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Asylbewerber darf nicht zu Treffen reisen

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Von: Sebastian Grauvogl

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Asylbewerber
Asif Mehmood Jutt darf als Asylbewerber Oberbayern nicht verlassen. © fkn

Hausham - Er möchte reisen, darf aber nicht: Asylbewerber Asif Mehmood Jutt will ein religiöses Treffen in Karlsruhe besuchen, das Landratsamt stellt ihm aber keine Genehmigung aus.

Schreckliche Dinge hat Asif Mehmood Jutt in seiner Heimat Pakistan erlebt. Er wurde ausgegrenzt, verfolgt und bedroht. Nicht etwa, weil er ein Verbrechen begangen hatte. Jutt wollte beten. Weil der 23-Jährige aber ein Ahmadiyya Muslim ist, durfte er seinen Glauben in Pakistan nicht leben. Die anderen Muslime lehnten seine Religion ab. „Es war wie im Gefängnis“, erzählt Jutt in gutem Englisch.

Seit September lebt der 23-Jährige jetzt als Asylbewerber in Hausham. Seine Angehörigen und Freunde hat er seitdem nicht mehr gesehen. Viele haben ihre Heimat ebenfalls verlassen und sind in unterschiedlichen Teilen Deutschlands untergekommen. Doch einfach besuchen können sie sich nicht. Asylbewerber wie Jutt haben eine so genannte Residenzpflicht. Ohne eine Ausnahmegenehmigung dürfen sie sich nur innerhalb eines bestimmten Bereichs bewegen. Für die Flüchtlinge im Landkreis Miesbach ist das der Bezirk Oberbayern. Und genau diese Regelung ist für Jutt ein großes Problem.

Vom 13. bis 15. Juni veranstaltet seine Glaubensgemeinschaft zum 39. Mal ihre jährliche Versammlung in der Messe Karlsruhe. 26 000 Gläubige aus der ganzen Welt werden erwartet. Damit Jutt - auf eigene Kosten - nach Karlsruhe reisen darf, braucht er aber eine Genehmigung durch das Landratsamt. Doch die Ausländerbehörde möchte ihm diese nicht ausstellen. Sogar ein offizielles Schreiben seiner Glaubensgemeinschaft habe Jutt den Sachbearbeitern vorgelegt – ohne Erfolg. Der junge Pakistani versteht die Welt nicht mehr: „Ich dachte, ich bin jetzt in einem freien Land“, sagt er frustriert. Stattdessen fühle er sich auch hier wie im Gefängnis.

Gerhard Brandl, Stellvertretender Pressesprecher am Landratsamt, bestätigt die Haltung der Miesbacher Ausländerbehörde: „Es stimmt, dass wir hier im Landkreis eine eher restriktive Linie fahren.“ Dies sei aber rechtlich so in Ordnung. Eine verpflichtende Ausnahmegenehmigung für religiöse Veranstaltungen sei im Asylverfahrensgesetz nicht vorgesehen. „Das ist letztlich immer eine Einzelfallentscheidung seitens der Behörde“, erklärt Brandl. Nur falls ein dringendes öffentliches oder privates Interesse vorliege, könne ein „Verlassensurlaub“ gewährt werden. Beispiele wären etwa ein Gerichtstermin oder ein Todesfall im Familienkreis.

Eine Erklärung, die Jutt nur schwer akzeptieren kann. Viele befreundete Asylbewerber aus anderen Kreisen dürften zu dem Treffen anreisen, sagt er. „Manche bleiben sogar zwei Wochen.“ Für ihn aber ist im Landkreis Eichstätt – der nördlichen Grenze Oberbayerns – Schluss. Auch wenn es Jutt in Hausham besser geht als in seiner Heimat – richtig frei fühlt er sich nicht.

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