Nici kämpft weiter: Der 18-Jährige hat zum fünften Mal die Diagnose Leukämie bekommen. Aber er gibt nicht auf.

Schwere Diagnose

Nici (18) galt als geheilt - jetzt ist der Krebs zurück

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Die Geschichte von Nicolas Kutter schien eine glückliche Wendung genommen zu haben: Nach jahrelangem Kampf gegen den Krebs galt der Schlierseer als geheilt. Jetzt hat der 18-Jährige erneut eine niederschmetternde Diagnose erhalten.

Schliersee - Sein Schicksal berührt viele seit Jahren – weit über seine Heimat am Schliersee und über Bayern hinaus: Schon viermal hat Nicolas Kutter den Krebs besiegt. Dabei stand er Höllenqualen durch, lag tagelang im Koma, war dem Tod manchmal näher als dem Leben. Zwei Jahre galt Nici zuletzt als geheilt – dank einer neuen Therapie in den USA. Jetzt hat er eine niederschmetternde Diagnose erhalten: Die Leukämie ist zurück. Doch sein beeindruckendes Kämpferherz ist ungebrochen.

Seit sechs Jahren kämpft Nici gegen den Krebs

Wieder liegt Nici Kutter in der Haunerschen Kinderklinik. In seiner Brust steckt wieder der verhasste Hickman-Katheter – ein Kunststoffschlauch, der fest unter seiner Haut vernäht ist und direkt ins zentrales Venensystem führt. Damit können die Ärzte langfristig Medikamente verabreichen, vor allem Chemotherapien. Aber diese alleine werden ihm nicht mehr helfen. Nici weiß das, er kennt seinen Feind. Seit sechs Jahren kämpft der 18-Jährige nun schon mit der Leukämie und den Folgen – ein Drittel seines Lebens.

Und auch dieses Mal sieht die Gefechtslage alles andere als ermutigend aus: Die Ärzte haben Nici bereits über die Möglichkeit einer palliativen Therapie aufgeklärt. Aber der junge Mann lehnte ab: „Ich habe ihnen gesagt, dass dieser Weg für mich nicht infrage kommt. Lieber sterbe ich an den Nebenwirkungen einer Therapie, als einfach nur auf den Tod zu warten.“

Nici war auf das Gespräch mit den Ärzten vorbereitet, auf ihren Ratschlag gefasst. Die Dramatik seiner Situation hatte sich bereits in den Tagen zuvor abgezeichnet. Er war wegen Schmerzen an mehreren Gelenken wieder im Haunerschen stationär aufgenommen worden, außerdem ließ eine „unklare Raumforderung im Bauch“ nichts Gutes erahnen. Im MRT kristallisierte sich der nüchterne medizinische Fachbegriff als Lymphom heraus, eine bösartige Geschwulst der Lymphknoten beziehungsweise des lymphatischen Systems. Eine Knochenmarkspunktion brachte schließlich Gewissheit: „Sie hat zweifelsfrei ergeben, dass wieder Krebszellen in Nicis Körper nachweisbar sind“, berichtet seine Mama Solveig Kutter im Gespräch mit der tz. Die vierfache Mutter sagt das nüchtern, sie wirkt gefasst und bedacht in einer Situation, in der viele andere mit dem Schicksal hadern würden. Doch das wäre in ihren Augen nur Energieverschwendung: „Ich bin glücklich und froh, dass Nici bereit ist, weiterzukämpfen. Er hat schon so oft bewiesen, dass er Unvorstellbares leisten kann. Darauf kann er stolz sein – und ich bin natürlich stolz auf ihn.“

Immer wieder hatte Nici in den vergangenen Jahren seit der Erstdiagnose am 12. September 2011 schwerste Komplikationen überstanden, unter anderem extreme Entzündungsreaktionen im gesamten Körper. Seine Nieren versagten, das Gehirn schwoll an, er lag zweimal tagelang im Koma, musste das Sprechen neu lernen. Alles geschenkt. „Ich schaue nach vorne“, sagt Nici. „Und stelle mich den Behandlungen, die nötig sind, um wieder gesund zu werden.“

Nici hofft auf erneute Behandlung in den USA

Nici hofft darauf, dass er erneut zur Behandlung in die Kinderklinik von Seattle in den USA reisen darf. Dort steht eine Therapie zur Verfügung, die Nici vor zwei Jahren zunächst von der Leukämie befreit hatte (siehe Kasten). Der Aufenthalt war auch dank großzügiger Spenden vieler Leser unserer Zeitung ermöglicht worden. Einen Teil der genetisch veränderten sogenannten CAR-T-Zellen hatten die US-Spezialisten damals eingefroren, sie könnten Nici nun verabreicht werden. Zwar hat die Behandlung nach etwa zwei Jahren nun ihre Wirkung verloren. Doch Spezialisten sehen in einem zweiten Versuch zumindest eine reelle Chance, dass die Therapie erneut anschlägt und dieses Mal auf Dauer wirkt. Wie groß diese Chance genau ist, lässt sich schwer ermessen. Nici ist das egal: „Wahrscheinlichkeiten interessieren mich nicht, das sind doch nur Rückbetrachtungen aus der Vergangenheit. Mir geht es aber um die Zukunft. Und wenn die Wahrscheinlichkeit einer Heilung bei einem Prozent liegt, dann heißt das für mich nur eins: dass ich eine Chance habe – und die werde ich nutzen. Weil ich leben will – unbedingt!“

Neue Therapie bald auch in München

Die vielversprechende Therapie, die Nici zunächst geholfen hat und jetzt erneut anschlagen soll, ist bislang nur in Amerika zugelassen. Allerdings stehen auch die Krebsspezialisten der Haunerschen Kinderklinik in München bereits in den Startlöchern. „Wir rechnen spätestens für 2018 mit einer Genehmigung der Behörden“, sagte gestern der Chef der Kinderkrebsstation, Professor Dr. Tobias Feuchtinger, der tz. Theoretisch sind die Münchner Mediziner bereits in der Lage, die CAR-T-Zellen in ihren Labors herzustellen. Entsprechende Testreihen fielen positiv aus.

Und so funktioniert die Behandlung: T-Zellen sind eine Unterart der weißen Blutkörperchen. Sie werden im Labor so genetisch verändert, dass sie an ein bestimmtes Eiweiß andocken, das auf den allermeisten Leukämiezellen sitzt.

Diese sogenannten CAR-T-Zellen werden dem Patienten dann wieder per Infusion verabreicht. Sie sollen die Krebszellen erkennen und anschließend vernichten.

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