Verein bekommt kalte Füße

Rodelbahn-Projekt: Verzicht auf Förderung 

Schliersee – Eigentlich nahm alles den gewünschten Verlauf. Nach umfangreichen Vorarbeiten hat das zuständige Landwirtschaftsamt Rosenheim dem Rennrodelclub Schliersee die Förderung einer Machbarkeits-Studie zum Neubau der Rodelbahn am Hennerer bewilligt. Doch nun will der Verein den Antrag zurückziehen.

Der Plan klingt verwegen und visionär. Der Rennrodelclub Schliersee will die heruntergekommene Natureisrodelbahn am Hennerer durch eine Kunsteisbahn ersetzen. Jahrelang schon strickt RRC-Vorsitzender Karl-Heinz Manhart mit Hermann Müller, als Duo ehedem selbst Weltklasse-Rodler, an ihrem Plan. Nun wäre der nächste Schritt an der Reihe: eine Machbarkeits-Studie hätte Aufklärung darüber geben sollen, ob es mit dem Millionen-Projekt klappen kann. Dazu hat der RRC einen Förderantrag beim Lenkungsausschuss des Vereins Kreisentwicklung Miesbacher Land gestellt. Der muss der Vergabe von Mitteln aus dem Europäischen Förderprogramm Leader bekanntlich zustimmen.

Der Ausschuss gab sein Okay, und der Antrag wanderte zum für den Bescheid zuständigen Landwirtschaftsamt Rosenheim. Auch das war einverstanden, die Hälfte der für die Studie angesetzten 33 600 Euro zu fördern. Der Bescheid ging in die Post. Allerdings noch nicht die Bewilligung, sondern die Erlaubnis des sogenannten vorzeitigen Maßnahmebeginns.

Mit dem Wortlaut des Papiers sind die Schlierseer aber alles andere als glücklich. Darin ist die Rede davon, dass kein rechtlicher Anspruch auf die Förderung besteht und dass im Falle einer späteren Ablehnung der Verein das volle finanzielle Risiko tragen müsse. Für den Vorstand des Rodelclubs ist das nicht hinnehmbar. „Wir haben das im Vorstand besprochen und waren uns einig“, sagt Manhart. Die Richtlinien bergen für die Schlierseer zu viele Fallstricke. Die Furcht: Beim kleinsten Fehler ist die Förderung futsch, und der Verein bleibt auf den Gesamtkosten sitzen. Zu viel Risiko, zumal er die Ruine der alten Bahn, die seit Jahrzehnten keinen Schlitten mehr gesehen hat, zurückgebaut werden muss, wenn es mit der neuen nicht klappt. Rund 30 000 Euro kostet das Manhart zufolge. Von seinem Schritt, den Förderantrag zurückziehen zu wollen, setzte der RRC die maßgeblichen Stellen in Kenntnis.

Dort ist man erstaunt: „Das hat uns völlig überrascht“, sagt Sebastian Wittmoser, Leader-Koordinator für Oberbayern Ost. Er kann die Bedenken aus Schliersee nicht verstehen. „Eigentlich war alles klar. Wir haben im Vorfeld alles besprochen und nachher auch“, sagt der Fischbachauer. Dass Bescheide in Behörden- und Juristendeutsch verfasst sind, sei völlig normal. Natürlich müsse geprüft werden, ob der Antragsteller die Richtlinien erfülle, deshalb der Vorbehalt. Aber im Falle Rodelbahn Schliersee habe das Amt dies sogar im Vorfeld schon getan. Es geht darum, dass der RRC bereits drei Anbieter angeschrieben hat. Für das Erstellen der Machbarkeits-Studie kommt nur einer in Frage, weil es sich beim angepeilten System mit Fertigbauteilen um ein sehr spezielles handelt. „Wir haben mehrfach gesagt, sie können den Auftrag vergeben“, bekräftigt Wittmoser. Die Richtlinien wiederum sehen eigentlich vor, dass der Antragsteller nach Erhalt des Bescheids eine Markterkundung vornimmt, also mehrere Angebote einholt – einer dieser Fallstricke, in denen der RRC sich zu verheddern fürchtet.

Auch, dass der eigentliche Bescheid noch nicht da ist, irritiert die Schlierseer. Ein Umstand, der schlichtweg einer Modernisierung der EDV im Landwirtschaftsministerium geschuldet ist, erklärt Wittmoser. Manhart wiederum hatte bei der Behörde direkt nachgefragt und gesagt bekommen, dass der Passus, der das finanzielle Risiko betrifft, auch im abschließenden Bescheid enthalten ist. Der RRC-Vorsitzende kritisiert: „Die Förderung soll Projekten von einfachen Vereinen und Bürgern zugutekommen, und dann macht man so einen Staatsakt draus.“ Die Rodler warten nun die Reaktion der entsprechenden Stellen ab, „dann schauen wir weiter“, erklärt Manhart.

Zu diesen Stellen gehört neben der Leader-Managerin im Landkreis, Stefanie Stiller, auch Michael Pelzer als Vorsitzender des Kreisentwicklungs-Vereins. Der hofft, dass das Missverständnis – als solches schätzt er die Causa letztlich ein – bei einem weiteren gemeinsamen Gespräch ausgeräumt werden kann. Die Machbarkeits-Studie benötigt der RRC als Grundlage für einen Businessplan, ohne den wiederum die Geldgebersuche sinnlos ist.

Mehr zu dem, was die Schlierseer vorhaben, steht hier.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Pünktlich zum Sommer: Neues im Strandbad
Das Schlierseer Strandbad ist gerüstet. Seit Christi Himmelfahrt hat die bei Bade- und Feierabend-Gästen beliebte Einrichtung geöffnet, und so haben die ersten schon die …
Pünktlich zum Sommer: Neues im Strandbad
Bürgerauto in Schliersee: Vorhaben kommt voran
In Schliersee soll es ab Sommer ein Bürgerauto geben. Das können dann die Bürger, aber auch Urlauber nutzen, um kleine Fahrten zu erledigen. Mitorganisator Philippe …
Bürgerauto in Schliersee: Vorhaben kommt voran
Der Tourismus spart sich zurück in die 1990er-Jahre
Statt unsere herrliche Landschaft und Kultur mit Leidenschaft touristisch zu vermarkten, schauen wir zu, wie uns andere überholen – selbst wenn sie nur einen Hügel und …
Der Tourismus spart sich zurück in die 1990er-Jahre
Wie unsere Touristiker mit einer halben Million weniger klarkommen
In diesem Jahr fällt die finanzielle Ausstattung durch den Landkreis für die ATS erstmals um satte 425.000 Euro niedriger aus. Der Vorjahresbericht zeigt, wie viel da …
Wie unsere Touristiker mit einer halben Million weniger klarkommen

Kommentare