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Muss bald unter strengen Vorschriften gebaut werden: Rohbau.

Strenge Vorschriften für Dach, Fenster und Hecken in Miesbach

Achtung Hausbesitzer: Das ist bald verboten

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Miesbach - Die Zeit des architektonischen Experimentierens ist in Miesbach bald vorbei. Einstimmig hat der Bauausschuss den Entwurf für eine Ortsgestaltungssatzung auf den Weg gebracht.

Fenster wie Schießscharten, Balkone aus Glas, meterhohe Thuja-Hecken. Nicht alles, was private Bauherren als schön empfinden, passt ins Ortsbild. Erst recht nicht, wenn es sich dabei um eine traditionsbewusste, oberbayerische Kleinstadt wie Miesbach handelt. Trotzdem musste das städtische Bauamt in den vergangenen Jahren einiges an Bausünden hinnehmen. So sehr die Bauausschussmitglieder auch über die von manchen Architekten als modern angepriesenen Entwürfe wetterten: Ohne eine Ortsgestaltungssatzung kämpften sie mit stumpfen Waffen. Das wird sich in Kürze ändern. Nach ausführlichen Beratungen hat sich der Bauausschuss nun auf einen Entwurf für das komplexe Werk geeinigt. Sollte der Stadtrat ebenfalls zustimmen, hätte die Kreisstadt ihre erste eigene Gestaltungssatzung.

Die Initiative kam von Florian Ruml. Der Freie Wähler-Stadtrat war vor seiner jetzigen Tätigkeit als Geschäftsleiter der Gemeinde Gmund acht Jahre lang Bauamtsleiter in Hausham. Lang genug, um die Vorteile, aber auch die Tücken eines so komplexen Regelwerks beurteilen zu können. Auf seinen Antrag hin legte Miesbachs Bauamtsleiter Lutz Breitwieser eine Mustersatzung vor, die der Ausschuss Paragraf für Paragraf durchackerte. Ob Fenster, Balkone oder Zäune: Mehrfach wiederholte Ruml seine Empfehlung: „Seid nicht zu streng, damit tut Ihr Euch keinen Gefallen.“ Es sei nicht Sinn der Sache, dass sich die Verwaltung mit Kleinigkeiten wie Verstöße wegen außenliegender Rollladenkästen herumschlagen müsse. Ziel müsse vielmehr sein, „die gröberen Dinge beim Neubau zu regeln“.

Im folgenden die wichtigsten Festsetzungen der ersten Miesbacher Ortsgestaltungssatzung im Überblick. Sie gelten im gesamten Stadtgebiet, nicht aber in Gewerbe- oder Sondergebieten sowie im ensemblegeschützten Bereich der Altstadt.

Keine grellen Farben an der Außenwand 

Architektonische Experimente haben hier schlechte Karten. Ein „liegender Baukörper mit waagrechter Gliederung“ soll das Haupthaus laut Satzung sein. Diese kann zum Beispiel durch Balkone oder eine entsprechende Anordnung der Fenster erfolgen. Außenwände dürfen nur einfach verputzt oder mit Holz verkleidet werden. Finger weg von grellen Farben heißt es dagegen beim Streichen. Querbauten, Garagen, Wintergärten und Erker haben sich dem Hauptgebäude „in Größe, Proportion, Ausrichtung und Material“ unterzuordnen. Während Querbauten nur mit Firstrichtung quer zum Haupthaus und gleichen Dachneigungen erlaubt sind, dürfen Wintergärten maximal ein Drittel der Gebäudelänge einnehmen.

Ohne Satteldach geht's nicht

 Auch hier lässt die Satzung keine extravaganten Konstruktionen zu. Am Satteldach führt kein Weg vorbei, wobei der First mittig verlaufen muss und eine Dachneigung von 18 bis 26 Grad einzuhalten ist. Gauben und Einschnitte sind unzulässig. Auch an den ortstypischen Dachüberständen hält die Stadt fest. Diese müssen bei eingeschossigen Häusern an Giebeln mindestens 80, an Traufen 60 Zentimeter hervorragen. Bei mehrgeschossigen Gebäuden fallen die Richtwerte jeweils um 20 Zentimeter höher aus. Bei der Farbwahl brauchen Bauherren nicht lange überlegen. Nur „Naturrot“ und „Rotbraun“ stehen bei Tonziegeln oder Betonsteinen zur Wahl. Holzschindeln sind erlaubt, Blechdächer nur in Ausnahmefällen. Energieausbeute hin oder her: Das Aufständern von Solaranlagen verbietet die Satzung ebenfalls.

Kampf den "Schießscharten-Fenstern"

Fenster: „Waagrecht liegende beziehungsweise durchgehende waagrechte oder senkrechte Fensterflächen sind unzulässig“ lautet hier die Musterformulierung. Ruml deutschte aus. „Das heißt, dass kein Fenster mehr breiter als hoch sein darf.“ Für seine Begriffe eine viel zu enge Vorschrift. Nicht für Markus Baumgartner (CSU). „Wir wollen doch genau solche Harakiri-Schlitze gliedern“, sagte er. Auch Manfred Burger (Grüne) sprach sich für eine „auflockernde Trennung“ durchgehender Glasfronten aus. Mit Breitwiesers Vorschlag, „bandartige waagrechte oder senkrechte Fensterflächen“ auszuschließen, konnten letztlich alle leben. Genauso mit der Pflicht, Balkone aus Holz und nur in Ausnahmefällen auch in Metall zu bauen.

Immergrünen Hecken wird das Wasser abgegraben

Dieser Klassiker des Nachbarschaftsstreits sorgte auch im Bauausschuss für Diskussionen. Während die Mustersatzung Einfriedungen aus Holz und Schmiedeeisen von maximal 1,20 Meter erlaubt, schreibt sie bei Maschendraht eine „Hinterpflanzung“ vor. Ruml schüttelte den Kopf. „Maschendraht ist unauffällig“, sagte er. Eine zusätzliche Bepflanzung bewirke eine Abschottung, die man ja eigentlich verhindern wolle. Ganz zu schweigen vom Platzbedarf. „Da fällt bei einem Reihenhaus viel Garten weg“, sagte Burger. Breitwieser nahm die Anmerkungen in den Absatz auf. Ebenso wie die Anregung von Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU), die maximal zulässige Höhe um 30 Zentimeter auf 1,80 Meter hochzuschrauben. Rumls Kritik, wonach dabei eine „Schluchtwirkung“ in den Straßen entstehe, wies Breitwieser zurück. „Immergrüne Hecken haben wir ja eh ausgeschlossen.“

Es war die letzte Etappe einer anstrengenden Tour durch den Paragrafen-Dschungel namens Gestaltungssatzung. Einstimmig und sichtlich erleichtert brachten die Ausschussmitglieder das Erstlingswerk auf den Weg. In Stein gemeißelt ist jedoch nichts, wie Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) betonte. „Wir werden dazulernen und gegebenenfalls nachbessern.“ Auch Pongratz machte sich keine Illusionen. „Die eierlegende Wollmilchsau werden wir nie bekommen“, sagte sie.

Rumls Sorge, dass sich Bauausschuss und Bauamt künftig nur noch mit Anträgen auf Ausnahmegenehmigungen beschäftigen müssen, teilte sie aber nicht. „Wer glaubt, dass jeder, der sich einen Rollladenkasten an die Wand schrauben will, im Rathaus nachfragt“, sagte Pongratz, „der träumt nachts von Weißwürsten“.

sg

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