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Die Leitungsröhre können im durchweichten Böden nicht verlegt werden.

Verzug bei Bauarbeiten am Sudelfeld droht

Niederschlag zur Unzeit

Bayrischzell - Das Thema Baustopp ist mit dem Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshof endgültig durch. Am Sudelfeld macht den Bauarbeitern derweil etwas anderes zu schaffen: das Wetter.

Der Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs  (VGH) gegen einen Baustopp am Sudelfeld (wir berichteten) ist deutlich, und mancher ist schon geneigt, dem Deutschen Alpenverein   sowie dem Bund Naturschutz Bayern  zu empfehlen, ihre Klage zurückzuziehen. So lehnt das Gericht einen Stopp des Ausbaus der Beschneiungsanlagen ab, weil die „Klage nach der hier nur gebotenen summarischen Prüfung keinen Erfolg haben wird“. Das heißt zwar, dass der VGH nicht alles im Detail angeschaut hat, doch im Zuge des Verfahrens hat das Landratsamt seinen Genehmigungsbescheid zweimal konkretisiert. Den Klägern wurden damit durchaus gewichtige Argumente aus der Hand genommen.

So liegt inzwischen ein detaillierteres Gutachten zum wirtschaftlichen Nutzen der Baumaßnahme für die Region vor. Erstellt hat es der Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie und Tourismusforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München. Demzufolge trägt ein modernisiertes Skigebiet Sudelfeld wesentlich dazu bei, den Rückgang der Übernachtungszahlen zu mindern oder zu stoppen. Egid Stadler, Zweiter Bürgermeister in Bayrischzell und Geschäftsführer der Sudelfeld Bergbahnen, geht noch weiter: Das veraltete Skigebiet sei bisher eindeutig ein Entwicklungs-Hindernis gewesen. Jeder Investor, der nach Bayrischzell kam, habe gesagt: Erst muss etwas am Sudelfeld passieren. Das hatte stets auch der frühere Bürgermeister Helmut Limbrunner betont. In ein ähnliches Horn stößt Josef Lechner, Rathaus-Chef in Fischbachau. Er erwartet von der Sudelfeld-Modernisierung einen „Übernachtungs-Schub“ auch für seine Gemeinde.

Während die Befürworter des Ausbaus bislang nur auf ein allgemeines Gutachten verweisen konnten, das die „wirtschaftlichen Effekte durch Seilbahnen im Winter in Deutschland“ beleuchtete, liegen nun eben genauere Zahlen für das Skigebiet Sudelfeld vor. Im Beschluss zitiert sind „Gesamteinkommenseffekte (Löhne, Gehälter, Gewinne) des Seilbahn- und Pistenbetriebs in Höhe von 4,51 Millionen Euro“. Der VGH schreibt weiter davon, dass „das Vorhaben auch in hohem Maße der Sicherung von Arbeitsplätzen“ dient. Entscheidender Satz: „Nach alledem kann nicht (mehr) von einer bloß formelhaften Begründung des überwiegenden öffentlichen Interesses (...) gesprochen werden.“ Diese „formelhafte Begründung“ hatte die erste Instanz – noch ohne das detailliertere Gutachten – noch gerügt.

In der Summe hat der VGH die Argumentation der Naturschutzverbände Stück für Stück als unzutreffend klassifiziert. Davon unbenommen bleibt, dass ein Urteil in der Hauptsache vor dem Verwaltungsgericht erst noch gesprochen werden muss. Bislang ging es nur um den Baustopp.

Im Zuge der Klage sind zwei weitere Änderungen aufgetreten. Zum einen wurde eine – laut Stadler nie beabsichtigte – Beschneiung bis in den März hinein per Bescheid untersagt. Obendrein dürfen am Sudfelfeld auch keine Schneedepots angelegt werden – also kein Schnee in großen Bergen auf Vorrat produziert werden, der nach der Beschneiungszeit peu à peu auf den Pisten verteilt wird. Auch das sei nie Ziel der Bergbahnbetreiber gewesen, so Stadler.

Sehr wohl ein Ziel ist es aber, im kommenden Winter mit der erweiterten Beschneiung zu starten. Und dieses Ziel gerät allmählich in Gefahr. Denn das schlechte Wetter macht den Baufirmen zu schaffen. Der Bau der Wasserleitungen – insbesondere in sumpfigen Bereichen – ist bei durchweichten Böden nicht möglich. Während die Fertigstellung des Speicherteichs und des Sechser-Sessellifts am Waldkopf nicht gefährdet seien, wird es bei den Leitungen „ein bisschen enger“, sagt Stadler. Von dem Zeitpolster, das noch im Frühjahr bestanden hat, „ist nicht mehr viel übrig“.

Immerhin: Die betreffende Baufirma habe zugesagt, weitere Kapazitäten zu schicken. Für Stadler zeigt sich damit aber: „Wenn wir nicht so zeitig angefangen hätten, hätten wir keine Chance gehabt.“ Dieser Zeitdruck war – so zumindest die Darstellung der Bergbahnen – auch der Grund dafür, dass die Baugenehmigung noch zur Amtszeit von Landrat Jakob Kreidl erfolgen musste.

Daniel Krehl

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