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Material für Feuerwerke verkauft Pyrotechniker Peter König in seinem Laden in Fischbachau.

Nach Diskussion über private Feuerwerke

So sieht der Alltag eines Pyrotechnikers aus

Fischbachau - Peter König (58) aus Fischbachau ist Pyrotechniker. Jährlich zündet er bis zu 60 Feuerwerke. Für Tiere sei der Lärm der Raketen und Knaller aber nicht schlimmer als ein Gewitter, meint er.

Wenn Kugelbomben, Feuertöpfe oder Kometenrohre gen Himmel steigen, ist oft er dafür verantwortlich dafür: Pyrotechniker Peter König aus Fischbachau. 50 bis 60 Feuerwerke zündet der 58-Jährige pro Jahr. Deutschlandweit, aber auch in Österreich und in der Schweiz ist er unterwegs.

Während die Raketen und Böller früher per Hand gezündet wurden, wird das heute vom Computer aus gesteuert. Die nötige Software hat König selbst entwickelt.

„Schon von frühester Kindheit an haben mich Feuerwerke fasziniert“, sagt König. „Da man damals keine Chance hatte, den Beruf Pyrotechniker zu erlernen, bin ich Elektroniker geworden.“ Zunächst eröffnete König ein Waffen- und 1999 schließlich ein Pyrotechnikgeschäft, das er heute gemeinsam mit seiner Frau in Fischbachau betreibt. „Früher wurden Feuerwerke noch per Hand abgebrannt. Heute hat man Zündanlagen, und alles funktioniert über den Computer“, klärt der Pyrotechniker auf. Seine Zündanlage hat er selbst gebaut, die nötige Software eigens entwickelt. Dabei hat ihm seine Elektroniker-Ausbildung sehr geholfen.

Heute ist jedoch alles mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden. „Um überhaupt an einem Lehrgang zum Pyrotechniker teilnehmen zu dürfen, muss man bei 26 Feuerwerken als Helfer tätig sein“, erklärt der gebürtige Fischbachauer. Zudem benötigt König einen separaten Bunker, um dort sein Gefahrgut zu lagern. „Wenn wir irgendwo ein Feuerwerk abbrennen, muss alles in einem Gefahrgutfahrzeug transportiert werden.“ Um dieses Auto fahren zu dürfen, brauchte er allerdings zunächst einen Gefahrgutführerschein.

Derzeit wird viel über Sinn und Unsinn von Feuerwerken diskutiert (wir berichteten). Doch König ist, egal wo er ein Feuerwerk veranstaltet, an strenge Vorschriften gebunden. Im Normalfall müssen Feuerwerke um 22 Uhr beendet sein. Während der Sommerzeit, also von März bis Oktober, ist um 22.30 Uhr Schluss. Allerdings gibt es eine Sonderregelung, die besagt, dass in den Monaten Mai bis Juli bis 23 Uhr geschossen werden darf. Bei Feuerwerken in öffentlichem Interesse machen die Gemeinden oft individuell die Ausnahme, länger schießen zu dürfen. Dennoch schöpft König die Zeit nie komplett aus. Er möchte so wenige Leute wie möglich belästigen.

Bei zu trockenen Bedingungen schießt der Pyrotechniker erst gar nicht. „Ich will ja nichts abfackeln“, meint er lachend. Die Beeinträchtigung für Tiere sieht König auch nicht größer als bei einem Gewitter an. „Wir machen wohl oder übel auch nur unseren Job, und ohne Krach gibt’s nun mal kein Feuerwerk“, merkt er an. „Wenn wir beispielsweise in der Nähe eines Bauernhofs ein Feuerwerk abbrennen, geben wir davor sogar immer dort Bescheid.“ Alle Gegenstände, die König abfeuert, sind auf Umweltverträglichkeit und Zuverlässigkeit geprüft. In der Regel dauern seine Feuerwerke bei privaten Veranstaltungen drei bis fünf Minuten, bei größeren Festen können es bis zu 20 Minuten werden.

Am Donnerstag, 10. September, hat der Fischbachauer seinen nächsten großen Auftritt auf dem Herbstfest in Rosenheim. Dort wird er, wie er selbst sagt, ein etwa zehnminütiges Höhenfeuerwerk abbrennen. Die Vorbereitungen für ein solches Spektakel nehmen viel Zeit in Anspruch. König vergleicht sie mit einem Sieben-Gänge-Menü: „Zuerst muss man drei Tage planen, dann fünf Tage herrichten, in zehn Minuten ist dann alles vorbei, und danach muss man noch zwei Tage aufräumen.“

Bisher haben sich die Mühen für ihn aber immer ausgezahlt, denn noch nie ist es ihm passiert, dass ein Feuerwerk nicht zündete. „Sollte dennoch etwas schiefgehen, habe ich einen Plan B und würde das Feuerwerk per Hand bedienen“, sagt der 58-Jährige schmunzelnd. „Wir räumen natürlich alles picobello auf. Wäre auch dumm, wenn wir es nicht machen würden, sonst dürften wir an diesem Ort nie wieder schießen.“ Königs Feuerwerke kann man übrigens ab 1500 Euro buchen. „Nach oben gibt es keine Grenze.“

Von Philip Hamm

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