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Was verbirgt sich hinter dieser Tür in Neuhaus?

Was verbirgt sich hinter dieser Tür?

Unser Adventstürchen am 13. Dezember

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Neuhaus - Im Advent öffnen wir jeden Tag - abwechselnd in der Region Miesbach, Holzkirchen und Tegernsee - eine Tür, die sonst für neugierige Blicke verschlossen bleibt. Heute in Neuhaus.

Das Tor zur Vergangenheit öffnet sich auf Knopfdruck. Es surrt, ein Seilzug setzt sich in Bewegung, dann fahren die beiden Hälften der weißen Kuppel der Sternwarte auseinander. Jetzt hat Wolfgang Holota freie Sicht auf den Himmel über Neuhaus. Hier beginnt sie, die Reise in die Unendlichkeit. In eine Zeit, lange bevor der erste Mensch auf der Erde gelebt hat. Denn das, was Holota durch sein Teleskop erspäht, ist viele Millionen Jahre alt. Schon von unserer Nachbargalaxie Andromeda aus braucht das Licht 2,5 Millionen Jahre, bis es die Erde erreicht, erklärt der Physiker. „Viele Sterne, die man sieht, sind in Wirklichkeit längst verglüht.“

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Unser Adventskalender: Die Türchen zum Durchklicken

Das verbirgt sich hinter unserem 13. Türchen: Der Physiker Wolfgang Holota unter der Kuppel seiner Sternwarte in Neuhaus. Das Teleskop verwenden er und seine Frau Karin vorrangig zum Justieren ihrer Messinstrumente.

So sehr ihn der Blick ins All fasziniert: Holota und seine Frau Karin – ebenfalls Physikerin – nutzen ihre Kuppel nur selten als Sternwarte. „Dafür haben wir sie ja auch nicht gebaut“, sagt er. Eigentlich sei der quadratische Bau in ihrem Garten an der Breitensteinstraße lediglich „ein optisches Labor, bei dem man das Dach aufmachen kann“. Und das bis zu 800-fach vergrößernde Teleskop nur ein Mittel zum Zweck. Die beiden Wissenschaftler justieren damit ihre hochempfindlichen Messinstrumente, um optische Apparate – wie Kameras und Spektrometer an Satelliten – für den Weltraum zu entwickeln und zu testen. Für private Forschungsmissionen, aber auch für geheime militärische Zwecke. „Dort draußen“, erklärt Holota, „müssen die Geräte extremen Belastungen standhalten“. Temperaturen von bis zu 240 Grad Celsius unter dem Gefrierpunkt und eine starke kosmische Strahlung seien außerhalb der Erdatmosphäre keine Seltenheit. Deshalb dürfen die hochpräzisen Messungen in Holotas Labor durch keinen Umwelteinfluss verfälscht werden.

„Das Teleskop ist auf einen Hundertstel Millimeter genau ausgerichtet“, sagt der frühere Chefingenieur des Münchner Raumfahrtentwicklers Astrium. Dort hat er unter anderem am James Webb Space Telescope, dem Nachfolger des berühmten Hubble-Weltraumteleskops, geforscht. Um die Instrumente in seinem Labor vor Erschütterungen zu schützen, fixiert er sie mit Stahlschrauben auf einer vier Meter langen Betonsäule, die wiederum auf einem in die Erde eingelassenen, acht Kubikmeter großen Betonwürfel steht. „Vollständig abgeschirmt vom Rest des Gebäudes“, betont Holota.

Nach Ostern hat das Ehepaar mit dem Bau des Wohnhauses mit Büro und dem angegliederten Labor begonnen. Vorher haben die Holotas in Bad Tölz gewohnt, aber für eine Sternwarte war es dort schlicht zu hell. Die so genannte Lichtverschmutzung aus München hätte den Blick ins Weltall getrübt. Nach einer Nachtwanderung auf den Breitenstein war den Physikern dann klar, dass sie ihr Labor in Neuhaus einrichten müssen. „Hier zwischen den Bergen ist es noch richtig dunkel“, schwärmt Holota. Später, wenn alle Kabel mit den Computern verbunden sind, werden die Physiker ihr Teleskop sogar vom Büro aus bedienen können – die Messdaten werden dann direkt ins Haus übertragen.

Trotzdem wird Holota ab und zu zu seiner Sternwarte hinaufsteigen, um mit eigenen Augen in die Unendlichkeit zu blicken. Selbst ein erfahrener Physiker fühlt sich dann wieder klein und unbedeutend, sagt er: „Je länger wir forschen, umso mehr wird uns klar, wie wenig wir wissen.“ Und als Holota dann mit bewegter Stimme vom Kometen Ison erzählt, den er am vergangenen Weihnachtsfest am Nachthimmel beobachten konnte, klingt er für ein paar Sekunden nicht mehr wie ein Wissenschaftler. Dann spricht er nicht mehr in Bogensekunden oder Nanometern, sondern wie ein kleiner Junge, der staunend zu den Sternen aufschaut.

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