Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller (l.) unterzeichnet Vertrag mit Marseillan zur Städtepartnerschaft.
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Es lebe die Freundschaft: Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller (l.) unterzeichnete bei einer Online-Veranstaltung die Verträge zur Partnerschaft mit der südfranzösischen Stadt Marseillan.

Wegen Corona keine Präsenzveranstaltung möglich

Online-Festakt: Miesbach und Marseillan besiegeln Städtepartnerschaft

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Miesbach hat mit dem südfranzösischen Marseillan die Städtepartnerschaft besiegelt. Die Aktion musste online über die Bühne gehen.

Miesbach - Es war ein historischer Augenblick: Die Partnerschaft der Städte Marseillan und Miesbach dürfte eine der ersten sein, die per Video-Schalte offiziell besiegelt wurden. Mit dem Festakt auf Distanz setzten die Orte am Tag der Deutschen Einheit – über 1100 Kilometer und Corona-Hürden hinweg – einen neuen Meilenstein in der deutsch-französischen Freundschaft.

Die Partner schafften es, ihren Vertrag planmäßig abzuschließen, obwohl die weltweite Pandemie das Programm vom Jahresbeginn mit zwei großen Feiern am Mittelmeer und in Oberbayern auf eine kleine, feine Zeremonie reduziert hatte. Den Hauptteil erlegten die strengen französischen Beschränkungen der Kreisstadt auf. Während in Marseillans Rathaus fünf Maskierte am Tisch des Hochzeitssaals saßen, verteilten sich mehrere Dutzend Menschen über den Waitzinger-Saal und seine Bühne mit den Miesbacher Musikanten.

Von hier aus begrüßte Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) nicht nur seine Stellvertreter, Stadträte und Vertreter von Behörden und Vereinen. Per Video würdigte er seinen Kollegen Yves Michel aus Südfrankreich und die deutsche Partnerschaftspatin, seine Amtsvorgängerin Ingrid Pongratz, sowie den deutschstämmigen Initiator Conny Knoben, den Partnerschaftsbeigeordneten Ludovic Fabre und die Schul- und Jugendbeigeordnete Annie Kelly. „Bonjour à tout le monde“ antwortete Michel und freute sich, dass die „Jumelage“ trotz der Schwierigkeiten zustande komme – wie Veronika Walter übersetzte.

In zwei kurzen Filmen über Miesbach und Marseillan sprachen nur Musik und Bilder. Für Miesbach als Wiege der Trachtenbewegung und Heimat des Oberbayerischen Alpenfleckviehs waren es die gemütliche Altstadt, die Haglandschaft, Berge in Grün oder im Schnee und glitzernde Seen, die zum Besuch einluden. Die Römergründung Marseillan präsentierte sich mit der malerischen Hafenkulisse an seiner weiten, sonnigen Lagune, mit traditionellen Boots- und Trachtenfesten sowie dem Blick in einen verheißungsvollen Weinkeller mit Schätzen des Languedoc. „Ich freue mich jetzt schon auf persönliche Begegnungen und gemeinsame Veranstaltungen,“ unterstrich das Miesbacher Stadtoberhaupt. Er sei wichtig, nicht nur am Grünen Tisch Diplomatie zu pflegen: „Wir, die Bürger der Städte und Länder, sind die eigentlichen Botschafter.“ Die fremde Sprache sah er nicht als Barriere für das grenzüberschreitende Friedenswerk, sondern als Gelegenheit, im direkten Kontakt vom anderen zu lernen. Kollege Michel zeigte sich „sehr glücklich“, die Partnerschaft unter den besonderen Umständen zu besiegeln. Er hoffe, „dass wir diese Freundschaft bald würdig und persönlich feiern können.“ Marseillans Bürgermeister will „alles dafür tun,“ aus der vierten Städtefreundschaft (nach Spanien, Belgien und Irland) einen weiteren Baustein zum Frieden in der Welt zu machen. „Vive Miesbach! Vive Marseillan! Vive l’Europe!“ Heißt: „Es lebe Miesbach! Es lebe Marseillan! Es lebe Europa!“

Bevor sich die Kameras zur Gegenzeichnung auf die bereits einmal unterschriebenen Verträge auf Deutsch und Französisch richteten, legten die Stadträte Verena Assum und Christian Mittermaier noch einen zünftigen Schuhplattler aufs Bühnenparkett. Nach den feierlichen Unterschriften und den beiden Nationalhymnen präsentierten die Bürgermeister die Geschenke, die bald ausgetauscht werden: die Schlüssel ihrer beiden Städte. Dann zogen die Offiziellen in Frankreich und Deutschland T-Shirts mit der Aufschrift „Miesbach – 2020 – Marseillan“ über und stießen an: „Santé“ mit Languedoc-Rosé und „Prost“ mit Weißbier. Es lebe die Freundschaft.

VON GUDULA BEYSE

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