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Eine Zeitreise ins Jahr 1919 können die Besucher der Ausstellung „100 Jahre Bockerlbahn Schliersee“ in der Vitalwelt unternehmen.

Große Schau in der Vitalwelt

100 Jahre Bockerlbahn Schliersee: Ausstellung gibt spannende Einblicke

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300.000 umgestürzte Bäume brachte die Schlierseer Bockerlbahn ins Tal - in nur drei Jahren. Eine Ausstellung würdigt nun diese Pionierleistung vor 100 Jahren.

Schliersee – Schwere Ketten, raue Holzgriffe an Wiegsägen und Äxten, dazu die massiven Baumstämme: Wer in diesen Tagen durch die Schlierseer Vitalwelt schlendert, denkt unweigerlich an Schweiß, Rückenschmerzen und Blasen an den Händen. Also an all die Strapazen, die die rund 2000 Waldarbeiter vor 100 Jahren im Spitzinggebiet erduldeten, um eine technische Meisterleistung zu vollbringen: den Bau der Bockerlbahn.

Mit einer großen Ausstellung würdigt die Marktgemeinde die zwölf Kilometer lange Schmalspurbahn, die von 1919 bis 1922 den Bahnhof Neuhaus mit der Stocker-alm, dem Spitzingsattel, der Wurzhütte, dem Blecksteinhaus und der Waitzinger Alm verband. In weniger als drei Jahren schafften die Arbeiter mit den Waggons fast 300 000 Bäume ins Tal, die von einem Föhnorkan im Januar 1919 und zwei weiteren Stürmen im März und Juli regelrecht umgemäht wurden.

Mit dem von zahlreichen Schautafeln gesäumten Wanderweg hat die Gemeinde der Bockerlbahn bereits ein dauerhaftes Denkmal geschaffen. In der Ausstellung zu ihrem Bau vor 100 Jahren sind nun in der Vitalwelt nicht nur viele Schwarz-Weiß-Fotos aus der Zeit zu sehen, sondern auch etliche Werkzeuge sowie eine Bildschirmpräsentation und ein Film. Alles in allem eine lebendige Dokumentation über den – letztlich erfolgreichen – Kampf des Menschen mit den Folgen der Naturgewalten.

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Ein Teil der Schau widmet sich dem Bau der Gleise. Nachdem ein Münchner Büro in nur sechs Wochen die Pläne dafür gezeichnet hatte, rückten die Arbeiter mit Sägen, Beilen und Sapien (eine Kombination aus Hammer und Wendehaken zum Rücken von Holz) in das unzugängliche Waldgebiet vor. Mit aus heutiger Sicht einfachen Werkzeugen schlugen sie die Trasse in den Forst. Nicht nur die wie Streichhölzer abgeknickten Bäume, sondern auch Schluchten und Felsbrocken standen ihnen im Weg. Die Bilder in der Ausstellung zeugen von beeindruckenden Brückenbauwerken und Sprengaktionen, mit denen die Arbeiter der Waldbahn den Weg bahnten.

100 Jahre Bockerlbahn Schliersee: Ausstellung gibt spannende Einblicke

Im Nacken saß ihnen dabei die Zeit: Das Holz musste schnellstmöglich aufgearbeitet werden, um Schädlingsbefall und Fäulnis zuvorzukommen und somit eine noch größere Katastrophe zu verhindern. Die großen Anstrengungen, die die gut 2000 Arbeiter aus dem gesamten Alpenraum auf sich nahmen, stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. Doch wer sich die Fotos genau anschaut, entdeckt noch einen weiteren Ausdruck: den Stolz auf eine gewaltige Pionierleistung.

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Eine Faszination, die auch Jörg von Hertlein (1927 bis 2014) gepackt hatte. Seine täglichen Spaziergänge inspirierten ihn, die Bockerlbahn wieder in Erinnerung zu rufen. Hertlein suchte nach alten Brückenfundamenten und Gleisresten und rekonstruierte somit ein Stück der Historie des Ortes. In der Ausstellung würdigt die Marktgemeinde deshalb auch Hertleins Wirken als Förderer des Vermächtnisses der Bahn.

Um den „hochinteressanten und spannenden Teil der Geschichte Schliersees“, wie Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer die von Kuramtsleiter Mathias Schrön mit viel Holz konzipierte Schau lobte, möglichst vielen Bürgern und Gästen nahezubringen, ist „100 Jahre Bockerlbahn Schliersee“ bei freiem Eintritt zu besichtigen.

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