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Bald auch im Tegernsee am Start: Die Elektroautos der Mobilen Region (MORE) Oberland können ab Ende April im Tal gemietet werden.

Elektromobilität im Landkreis kommt voran

Zwei neue Projekte: E-Autos bald für jeden auf Abruf?

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Reservieren, einsteigen, losfahren – und das zum Schnäppchenpreis. So einfach sollen Bürger und Urlauber im Landkreis Miesbach künftig ein Elektroauto nutzen können. In Kürze starten zwei Projekte.

Beim Pressegespräch am Landratsamt stellten Florian Appel (E-Werk), Peter Schiffmann (Landratsamt), Florian Brunner (SMG), Landrat Wolfgang Rzehak, Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner, Klimaschutzmanagerin Veronika Halmbacher und MORE-Projektleiter Christoph Ebert die E-Carsharing-Projekte im Landkreis vor.

Landkreis – Noch gehören sie zu den Exoten auf den Straßen. Auch im Landkreis Miesbach ist es zuletzt eher ruhig gewesen um die flüsterleisen Stromer. Wer aktuell ein Elektroauto ausprobieren will, muss einen Händler um eine Probefahrt bitten – oder direkt selbst einen der batteriebetriebenen Flitzer kaufen. Auch mit dem Aufladen ist es so eine Sache. Außer der Steckdose in der heimischen Garage bleiben den E-Auto-Pionieren derzeit nur ein paar über den Landkreis verstreute, öffentliche Ladesäulen.

All diese Hürden sollen bald der Vergangenheit angehören. Schon Ende April will das E-Werk Tegernsee als Kooperationspartner der Mobilen Region (MORE) Oberland ein eigenes Mietangebot für Elektroautos (E-Carsharing) im Tegernseer Tal starten. Das Schlierach-/Leitzachtal zieht noch im ersten Halbjahr 2017 nach. „Der Landkreis kommt in die Puschen“, sagte Landrat Wolfgang Rzehak nun bei einem Pressegespräch der Zukunftswerkstatt Mobilität erfreut. In unserem Überblick stellen wir die Projekte vor und zeigen, was die Bürger in Sachen E-Mobilität 2017 erwartet.

Mobilitätsregion Tegernsee

Dran am Thema E-Carsharing ist das E-Werk-Tegernsee schon länger, berichtete Vertriebsleiter Florian Appel. „Wir haben uns verschiedene Konzepte angeschaut.“ Überzeugt habe den Energieversorger letztlich die Plattform MORE. Die ist aus dem Projekt „E-GAP“ in Garmisch-Partenkirchen erwachsen und hat schnell weitere Partner im Oberland gefunden. Der jüngste Neuzugang ist das Tegernseer E-Werk.

Die Erfolgsformel von MORE ist die Vernetzung mit den Unternehmen aus der Region. „Wir passen uns der bereits vorhandenen Infrastruktur vor Ort an und schaffen Schnittstellen“, erklärte Projektleiter Christoph Ebert. Dreh- und Angelpunkt von MORE im Tegernseer Tal ist das E-Werk. Hier melden sich die Kunden mit ihrem Führerschein und ihren Kontodaten für die Gebührenabrechnung an. Fünf Euro pro Stunde werden die E-Autos kosten. 30 Kilometer sind frei, jeder weitere schlägt mit 15 Cent zu Buche. Aufgeladen werden die Fahrzeuge an der Ladesäule an ihrer Basisstation. Dort müssen sie von den Mietern nach der Nutzung auch wieder geparkt werden. Ein „Free Floating-Modell“ wie in Großstädten – dort können die Autos an verschiedenen Orten abgestellt werden – lasse sich auf dem Land vorerst nicht realisieren, betonte MORE-Projektleiter Ebert.

Wo die E-Autos letztlich stehen und wie viele es am Ende werden, hängt von den Firmen ab, die bei MORE Tegernsee mitmachen. Statt eine eigene Flotte anzuschaffen, setzt der Anbieter auf die örtlichen Betriebe. Die können sich über das E-Werk einen Elektroflitzer bei einem der hiesigen Händler bestellen (zwei haben bislang Angebote vorgelegt), den sie dann nicht nur an ihre Mitarbeiter, sondern außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende auch an jeden anderen Bürger oder Urlauber vermieten können. „Damit holen sie einen Teil ihrer Kosten wieder rein“, erklärte Appel. Für Firmen, die ohnehin einen Wagen ihrer Flotte austauschen müssen, sei dies besonders interessant. Auf Wunsch stellt das E-Werk auch die passende Stromtankstelle vor der Firma auf.

Gebucht werden können die Fahrzeuge über das Internet, als Schlüssel fungiert eine Karte oder die passende Anwendung auf dem Smartphone. Einen Aufwand hätten die Firmen dabei nicht, betont Appel. Das Zugangssystem richtet MORE ein, um die Abrechnung kümmert sich das E-Werk und die Wartung der Autos läuft über die Händler.

Um von Anfang an einen möglichst breiten Nutzerkreis zu schaffen, stehen die MORE Tegernsee-Fahrzeuge auch Flinkster-Kunden zur Verfügung – und umgekehrt. Das Carsharing-Netzwerk der Deutschen Bahn ist das größte in ganz Deutschland. „Damit können unsere Kunden auch jedes beliebige Flinkster-Auto ausleihen“, sagt Appel – ohne sich erneut irgendwo registrieren zu müssen. Offiziell starten wird MORE Tegernsee Ende April – mit einem Auto samt Ladesäule am E-Werk in Tegernsee.

Interreg-Projekt im Schlierach-/Leitzachtal

Wann die mietbaren E-Autos im Schlierach-/Leitzachtal über die Straßen rollen, steht bislang noch nicht fest. „So weit sind wir noch nicht“, sagte Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner. Unter der Federführung seiner Gemeinde haben sich mit Bayrischzell, Schliersee, Irschenberg und Gmund insgesamt fünf Kommunen aus dem Landkreis zur Teilnahme an einem grenzüberschreitenden Interreg-Projekt zur E-Mobilität entschieden (wir berichteten). Insgesamt 40 Gemeinden aus dem Inntal machen mit, von Wasserburg bis Wörgl in Österreich. Drei Module stehen zur Wahl. Sie reichen vom reinen Marketing-Paket über das Drei-Jahres-Leasing eines E-Autos bis hin zum Komplettpaket mit Ladesäule. 70 Prozent der Kosten werden gefördert.

Während sich zum Beispiel Bayrischzell für das Komplettpaket entschieden hat, wählte Fischbachau Modul zwei. „Zwei Ladesäulen haben wir ja bereits über die Städtebauförderung für den neuen Parkplatz am Martinsmünster bekommen“, erklärte Lechner. Das Auto koste der Gemeinde – abzüglich des Zuschusses – gerade einmal 4000 Euro pro Jahr. Entsprechend günstig wird die Mietgebühr ausfallen. Lechner schweben etwa 15 Euro pro Tag vor. Während der Förderperiode von drei Jahren soll zudem das Stromtanken an den Ladesäulen kostenlos möglich sein. „Wir wollen damit möglichst viele Leute für E-Autos begeistern“, betont Lechner. Um „Preisdumping“ gehe es Fischbachau nicht, zumal man kein Konkurrenzangebot zu MORE Tegernsee schaffen wolle.

Langfristig sollen die beiden Modelle sogar zusammenarbeiten, versprachen Lechner und Ebert einmütig. Eine Schnittstelle mit „100-prozentiger“ Kompatibilität sei das klare Ziel. Der Fischbachauer Bürgermeister sprach sogar von einer „Zangenstrategie“, um den sich abzeichnenden Umbruch in der Automobilindustrie zu nutzen. Durch die auslaufende Einspeisevergütung für den über Fotovoltaik erzeugten Strom würde der Eigenverbrauch für immer mehr Bürger attraktiv. „Das Auto ist ein idealer Stromspeicher“, sagte Lechner.

Noch im ersten Halbjahr 2017 will Fischbachau sein E-Auto den Kunden zur Verfügung stellen. Genau wie bei MORE Tegernsee können sich nicht nur Fischbachauer, sondern auch Urlauber und alle anderen Landkreisbürger für das Carsharing-Programm anmelden. Vorerst gilt es aber, den Förderbescheid abzuwarten. „Erst dann können wir uns für einen Anbieter entscheiden“, sagte Lechner.

Die Situation im Nordlandkreis

Gerade durch die Nähe zu München wäre ein E-Carsharing-Angebot auch im Raum Holzkirchen interessant, meinte Ebert. Bislang sei hier nur der Münchner Anbieter „Stattauto“ vertreten. Erste Gespräche mit der Gemeinde seien vielversprechend verlaufen, berichtete der MORE-Projektleiter. So sei in Holzkirchen beispielsweise auch ein Carsharing für bestimmte Siedlungen denkbar. „MORE ist organisch aufgebaut und kann weiter wachsen“, erklärte Florian Brunner, der sich mit Peter Schiffmann, Leiter des Fachbereichs Straßenverkehr am Landratsamt in der Zukunftswerkstatt Mobilität um die Koordination der Projekte im Landkreis kümmert. Darauf hofft auch Klimaschutzmanagerin Veronika Halmbacher. Schon im Klimaschutzkonzept aus dem Jahr 2011 sei festgestellt, dass der Autoverkehr für 22 Prozent des CO2-Ausstoßes im Landkreis verantwortlich sei. „20 Prozent wollen wir einsparen“, sagte Halmbacher.

Ein Ziel, das nicht unerreichbar ist, meinte MORE-Projektleiter Ebert. Das Tegernseer und das Schlierach-/Leitzachtal würden zeigen, „dass unsere Samen hier auf fruchtbaren Boden fallen“.

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