel zwischen Käufer und Verkäufer – ist man als Schlichter gefordert. Die meiste Zeit gekostet haben mich aber die Verwaltungsaufgaben.

-Dafür ist seit dem Sommer nun der neue Geschäftsführer Christian Preßlaber zuständig.

Balthasar Biechl: Genau. Mir war wichtig, dass wir die Verwaltung auf professionelle Füße stellen. Das kann auf Dauer nicht alles der Vorsitzende übernehmen. Schließlich sprechen wir hier von einem Ehrenamt.

-Hat dann Ihr Nachfolger überhaupt noch was zu tun?

Balthasar Biechl: (lacht) Langweilig wird ihm bestimmt nicht. In der Viehzucht tut sich gerade sehr viel. Die Wissenschaft kommt immer weiter voran, aber die Frage ist, was ethisch und moralisch vertretbar ist. Dennoch dürfen wir uns dem Fortschritt nicht versperren. Unser oberbayerisches Alpenfleckvieh ist eine hochwertige Rasse, die weltweit gefragt ist. Das ist letztlich auch unsere Zukunft.

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