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Zufrieden, nicht euphorisch: das Vorstandstrio der Raiffeisenbank im Oberland mit (v.l.) Josef Bernöcker, Vorsitzendem Hubert Stehr und Stellvertreter Manfred Klaar.

Hohe Kosten überschatten Ergebnis

Raiffeisenbank im Oberland wächst - und will sparen

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Miesbach - Die Raiffeisenbank im Oberland ist 2015 stark gewachsen. Doch Kosten und Steuern fressen den Gewinn auf. Das Kreditinstitut will deshalb sparen - auch beim Personal.

Ein außergewöhnliches Jahr liegt hinter der Raiffeisenbank im Oberland. Sieht man sich die Bilanzsumme für 2015 an, müsste Vorstandsvorsitzender Hubert Stehr eigentlich ein breites Grinsen im Gesicht tragen. Fast 640 Millionen Euro weist die Bank bei diesem Posten aus, ein sattes Plus von 12,6 Prozent. Doch der Chef gibt sich zurückhaltend. „Wir können zufrieden sein“, sagt er. Euphorie sieht anders aus.

Kein Wunder, rührt doch das starke Wachstum nur zum Teil aus dem Kundengeschäft. Wegen der Liquiditätsverordnung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) musste die Genossenschaftsbank für gut 20 Millionen Euro Bargeld und Wertpapiere dazukaufen – und damit das um elf Prozent auf 523 Millionen Euro gestiegene Kreditgeschäft absichern. „Das hat uns regelrecht überrollt“, sagt Stehr. Weil dafür vorwiegend Staatsanleihen erlaubt sind, geht die Verzinsung gen null.

Ein Schicksal, das die Bank mit ihren Kunden teilt. Doch trotz anhaltender Niedrigzinsphase haben die Sparer gut 28 Millionen Euro oder 6,5 Prozent mehr angelegt als 2014 (422 Millionen Euro). Durch das stärker angewachsene Kreditgeschäft hat sich die Lücke zwischen Einlagen und Krediten jedoch von 50 auf 73 Millionen Euro erhöht. Das sei aber auch ein gutes Zeichen, sagt Vorstandsmitglied Josef Bernöcker. „Es wird viel investiert in der Region.“ Ein Gesamtvolumen von gut 1,34 Milliarden Euro (8,2 Prozent mehr als 2014) haben die Raiffeisenbank und ihre Partner 2015 verwaltet.

Trotzdem ist an den Einlagen kaum mehr etwas verdient, wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Manfred Klaar betont. Dazu kommen die um mehr als 800 000 Euro gestiegenen Verwaltungskosten und eine Rekordsteuerlast von 1,68 Millionen Euro. Nach Bewertung und Steuern hat die Bank damit 3,31 Millionen Euro erwirtschaftet – ein allenfalls kosmetisches Plus von 40 000 Euro. „Wir hatten aber auch einige Sondereffekte im Personalbereich“, erklärt Stehr. Für 2016 rechnet er wieder mit einem größeren Wachstum.

Auch, weil die Bank an der Kostenschraube drehen wird. Ein Negativzins ist dabei laut Stehr noch kein Thema. Langfristig ausschließen könne man aber nichts. Zuerst jedoch knöpft sich das Kreditinstitut die Ausgaben vor. So werde man alle Filialen auf Effizienz durchleuchten und gegebenenfalls die Öffnungszeiten anpassen. „Wir müssen auf das veränderte Nutzungsverhalten unserer Kunden reagieren“, erklärt Stehr. Auch Personalabbau ist ein Thema. Zum Beispiel, indem Stellen nicht mehr nachbesetzt werden.

Zum Internetunternehmen wird die Raiffeisenbank aber nicht, verspricht der Chef. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen sei eine umfassende und persönliche Beratung unabdingbar. Etwa, um den Kunden die Angst vor Fondssparplänen zu nehmen oder sie vor überzogenen Krediten zu schützen. „Die verlockend niedrigen Zinsen können auch wieder steigen“, mahnt Bernöcker.

In Sachen Geldanlage einmal mehr als rentabel erwiesen haben sich übrigens die Genossenschaftsanteile. Über eine Dividende in Höhe von 2,5 Prozent durften sich die Mitglieder 2015 freuen. Letztere dürften durchaus noch mehr werden, meint Klaar. Lediglich ein Drittel aller Kunden hat bislang mindestens einen der 50 Euro teuren Anteile gezeichnet. „Das ist ausbaufähig“, sagt Klaar.

Vor allem, weil sich die Kunden auch in Zukunft auf ihre Bank verlassen können, wie die drei Herren versichern. Die Verbundenheit zum Landkreis sei in Zeiten der Digitalisierung ein Erfolgsfaktor, sagt Bernöcker. „Wir können es uns nicht leisten, unseren Namen zu verbrennen.“

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