Sudelfeld, Parkplatz, Waldkopf
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Dicht an dicht stehen die Autos der Skifahrer auf dem Großparkplatz an der Waldkopfbahn im Skigebiet Sudelfeld. An sonnigen Wochenenden ist die Fläche im Nu voll.

Sonne, Schnee und viel zu viele Autos

Parkplatzchaos: Blechlawine in den Skigebieten

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Bayrischzell/Spitzingsee - Sonnenschein, Pulverschnee und ein freier Tag: Schon ist das Parkplatzchaos an Sudelfeld und Spitzingsee perfekt. So gehen die Liftbetreiber damit um.

Einmal losgerollt, ist die Blechlawine nicht mehr aufzuhalten. Am vergangenen Samstag war es wieder so weit: Tausende Autos drängten schon am Morgen in die Skigebiete Sudelfeld und Spitzingsee. Das Ergebnis: ein Verkehrskollaps mit vollen Straßen und überfüllten Parkplätzen. Die Folge: frustrierte Skifahrer, deren Pistentag schon beendet war, bevor sie auf den Brettern standen. Die Blechlawine hatte alles unter sich begraben.

Drei „kritische Tage“ hat Harald Gmeiner, Sprecher der Liftbetriebe Sudelfeld, heuer schon erlebt. Neben dem Chaos am vergangenen Samstag ging auch am 2. und 6. Januar nichts mehr am Fuße des neuen Waldkopflifts. Die 2200 Parkplätze, eine für Gmeiner an normalen Tagen „absolut ausreichende Zahl“, waren im Nu belegt. Die Parkplatzsuchenden stellten ihre Autos an der Bundesstraße ab. Die unangenehme Konsequenz: Es hagelte Strafzettel. Die Polizei nimmt eben keine Rücksicht auf genervte Skifahrer. Die wiederum beschwerten sich bei den Liftbetrieben, berichtet Gmeiner. „Und das ist bitter, denn es vergrault uns die Gäste.“

Peter Lorenz, Geschäftsführer der Alpenbahnen Spitzingsee, kann die Aufregung um das Parkplatzchaos nicht nachvollziehen. „Das gibt es doch schon seit 30 Jahren“, sagt er. Es sei nichts Neues, dass die Leute bei schönem Wetter an Wochenenden die Pisten stürmen. Rund 2000 Parkplätze stehen dort insgesamt zur Verfügung. Nadelöhr ist die Stümpflingbahn.

Das gleiche Problem am Parkplatz der Stümpflingbahn am Spitzingsee: Sind alle Plätze belegt, stehen die Autofahrer vor verschlossener Schranke und müssen wieder umkehren.

Sind alle Stellplätze besetzt, schließen die Einweiser die Schranke. Das Problem: „Einige Autofahrer drehen nicht um, sondern warten lieber“, sagt Lorenz. Und blockieren so den Wendeplatz für den Skibus.

Was also tun gegen den Verkehrskollaps in den Skigebieten? „Der ist kaum zu steuern“, sagt Gmeiner. Man könne ja nicht einfach die Werbung einstellen oder den Leuten sagen, sie sollen nur unter der Woche oder bei schlechtem Wetter kommen. Stattdessen müsse man bereits etablierte Alternativen wie das Kombiangebot für Bayerische Oberlandbahn (BOB), Skipass und gratis Skibus oder auch die seit dieser Saison anmietbaren Skidepots an der Waldkopf-Talstation besser publik machen. Gut 120 Spinde stehen hier zur Verfügung. „So brauchen die Leute nicht jedes Mal ihre Ausrüstung mitschleppen“, sagt Gmeiner.

Für die nächste Saison arbeiten die Liftbetreiber an einem Verkehrsleitsystem, das die Skifahrer bereits in Bayrischzell über die Auslastung am Berg informiert und bei Bedarf auf Parkplätze am Bahnhof oder Tannerfeld führt. Von dort aus soll ein Shuttlebus aufs Sudelfeld pendeln.

Ein Ampelsystem gibt es am Spitzingsee seit Jahren. Trotzdem versuchen viele Skifahrer auch bei Rot ihr Glück. „Die wollen halt lieber mit dem Auto an die Piste fahren“, sagt Lorenz. Gerade die jungen Leute würden aber durchaus BOB und Skibus nutzen. Von einem neuen Großparkplatz im Tal hält Lorenz daher wenig: „Vor allem den Familien ist das Umsteigen in den Bus viel zu hektisch.“

Was weitere Parkplätze am Berg anbelangt, sind sich Lorenz und Gmeiner einig: „Wir sind ausgereizt.“ Die Blechlawine müsste – wenn das überhaupt möglich ist – vorher gestoppt werden.

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