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Heiß begehrte Plätze: Die Ausflugsziele im Landkreis haben sich in den Sommerferien einmal mehr größter Beliebtheit erfreut. Urlauber und Tagesausflügler strömten wie hier nach Tegernsee.

Zwischenbilanz der Touristiker: Volle Betten, volle Straßen

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Tegernsee - Trotz einem wechselhaften Frühsommer steuert der Landkreis auf ein neues Plus bei Übernachtungen und Gästezahlen zu. Die Öko-Modellregion könnte bald Modellregion Naturtourismus werden.

In der Übernachtungsstatistik taucht Harald Gmeiner zwar nicht auf. Umsätze hat er der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) in den Ferien dennoch beschert. Nicht durch seine Tätigkeit als Vorstand des kommunalen Tourismusunternehmens, sondern ganz privat. „Ich habe heuer selbst in der Alpenregion Urlaub gemacht“, berichtet Gmeiner schmunzelnd. Auch wenn er als Einheimischer kein Hotelzimmer belegte, spulte der ATS-Chef mit Wandern oder Radeln das klassische Touri-Programm ab. Sein Fazit: „Wir sind gesegnet und brauchen uns wirklich nicht verstecken.“

Mit dieser Meinung ist Gmeiner offenbar nicht allein. 409 300 Gäste verbrachten von Januar bis Juli 2016 ihren Urlaub im Landkreis, 3,4 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2015. Ein noch größeres Plus weisen die Daten des Landesamts für Statistik bei den Übernachtungen aus: 1,28 Millionen und damit 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Sonne nach schneearmem Winter rar

In Jubelstürme brechen die Touristiker deshalb aber nicht aus – noch nicht. „Lassen wir mal den September und Oktober vergehen, dann analysieren wir in Ruhe“, sagt Gmeiner. Auch sein Kollege von der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT), Christian Kausch, bleibt vorsichtig. „Viele Wanderer kommen erst nach den Ferien“, erklärt er. Sollte das Wetter in den kommenden Wochen jedoch keinen Totalabsturz hinlegen, rechnen Gmeiner und Kausch auch am Jahresende mit einem Plus. Keine Selbstverständlichkeit, wie der TTT-Chef betont. „2015 war ein sehr starker Sommer.“

Danach sah es heuer zuerst nicht aus. Nach einem schneearmen Winter machte sich die Sonne lange rar. Das Übernachtungsminus von drei Prozent im Juni holte der Juli mit einem Plus von 6,5 Prozent allerdings locker wieder auf. Für den August liegen noch keine Zahlen vor, Gmeiner geht aber von einem weiteren starken Monat aus. „In den vergangenen Wochen war es richtig voll“, sagt er. Dass sich das nicht zwangsläufig in der Statistik bemerkbar macht, weiß der ATS-Vorstand am allerbesten.

Denn er ist nicht der einzige, der den Landkreis mit Tagesausflügen unsicher gemacht hat. Gefühlt waren die Straßen heuer so voll wie noch nie. Die Touristiker erklären sich dieses Phänomen mit dem unbeständigen Wetter. „Es hat sich alles auf einige Extremwochenenden konzentriert“, sagt Kausch. Die vielen Baustellen und die anfänglichen Probleme bei der Bayerischen Oberlandbahn hätten die Lage verschärft. Eine Lösung für den Verkehrskollaps ist weiter nicht in Sicht. „Es gibt tausend Ideen“, sagt Kausch, „aber die Umsetzung ist schwierig.“

Landkreis wird für internationales Publikum immer attraktiver

Nicht nur die Tagesausflügler verstopften die Straßen, sondern auch die vielen Kurzurlauber. Tatsächlich macht dieser Trend auch vor dem Landkreis nicht Halt. Manche Gäste würden lieber drei Mal ein verlängertes Wochenende buchen als 14 Tage Urlaub am Stück, erklärt Kausch. Der häufige Bettenwechsel stellt vor allem kleinere Betriebe vor Probleme. „Die haben oft nicht die Manpower, das zu stemmen“, sagt Kausch. Um den Gästen eine längere Verweildauer schmackhaft zu machen, bewirbt die TTT auch Angebote in benachbarten Tourismuszentren wie München oder Tirol. Gmeiner empfiehlt den Gastgebern dagegen, sich auf die „gesellschaftliche Entwicklung“ einzustellen. „Wir werden das nicht aufhalten.“

Das gilt auch für einen anderen, deutlich erfreulicheren Trend. Der Landkreis wird für internationales Publikum immer attraktiver. 149 000 Übernachtungen von ausländischen Gästen hat das Landesamt bis Ende Juli gezählt, 22,5 Prozent mehr als 2015. Eine Auswirkung der veränderten Sicherheitslage auf der Welt? Auch, aber nicht nur, meint Kausch. „Das heißt ja nicht automatisch, dass die Leute an den Tegernsee fahren.“ So hat sich die Zahl der Urlauber aus dem deutschsprachigen Ausland sowie aus den Benelux-Staaten weiter erhöht, macht aber an den Übernachtungszahlen trotzdem nur einen Anteil von elf Prozent aus. Auffällig sei, so Kausch, dass wegen des ungünstigen Rubel-Kurses wesentlich weniger Russen einen Urlaub im Tal verbringen.

Wie die einzelnen Orte im Landkreis frequentiert wurden, dazu können die Touristiker noch nichts sagen. Fest steht laut Kausch aber, dass es am Tegernsee durchaus Unterschiede gibt. Während Rottach-Egern, Bad Wiessee und Gmund zulegen konnten, sei in Kreuth der Bettenschwund durch den Wegfall der Hanns-Seidel-Stiftung zu spüren. „Das haben wir aber talweit wieder ausgeglichen“, sagt Kausch. Dass nicht nur mit den Betten Geld verdient wird, hat sein Kollege Gmeiner heuer selbst bewiesen.

Wettbewerb "Modellregion Naturtourismus"

Leader-Region, Öko-Modellregion – und bald auch Modellregion Naturtourismus? Alexander Schmid, Geschäftsführer der Standort-Marketinggesellschaft Landkreis Miesbach (SMG), findet die Idee nicht uninteressant. „Wir sind immer auf der Suche nach Fördermöglichkeiten“, sagt er im Hinblick auf den Wettbewerb „Modellregion Naturtourismus“, den Umweltministerin Ulrike Scharf und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner Mitte September in München ausgerufen haben. Ab sofort können sich alle Gemeinden und Landkreise in Bayern für das Projekt bewerben. Voraussetzung ist eine Kooperation mit mindestens drei weiteren Einrichtungen. Im Juli 2017 wählt eine Jury drei Sieger aus. Diese erhalten eine Förderung von bis zu 70 000 Euro, müssen aber einen Eigenanteil von 20 Prozent beisteuern. Ziel ist die bessere Vernetzung von naturnahen Tourismusangeboten.

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