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Gericht: Pistensperrung ist unzulässig

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Konfliktfeld Skipiste: Tourengeher ziehen am Pistenrand Richtung Gipfel, die Skifahrer suchen den Weg ins Tal. foto: archiv Thomas plettenberg
Konfliktfeld Skipiste: Tourengeher ziehen am Pistenrand Richtung Gipfel, die Skifahrer suchen den Weg ins Tal. © Thomas Plettenberg (Archiv)

Schliersee - Der Markt Schliersee hat im November 2013 das Tourengehen auf den Skipisten im Spitzinggebiet verboten. Es folgte massive Kritik. Das Verwaltungsgericht München hat nun beschlossen: Die Anordnung ist rechtswidrig.

Unter Skitourengehern ist es ein leidiges Thema: Pisten in Skigebieten werden für den Aufstieg gesperrt. Dabei sind sie für die Tourengeher - vor allem in schneearmen Wintern - oft die einzige Möglichkeit, ihren Sport auszuüben. Am Spitzingsee hat der Deutsche Alpenverein (DAV) in Zusammenarbeit mit den Alpenbahnen Spitzingsee und Naturschutzverbänden seit Längerem drei Aufstiegsrouten für Tourengeher festgelegt und ausgeschildert. Doch der Gegenverkehr auf der Piste nahm weiter zu.

Im November 2013 hat der Markt Schliersee das Aufsteigen auf Skipisten per Anordnung verboten. Bei Zuwiderhandlung drohten Geldbußen. Dagegen haben Privatpersonen vor dem Münchner Verwaltungsgericht geklagt - mit Erfolg. Einer der Kläger ist Hanspeter Mair, selbst leidenschaftlicher Tourengeher und Geschäftsbereichsleiter beim DAV. „Die Sperrungen waren nicht akzeptabel“, sagt er. Die vielzitierte Kollisionsgefahr auf der Piste zwischen aufsteigenden und abfahrenden Skisportlern sieht Mair nicht bestätigt. „Wenn’s scheppert, dann bei den Pistlern untereinander.“

Ein Brief im Vorfeld an die Gemeinde habe zu keiner Lösung geführt. Somit blieb nur der Rechtsweg. Das Gericht stimmte dem Antrag auf aufschiebende Wirkung der Klage gegen die Anordnung zu. Das Verbot ist somit nichtig - Skitourengeher können gehen, wo sie wollen. Die Begründung: Die Anordnung ist bereits formell rechtswidrig. Sie hätte vom Schlierseer Gemeinderat beschlossen werden müssen, und nicht eigenständig von Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer.

Der Schlierseer Rathauschef hat das Ergebnis gelassen zur Kenntnis genommen. Weitere rechtliche Schritte möchte er nicht unternehmen: „Wir wollen keine weiteren Verbote erlassen, sondern uns mit allen Beteiligten zusammensetzen und das Problem angehen“, sagt Schnitzenbaumer. Auch dem DAV ist an einer gemeinsamen Lösung gelegen. „Wir wollen eine friedliche Koexistenz“, sagt Mair. Dass die Pisten nachts während der Präparation gesperrt werden, unterstützt er. Sein Recht, auf der Piste zu gehen, möchte er jedoch nicht aufgeben. Der DAV sei jederzeit bereit, sich mit den Verantwortlichen an einen Tisch zu setzen.

Antonia Asenstorfer, Sprecherin der Alpenbahnen Spitzingsee, sieht im Gegenverkehr auf der Piste nach wie vor ein Sicherheitsrisiko. „Wir beobachten den Trend und müssen sehen, wie wir in der Zukunft damit umgehen.“ Aufzuhalten ist er nicht mehr. Skitourengehen auf der Piste, in leichtem Gelände und ganz ohne Lawinengefahr, hat in den vergangenen Jahren einen enormen Zuwachs erfahren. Mair schlägt weitere Aufstiegsspuren vor. „Wir müssen den Andrang kanalisieren.“ Eine gemeinsame Einigung ist dringend notwendig.

Tassilo Pritzl

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