1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach

Aussteigerin liebt die harte körperliche Arbeit

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Kurz vor der Sendung: Rike Kößler am Donnerstagabend in Ludwigsburg beim Dreh der Talkshow „Nachtcafé“. © SWR

Hausham/Ludwigsburg - Sie ist eine Aussteigerin: Rike Kößler aus Hausham entsagte der Karriere und wurde Hüttenwirtin. Das thematisiert jetzt ein Beitrag im Fernsehen.

In Shanghai lebte sie die internationale Karriere, jetzt arbeitet sie auf der Alm: Rike Kößler aus Hausham ist die Hüttenwirtin des Brotzeitstüberls am Spitzingsee. Eine Biografie, für die sich das Fernsehen interessiert. Die 49-Jährige reiste gestern nach Ludwigsburg ins Schloss Favorite, wo das SWR das „Nachtcafé“ aufnahm. In der Talkshow, die am Freitag und Samstag läuft, spricht Kößler mit weiteren Gästen über das Thema „Das war meine Rettung!“. Vor der Sendung erzählte sie uns, wie sie zur Aussteigerin wurde.

Frau Kößler, Sie haben einen klassischen Aussteiger-Werdegang hinter sich. Sie sattelten von der Geschäftsfrau zur Hüttenwirtin um.

Das Businessleben war eine Zeit lang in Ordnung, aber auf Dauer nichts für mich. Meine Welt ist auf der Alm. Ich war schon immer ein Naturmensch. Ich wollte schon als Kind aufs Land ziehen. 

Aber? 

Das Wertesystem meiner Familie war auf Leistung gepolt. Vor allem bei meinem Vater, der Philosophie-Professor ist. Ich buhlte um Anerkennung und Liebe – und habe lange Zeit gut funktioniert. Nach meinem Sinologie-Studium zog ich nach Shanghai, wo ich erneut studierte und meinen Ex-Mann kennenlernte. In China arbeitete ich erst im Deutschen Generalkonsulat, später für einen deutschen Wirtschaftsprüfer, Steuer- und Unternehmensberater.

Hat der Job als Hüttenwirtin am Spitzingsattel Sie aus dieser Welt gerettet?

Der Titel der Talkshow „Das war meine Rettung!“ trifft es nicht so ganz. Ich musste nicht gerettet werden, weil ich in keiner Notlage war. Ich habe selbstbestimmt mein Leben verändert. Dass ich meine beiden Kinder bekommen habe, war meine Rettung. Ohne meinen Sohn Ciza und meine Tochter Kaneza wäre ich nicht dort, wo ich jetzt bin.

Das müssen Sie erklären.

Nach sechseinhalb Jahren in China stand ich mit 33 Jahren vor der Entscheidung: Karriere oder Kinder? Da ich in diesem Punkt sehr traditionell bin und beides für mich nicht vereinbar ist, habe ich gekündigt. Das war der erste Wendepunkt in meinem Leben.

Und der zweite Wendepunkt war die Arbeit als Hüttenwirtin?

2006 bin ich erstmals auf die Alm gegangen. Acht Sommer, immer auf die Obere Schönfeldhütte am Spitzingsee. Immer alleine. Meine Kinder kamen während der Ferien, sonst waren sie beim Vater. Das war eine gewisse Freiheit. Vier Monate lebte ich auf der Alm, acht Monate in Nürnberg, wo ich in dem Naturkostladen einer Freundin arbeitete. Vor drei Jahren lernte ich dann meinen neuen Lebenspartner aus Hausham kennen. Die Abschiede von der Alm und den Freunden waren immer schlimm.

Weshalb Sie dann nach Hausham zogen...

Das war im Mai 2013, im Oktober übernahm ich als Einzelkämpferin das leerstehende Brotzeitstüberl am Spitzingsattel. Ich brauchte eine Existenz und koche gerne. Dem Naturkostgedanken bin ich auch als Hüttenwirtin mit meinem Bio-Konzept treu geblieben.

Was schätzen Sie an Ihrem neuen Beruf? 

Ich schätze die Selbstständigkeit und das Arbeiten am Berg. Ich liebe die harte körperliche Arbeit. Für mich war das auch ein Sprung ins kalte Wasser. Vorher hatte ich ein Leben mit mehr Sicherheit. Aber jetzt freue ich mich jeden Tag auf die Arbeit.

Das Gespräch führte Vera Markert. 

Die Sendetermine 

Ausgestrahlt wird die Talkshow „Nachtcafé“ am Freitag um 22 Uhr sowie am Samstag um 2.15 Uhr und um 11.15 Uhr im SWR Fernsehen.

Auch interessant

Kommentare