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Asylbewerber in Holzkirchen und Föching freuen sich über ihre neuen Strickmützen.

Interview mit Andrea Dular

Strickmützen aus aller Welt

Miesbach - Bis 1000 Mützen gestrickt sind, dauert es eine Weile. Nicht aber, wenn die ganze Welt zusammenhilft. Deshalb hat Andrea Dular (43) vom Gesundheitsamt in Miesbach eine Strickaktion ins Leben gerufen.

Die winterlichen Accessoires kommen von Strickbegeisterten aus Amerika, Japan, Neuseeland und anderen Teilen der Welt. Andrea Dular verteilt sie im Gesundheitsamt an ihre Patienten und übergibt sie Helfern von Flüchtlingsheimen. 

Am Mittwoch waren die Miesbacher Asylbewerber am Dirnbergerweg dran, zuvor wurden schon mehrere andere Unterkünfte ausgestattet. Unserer Zeitung erzählt Dular, was es mit dieser Aktion auf sich hat. 

Frau Dular, wie kam es, dass Frauen aus aller Welt für Miesbacher Asylbewerber die Stricknadeln in die Hand nehmen? 

Dular: Ich bin Mitglied in einer Gruppe auf einer amerikanischen Strickplattform. Im Internet wurde ich auf die Not der Flüchtlinge in Europa angesprochen – besonders weil viele Frauen fühlten, dass die USA selbst nicht so viele Menschen aufnimmt, wie zum Beispiel Deutschland. 

Die Frauen haben mich gefragt, wie sie helfen können. So kam die Strickaktion zustande. Eigentlich sollten die Mützen im Hauptbahnhof München verteilt werden. Doch dann haben wir bemerkt: Die Mützen und Schals können wir hier im Landkreis Miesbach mit seinen harten Wintern besser gebrauchen. 

Jetzt verteilen wir die Strickwaren hier – damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, denn viele Asylbewerber haben nicht mehr, als das, was sie in den Händen trugen. Sie freuen sich sehr über diese Kleidung. 

Eine Frau in Amerika strickt eine Mütze – wie geht es dann damit weiter? 

Ich arbeite mit einer amerikanischen Designerin zusammen. Wir haben uns bei Videokursen zum Stricken kennengelernt, mittlerweile sind wir befreundet. Meine Freundin sammelt Mützen aus Nordamerika – USA, Kanada, Mexiko – und schickt sie mir. Mittlerweile hat sie schon über 1000 Dollar für Porto ausgegeben. Mützen werden aber auch aus anderen Teilen der Welt – Australien, Neuseeland, Japan, England – zu mir geschickt. 

Was passiert dann mit den Mützen? 

In meiner Wohnung in Unterhaching und im Gesundheitsamt in Miesbach lagere ich sie. Einige haben wir auch schon verteilt. Ehrenamtliche haben sie zum Beispiel in der Turnhalle in Tegernsee oder in Container-Unterkünften an Flüchtlinge ausgegeben. Die haben sich wahnsinnig gefreut. Für die Asylunterkunft am Dirnbergerweg gab es 40 Stück, weil dort 40 Asylbewerber untergebracht sind. 

An jeder Mütze ist ein Gruß befestigt, zum Beispiel eine Postkarte oder ein handgeschriebener Zettel, mit einer individuellen Botschaft. Manchmal sogar auf Arabisch, zum Beispiel „From your friends in Iowa“. 

Wie viele sind es insgesamt? Ist von Ihnen auch eine Mütze dabei? 

Insgesamt haben wir in zwei Monaten etwa 1000 gestrickte Accessoires, vor allem Mützen, aber auch Handschuhe und Schals zusammengetragen. Auch Babydecken oder -kleidung haben einige Frauen gestrickt, diese werden auch benötigt. 

Ich warte auf weitere Kisten, die ich dann vom Zollamt abhole. Für die Erstaufnahmeeinrichtung in Miesbach können wir immer Gestricktes gebrauchen. Ich stricke zwar viel, habe bis jetzt aber noch keine eigene Mütze gemacht. Ich hoffe, ich schaffe es noch. 

Übrigens können sich auch Strickfreunde aus Bayern an der Aktion beteiligen – einfach die fertigen Werke an das Gesundheitsamt in Miesbach schicken, und wir kümmern uns.

Interview: Nina Probst

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