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Unter neuem Banner: Die Seniorenresidenz Schliersee gehört nun zur Sereni Orizzonti.

Seniorenresidenz Schliersee

Pflegeheim Schliersee: Neuer Eigentümer kündigt bessere Qualität an

Die Seniorenresidenz Schliersee hat nicht den besten Ruf. Das könnte sich ändern. Ein italienischer Heimbetreiber hat das Haus übernommen und will investieren.

Schliersee – Die Seniorenresidenz Schliersee hat zwischenzeitlich wenig positive Schlagzeilen gemacht. Nun hat zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre der Eigentümer gewechselt. Die Rede ist von einer „qualitativen Verbesserung“.

Der italienische Pflegeheimbetreiber Sereni Orizzonti strebt auf den deutschen Markt, und Schliersee ist neben Augsburg der erste von zwei Standorten. Die Italiener haben das Haus von der belgischen Armonea-Gruppe – selbst ein Branchenriese – gekauft, die die Seniorenresidenz ihrerseits erst vor drei Jahren von der Deutschen Pflege und Wohnen GmbH übernommen hatte.

Der neue Betreiber ist ein Unternehmen auf gewaltigem Expansionskurs. Innerhalb weniger Jahre hat Sereni Orizzonti die Zahl seiner Pflegebetten massiv gesteigert. Von 2500 im Jahr 2015 auf aktuell rund 5000 in 77 Einrichtungen. Italienische Medien berichten von einer jährlichen Umsatzwachstum von 30 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. Für Bayern sei der Bau zweiter weitere Heime angekündigt, berichtet etwa www.friuli.it. Aktiv ist das Unternehmensgruppe neben Italien auch in Spanien – und jetzt eben auch in Deutschland, in Schliersee.

Während die Heimleitung im Urlaub weilt und für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, weiß Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) schon etwas mehr. Bei ihm wurde der neue Eigentümer schon vorstellig. „Er will in die Qualität investieren“, sagt der Bürgermeister. So solle es zum Beispiel wieder eine eigene Küche geben. Ihm gegenüber hätten die Italiener davon gesprochen, noch heuer aktiv zu werden. Schnitzenbaumer sieht es positiv. „Wenn jemand in die Qualität investiert, ist er willkommen.“

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Die Seniorenresidenz eröffnete 2009 in einem lange leer stehenden AOK-Anwesen. Neben besonders günstiger Preise fiel die Einrichtung schon bald durch Mängel in der Betreuung auf. So verhängte der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Bayern 2011 einen Aufnahmestopp. Das ist lange her, und von weiteren, anhaltenden Missständen wurde öffentlich nichts bekannt, auch wenn hinter vorgehaltener Hand immer wieder von Mängeln gesprochen wurde. Zuletzt waren ein paar Mal Bewohner vermisst und mithilfe von Rettungsorganisationen gesucht worden (wir berichteten).

An der Pflege hatte der MDK in seinem jüngsten Qualitätsbericht (Juni 2019) nicht viel auszusetzen. Die Seniorenresidenz erzielte ein Gesamtergebnis von 1,2 (Bundesdurchschnitt: 1,3). Von den 116 Bewohnern wurden allerdings nur acht in die Prüfung einbezogen. Und immer wieder taucht Kritik an den Bewertungsmaßstäben dieses vermeintlichen Pflege-TÜVs auf.

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Für Kritik ist immer auch Claus Fussek gut. Der sieht einen gewinnorientierten Investor als Betreiber einer Pflegeeinrichtung, in der es schließlich um Menschen geht, grundsätzlich mal kritisch. Doch letztlich komme es auf die Situation vor Ort an. Und da sei die Gesellschaft – nicht nur etwa die Politik – gefordert, eine Auge darauf zu haben, dass es den Menschen in den Einrichtungen gut geht.

In Schliersee sind auch ans Rathaus immer mal wieder Beschwerden herangetragen worden, sagt Schnitzenbaumer. Diese habe man an die Heimaufsicht weitergeben – ohne dass Weiteres festgestellt wurde.

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