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Ein Denkmal? Als Schandfleck bezeichnet Bürgermeister Georg Kittenrainer den alten Lokschuppen in Bayrischzell. Wie das Bahnhofsgebäude (hinten r.) steht er neuerdings unter Denkmalschutz. 

Neue Denkmalliste

Schützenswerter Schandfleck

Bayrischzell - Das Landesamt für Denkmalschutz hat seine Liste für Bayrischzell bereinigt. Ein paar Streichungen stehen vier Neuaufnahmen gegenüber – unter anderem der heruntergekommene Lokschuppen.

Was der eine für erhaltungswürdig erachtet, ist dem anderen ein Dorn im Auge. Und so provoziert es immer auch Diskussionen, wenn das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege historische, künstlerische und volkskundliche Bauwerke unter Schutz stellt. Der Zank um den Gasthof Glasl in Rottach-Egern ist vielen noch in Erinnerung. Nun kamen im Gemeinderat Bayrischzell die jüngsten Änderungen in der Denkmalliste zur Sprache. Vier Baudenkmäler haben die Denkmalpfleger neu unter Schutz gestellt – darunter den ehemalige Lokschuppen, der die Bayrischzeller längst als Schandfleck betrachten.

Seit der Erhebung durch das Landesamt für Denkmalpflege in den 1970er-Jahren habe sich einiges verändert, berichtete Bürgermeister Georg Kittenrainer. In einem groß angelegtem Projekt habe das Amt eine Nachqualifizierung für geschichtsträchtige Gebäude in dem Ort unter dem Wendelstein vorgenommen. „Insgesamt gibt es in Bayrischzell 73 Baudenkmäler sowie ein sogenanntes Bodendenkmal“, berichtete Bauamtsleiter Josef Acher. Letzteres ist eine untertägige mittelalterliche Grundmauer im Bereich der katholischen Pfarrkirche St. Margareth und der Friedhofskapelle.

Unter Denkmalschutz stehen jetzt auch das ehemalige SS-Erholungsheim im Sudelfeldgebiet. 1938 wurde es errichtet, und seit 1948 wird es als Jugendherberge genutzt. Geschützt sind nun auch das ehemalige Bahnhofsgebäude sowie das Landhaus Thier an der Sudelfeldstraße. Dieses besteht aus einem Satteldachbau mit verbrettertem Obergeschoss, Eckstanderker sowie Lauben aus dem Jahre 1915. Eine ähnliche Holzkonstruktion umrahmt den Flachsatteldachbau des zweigeschossigen Bahnhofgebäudes. Es wurde zusammen mit dem ehemaligen verbretterten Lokschuppen im alpenländischen Heimatstil in den Jahren 1910 und 1911 erbaut. Aus der Liste gestrichen haben die Denkmalschützer derweil die Untere Staudenbergalm, die vor rund 20 Jahren abgebrannt ist.

„Viele haben zum Denkmalschutz ein zwiespältiges Verhältnis“, räumte Kittenrainer ein. „Ich stehe aber hinter dem Denkmalschutz.“ Denn kulturelles Erbe gelte es zu bewahren. Besonders der Bahnhofplatz sei ein Fenster in die Vergangenheit. „Die Gebäude spiegeln den charakteristischen Zeitgeist der Industrialisierung wider – eine Epoche, als die Bahnlinie nach Bayrischzell kam.“

Allerdings ist der ehemalige Lokschuppen mittlerweile ziemlich unzweifelhaft eine heruntergekommene Ruine, die bei den wenigsten nostalgische Gefühle auslöst. „Ein absoluter Schandfleck im Ort, da besteht dringender Handlungsbedarf“, urteilte auch Kittenrainer. Gemeinderat Hanno Acher wollte derweil wissen, ob der Gemeinde Vor- oder Nachteile durch den Denkmalschutz für dieses Gebäude entstehen.

Es schien, als hätte der Rathaus-Chef nur auf diese Frage gewartet. Erstens, so führte er aus, sei der Eigentümer verpflichtet, Maßnahmen zur Sicherheit des Gebäudes durchzuführen. Und weiter: „Wenn ein Baudenkmal der Bundesrepublik Deutschland unterliegt, erwarte ich auch, dass sie ihre Denkmal in Ordnung hält.“ Damit sei der Eigentümer – das Bundeseisenbahnvermögen – zum Handeln gezwungen.

Allerdings bringe dies oft harte Kraftproben mit sich, erklärte Kittenrainer. Hat der Besitzer keine praktische Verwendung, lässt er es gern einmal verwahrlosen – man erinnere sich nur an den Schoberhof in Fischhausen. Mitunter geschehe so etwas in der Hoffnung, dass es der Gemeinde zu blöd werde und sie den Schandfleck abreißen lasse. Allerdings genieße der Denkmalschutz einen hohen Stellenwert in Deutschland. „Die hocken am längeren Hebel“, sagte der Bürgermeister schmunzelnd. Wie es speziell mit dem Lokschuppen weitergeht, ist ungewiss. Früher sei die Sanierung von denkmalgeschützten Gebäude noch ordentlich gefördert worden, so Kittenrainer: „Heutzutage werden nur noch besonders wertvolle Baudenkmäler wie Kirchenmalereien finanziell unterstützt.“

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