Lint-Züge der BRB
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Fahren noch mit Diesel: die neuen Lint-Züge der BRB.

Interview mit BRB-Geschäftsführer

Zugverkehr im Oberland: Wasserstoff für BRB vorerst kein Thema

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Die ersten Wasserstoffzüge gehen in den Probebetrieb - allerdings nicht im Oberland. Warum hier die Elektrifizierung erste Wahl bleibt, erklärt der Geschäftsführer der BRB im Interview.

Landkreis – In einem zweieinhalbjährigen Probebetrieb will die Bayerische Regiobahn (BRB) ab 2024 herausfinden, inwiefern Wasserstoffzüge die Vision der Energiewende auf der Schiene real werden lassen können. Da der „Mireo Plus H“ des Herstellers Siemens nur in den Streckennetzen Ostallgäu-Lechfeld und Ammersee-Altmühltal fahren soll, bleibt das Oberland in Sachen Wasserstoff vorerst außen vor. Ob das Thema hier damit endgültig ad acta gelegt wird, warum die Elektrifizierung auch ökologisch derzeit die Nase vorn hat und wie der aktuelle Entwicklungsstand bei Akku-Zügen aussieht, erklärt der technische Geschäftsführer der BRB, Arnulf Schuchmann, im Interview mit unserer Zeitung.

Herr Schuchmann, warum ist das Oberland nicht wasserstofftauglich?

Arnulf Schuchmann: Ich würde es eher umgekehrt formulieren: Die Wasserstoffzüge sind noch nicht reif für die Bahnstrecken im Oberland.

Das wissen Sie schon vor dem Probebetrieb in den BRB-Netzen Ostallgäu-Lechfeld und Ammersee-Altmühltal?

Arnulf Schuchmann: Ja, drum haben wir das Oberland auch nicht als Teststrecke ausgesucht. Das liegt nicht nur an der wegen der vielen Kurven und Höhenunterschiede anspruchsvollen Topografie. Es fehlt hier einfach an der nötigen Infrastruktur. Weil die Testzüge mit gasförmigem Wasserstoff betankt werden, arbeiten wir mit sehr hohem Druck. Schon in den Lagertanks braucht es 350 bar, beim Befüllen sogar 500 bar. Zudem dürfen Wasserstoffzüge aus Sicherheitsgründen keine unterirdischen Verkehrsstationen anfahren, was auch eine Nutzung der zweiten Stammstrecke verhindert. Nicht zuletzt müsste der Wasserstoff auch erst ins Oberland transportiert werden. Anders schaut es rund um Augsburg und Landsberg am Lech aus, wo einige Erzeuger sitzen.

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Warum hat man dann nicht doch auf flüssigen Wasserstoff gesetzt?

Arnulf Schuchmann: Weil auch das mit sehr viel Aufwand verbunden gewesen wäre. Flüssiger Wasserstoff braucht Temperaturen von minus 170 Grad Celsius. Die dafür nötige Kühlkette hätte so viel Energie verbraucht, dass sich der ökologische Vorteil gegenüber dem Dieselantrieb arg in Grenzen gehalten hätte. Der Strombedarf bei der Erzeugung des Wasserstoffs ist da noch gar nicht eingerechnet.

Arnulf Schuchmann, technischer Geschäftsführer der Bayerischen Regiobahn (BRB)

Wie sieht denn der Wirkungsgrad aus?

Arnulf Schuchmann: Von 100 Prozent Energieeinsatz erhält man zwischen 30 und 40 Prozent zurück. Das gilt übrigens auch für den gasförmigen Wasserstoff. Bei der Elektrifizierung der Bahnstrecken hingegen fließt der Strom direkt in den Antrieb der Züge, was einen Wirkungsgrad von über 90 Prozent ergibt. Deshalb ist das auch unser Favorit für das Oberland.

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Dafür müssen aber erst die nötigen Oberleitungen gebaut werden.

Arnulf Schuchmann: Südlich von Holzkirchen schon. Uns ist natürlich durchaus bewusst, dass das im Hinblick auf den Landschaftsschutz und mögliche Einwände der Anwohner hin beurteilt werden muss. Das ist aber letztlich eine politische Willensbildung und Entscheidung. Aus technischer und ökologischer Sicht ist die Elektrifizierung derzeit klar die beste Variante für die Zukunft des Bahnverkehrs im Oberland. Aber auch hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit sind Wasserstofffahrzeuge derzeit nicht konkurrenzfähig gegenüber Fahrzeugen mit Stromabnehmern. Das gilt übrigens auch für Akku-Züge.

Wie sieht da der Entwicklungsstand aus?

Arnulf Schuchmann: Derzeit sind die produzierten Stückzahlen noch zu gering und die Ladeinfrastruktur fehlt vielfach. Die Akkus selbst sind entweder sehr groß und schwer oder haben zu wenig Kapazität. Der technische Fortschritt ist aber rasant, da kann sich also noch viel tun.

Auch beim Wasserstoff?

Arnulf Schuchmann: Selbstverständlich. Das ist ja auch der Grund für den Testbetrieb. Vielleicht liefert der neue Erkenntnisse, die auch dem Oberland nützlich sein könnten. Ich würde hier nichts ausschließen wollen. Ganz getreu dem Motto: „Das Bessere ist dem Guten Feind.“

sg

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