Friseurmeisterin Stephanie Brandmaier (l.) und Friseurin Janina Mühlbauer wollen nach dem Ende des Corona-Lockdowns ihren eigenen Salon in Miesbach eröffnen.
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Schnipp, schnapp, Haare ab: Friseurmeisterin Stephanie Brandmaier (l.) und Friseurin Janina Mühlbauer wollen nach dem Ende des Corona-Lockdowns ihren eigenen Salon in Miesbach eröffnen.

„Nach dem Lockdown wollen doch alle gleich zum Friseur“

„Zwoaschneidig“: Warum zwei Miesbacherinnen mitten in der Krise einen Friseursalon eröffnen

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Je länger der Lockdown, desto länger die Haare. Entsprechend groß dürfte der Andrang sein, wenn die Friseure wieder öffnen. Zwei Miesbacher Existenzgründerinnen wollen das nutzen.

Miesbach – Auch wenn der Name Zwoaschneidig anderes vermuten lässt: Beim Thema Corona-Regeln haben Friseurin Janina Mühlbauer (38) und Friseurmeisterin Stephanie Brandmaier (33) nur eine Meinung, und die ist klar: „Wir nehmen die Schere nicht in die Hand.“ Klar bekommen die beiden immer wieder Anfragen, ob sie nicht doch ausnahmsweise einen Hausbesuch machen könnten, um die im Lockdown wild sprießende Haarpracht in Form zu bringen. Ihre Antwort ist ganz und gar nicht zweischneidig: „Nein, machen wir nicht.“ Diese Haltung würden sich Mühlbauer und Brandmaier von all ihren Berufskollegen wünschen. „So hart es für alle ist, aber wir können das nur gemeinsam und solidarisch durchstehen“, betont Mühlbauer.

Im Haus war bereits 1950 ein Friseursalon

Wobei: Die beiden Miesbacherinnen hätten zum Haareschneiden aktuell noch gar keine Zeit. Sie stecken mitten in den Vorbereitungen für die Eröffnung ihres eigenen, 50 Quadratmeter großen Salons – und damit kurz vor ihrem Sprung in die Selbstständigkeit. Dabei lassen sie auch eine alte Tradition wieder aufleben. Schon 1950 drehte sich hier im Salon Renner alles rund ums schöne Haar. Sobald es die Corona-Lage erlaubt, wollen nun Mühlbauer und Brandmaier den Kunden an der Wallenburger Straße 22 den Kittel umhängen. Eigentlich wollten sie schon am 1. Februar loslegen. Die Verzögerung an sich sei aber kein Problem, eher die fortlaufende Unsicherheit. Unternehmer bräuchten klare Ansagen, um planen zu können – Existenzgründer noch viel mehr..

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Familien sind eng befreundet

Auch deshalb haben es sich die beiden Mütter gut überlegt, ob sie diesen Schritt wirklich machen wollen. „Eine GbR zu zweit ist wie eine Ehe“, sagt Mühlbauer und lacht. Doch die Voraussetzungen bei ihnen seien gut. Über ihre Kinder haben sich die Miesbacherinnen vor acht Jahren kennengelernt, seitdem sind sie und ihre Familien eng befreundet. Das erleichtere auch die Absprachen im Salon, meint Mühlbauer. „Für uns wird das wie ein Wohnzimmer.“ Gerade hier wollen die Gründerinnen mit Flexibilität punkten. Auf Nachfrage und nach Möglichkeit möchten sie auch mal Termine vor oder nach den regulären Öffnungszeiten anbieten. Beispielsweise, wenn sich jemand Intimität und Abstand zu anderen Kunden wünsche. In Corona-Zeiten eine gute Option für Risikopatienten.

„Shampoo-Tankstelle“ für mehr Nachhaltigkeit

Ihre Produkte wie Shampoos, Pflegen oder Haarkuren kaufen die Friseurinnen bei regionalen Produzenten ein. Um auch dem Thema Nachhaltigkeit gerecht zu werden, planen die beiden Existenzgründerinnen bei entsprechender Nachfrage eine „Shampoo-Tankstelle“, an der die Kunden ihre leeren Fläschchen auffüllen lassen können.

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Die Corona-Krise konnte sie nicht von ihrem Traum eines eigenen Salons abbringen, versichern die beiden. Dafür hätten sie aber bereits jetzt vieles daraus gelernt. „Wir wollen gleich von Anfang an versuchen, uns schnell Rücklagen aufzubauen“, erklärt Mühlbauer. Um so im schlimmsten Fall ein paar Monate überbrücken zu können. Nicht nur für sich, sondern für all ihre Berufskollegen wünschen sie sich aber, dass der jetzige Lockdown auch der letzte ist. Zumindest bei der Eröffnung könnte ihnen die Krise aber sogar etwas helfen, meint Mühlbauer schmunzelnd. „Da wollen ja gleich alle zum Friseur.“

sg

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