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Info-Abend in Schliersee

Rückenwind für Hornfecks Visionen

Schliersee - Die Gesellschaft ändert sich, der Sport ändert sich. Wie die Kommunalpolitik diesen Wandel begleiten kann, darüber sprach nun Professor Hans Peter Brandl-Bredenbeck in Schliersee – und adelte nebenbei eine Idee, die dort schon besteht.

 Dass ein Referent höflichen Applaus bekommt, ist normal. Dass der Referent selbst applaudiert, wohl eher nicht. Am Dienstagabend in der Schlierseer Vitalwelt geschah genau das. Vom engagierten Vortrag von Stefan Hornfeck, Eismeister im Freudenberg-Stadion in Schliersee, war Hans Peter Brandl-Bredenbeck offenbar so angetan, dass er zustimmend in die Hände klatschte. Applaus für die Idee, Applaus für die Hingabe.

Hornfeck hatte seine Vision von einer Sommern-Nutzung des Stadions geschildert – und lag damit letztlich auf einer Linie mit dem Referenten. Der ist immerhin Leiter des Sportzentrums der Universität Augsburg und Experte für Sportflächengestaltung. Auf Einladung der Freien Wähler war er angereist, um über „Sportperspektiven für Schliersee“ zu sprechen. Rund 50 Interessierte waren gekommen.

Zunächst lieferte der Professor einige „Grundlagen für den Gedankenaustausch aus der Kinder-/Jugendsportforschung und der Lebenslagenforschung“. Sport, so Brandl-Bredenbeck, ist ein Querschnittsthema, präsent in allen Milieus und gesellschaftlichen Bereichen. Und über die Vereine ist der Sport hochstrukturiert. 80 0000 Sportvereine gibt es in Deutschland. „Keine gesellschaftliche Organisationsform erreicht solche Quoten.“ Aber – auch das ist bekannt – die Vereine haben Probleme. Mitgliederzahlen gehen zurück, ehrenamtlich Engagierte auch, und mithin erschwert auch die Steuergesetzgebung den Betrieb des Vereins. Und immer neue Trendsportarten sorgen für Konkurrenz.

„Der Wandel der Gesellschaft führt zum Wandel des Sports“, sagt Brandl-Bredenbeck. Waren es früher vielleicht Leistungswillen und der Wunsch nach Gemeinschaft, der die Menschen zu den Vereinen brachte, sind es heute eher Gesundheit, Ausgleich und Abenteuer, die gesucht werden. Damit ändern sich die ausgeübten Sportarten. Kurz gesagt: Während die Handballer um Mitglieder kämpfen, treffen sich immer mehr Leute zur Feierabendrunde um den See. Die Top-Drei der genutzten Sportflächen sind öffentliche Wege, Grünflächen sowie Flüsse und Seen – nichts, für das Städte und Gemeinden Millionen aufwenden müssten. Erst auf Platz vier kommt mit Schwimmbädern eine gebäudliche Einrichtung.

Für die Politik bedeutet dies – obgleich in Schliersee wohl niemand an der Notwendigkeit der neuen Turnhalle zweifelt – die „Notwendigkeit eines systematischen und integrierten Vorgehens“, meint Brandl-Bredenbeck, also eine koordinierte Entwicklung von Sport und Gemeinde im Gleichschritt unter Beteiligung der Akteure wie Schulen, Vereinen und Bürgern. Als Sportarten, die sich in den nächsten 15 Jahren wachsender Beliebtheit erfreuen, nannte der Fachmann Wandern, Nordic Walking, Gymnastik und Gesundheitssport – mithin ein Ergebnis der alternden Gesellschaft.

Eigentlich kann sich Schliersee somit ganz gut aufgestellt fühlen. Der See ist da, und das Thema Wandern ist zentral beim Tourismus-Marketing der Gemeinde und des Landkreises – auch wenn die Pflege in den Bergen wohl immer mehr eine kommunale Aufgabe werden wird, da die Alpenvereins-Sektionen Entlastung benötigen. Ferner hat Schliersee ein Schwimmbad in der Vitalwelt, und Flächen für Gymnastik müssen ja nicht unbedingt riesig sein.

Was fehlt, sind Möglichkeiten für Jugendliche. Und da brachte Hornfeck seine Ideen – und die des TSV – für das Eisstadion ins Spiel. „Für ein eine Wintersportart ist das viel zu schade“, sagte er. Ihm schwebt eine Sommernutzung vor, und zwar explizit für Jugendliche. Die Skateranlage, die derzeit auf dem Parkplatz an der Schlierach mehr stört als Freude bereitet, könnte umziehen. Ferner stellt sich Hornfeck Angebote für Mountainbiker, Inline-Skater oder auch Slackliner vor. Wie berichtet ist er dabei, Sponsoren anzusprechen, um die 160 000 bis 180 000 Euro für eine Komplettsanierung einzusammeln.

Ein solches Bereitstellen einer offenen und variabel gestalt- und nutzbaren Fläche liegt ganz auf der Linie von Brandl-Bredenbeck. Denn welchen Trendsport die Jugend in den nächsten zehn Jahren entdeckt, steht in den Sternen. Wichtig ist dem Experten zufolge, Gleichaltrigen eine Möglichkeit zu geben, sich zu treffen – „und vielleicht auch ein bisschen zu feiern“. Dass dies auf Widerstände stoßen kann, ist aber auch dem Fachmann klar.

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