Premiere bei Kerzenschein: Andrea Wehrmann (l.) führte mit Barbara Pischetsrieder (M.) und Ursula Bommer erstmals ihre Komposition „12 Monate – 12 Bilder – 12 Lieder“ zu Gemälden von Cornelia Meier auf.
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Premiere bei Kerzenschein: Andrea Wehrmann (l.) führte mit Barbara Pischetsrieder (M.) und Ursula Bommer erstmals ihre Komposition „12 Monate – 12 Bilder – 12 Lieder“ zu Gemälden von Cornelia Meier auf.

Projekt von Kantorin Andrea Wehrmann und Malerin Cornelia Meier

„12 Monate – 12 Bilder – 12 Lieder“: Uraufführung eines Gesamtkunstwerks für die Sinne

„12 Monate – 12 Bilder – 12 Lieder“: Einen ganzen Jahreszyklus in Musik und Malerei, inspiriert von Lyrik, erlebten die Besucher der Uraufführung des Projekts von Andrea Wehrmann und Cornelia Meier nun in Schliersee.

Schliersee – Als Andrea Wehrmann, Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde Miesbach, vor fünf Jahren im Baltikum von einer mit Musik kombinierten Ausstellung eines litauischen Malers sehr angetan war, war sie sofort inspiriert. „Ich wollte dann noch die Ebene der Lyrik hinzufügen. Das ist dann wie eine Oper im Kleinen“, erklärt sie. In der Folge schuf sie ein Gesamtkunstwerk aus drei Kunstgattungen mit dem Titel „12 Monate – 12 Bilder – 12 Lieder“. Am Dienstagabend bestaunten gut 60 Gäste – mehr ging nicht wegen Corona – die Uraufführung des Projekts in der Schlierseer Christuskirche im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Musik bei Kerzenschein“, die Wehrmann ebenfalls begründet hat.

In ihrer Einführung erklärte Wehrmann das Konzept: Für das Projekt wählte sie die geschlossene Form des Jahreszyklus’, suchte zwölf passende Gedichte für die Monate Januar bis Dezember aus und vertonte sie als Gesangsduett mit Klavierbegleitung. Die befreundete Malerin Cornelia Meier aus Ratzeburg ließ sich von Wort und Ton inspirieren und malte zwölf thematisch passende Bilder, mittelgroß in Öl auf Leinwand.

Die etwa einstündige Aufführung begann mit dem Januar-Lied nach dem Gedicht von Andreas Gryphius „Die Betrachtung der Zeit“. Schnell wurde klar, dass es sich bei den Duetten, die von Barbara Pischetsrieder (Sopran) und Ursula Bommer (Alt) in perfektem Zusammenklang vorgetragen wurden, um feinste Musik und feinsten Gesang handelt, mit Wehrmanns kongenialer Begleitung am Klavier. Die glänzende Akustik des Gotteshauses trug ihren Teil zu diesem besonderen Klang- und Hörerlebnis bei. Schließlich wurde zu jedem Lied das entsprechende Monatsbild auf einer Staffelei präsentiert und effektvoll beleuchtet. So sprachen Wort, Ton und Bild drei Sinne gleichermaßen an und ließen sie zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen – stimmig und stimmungsvoll nicht nur wegen der obligatorischen Kerzen.

Hölderlin, Mörike oder Uhland in Bild und Klang

Weitere Texte stammten etwa von Friedrich Hölderlin mit „Winter“, Rainer Maria Rilke mit „Vorfrühling“, Theodor Storm mit „Juli“ oder auch Eduard Mörike mit „Septembermorgen“. Bei den Kunstliedern handelt es sich zur Hälfte um Stilkopien, etwa das Oktoberlied nach dem Gedicht „Schönheit“ von Martin Opitz, das die Komponistin im Barockstil vertonte. Der Mai nach „Frühlingsglaube“ von Ludwig Uhland erklang impressionistisch und erinnert an Maurice Ravel und Claude Debussy. Die andere Hälfte vertonte Wehrmann gemäßigt modern, variierte melodisch und rhythmisch und streute schon mal einen 5/8- im Wechsel mit einem 8/8-Takt ein.

Die Malerin hat sich ebenfalls verschiedener Stilmittel bedient und schuf Werke im Stil der klassischen Landschaftsmalerei genauso wie Bilder in der Manier der Präraffaeliten oder von Emil Nolde. Das Dezemberbild beeindruckt durch einen expressiven Hell-Dunkel-Kontrast und lässt den Weihnachtsbezug in Form eines Kometen anklingen. „Öffne dich, Himmel“ heißt das Gedicht von Anton Rotzetter, das dem letzten Jahreslied zugrunde liegt – mit einem musikalischen Zitat aus „Stille Nacht“ aus Wehrmanns Feder.

Da zwischen den Liedern Beifall nicht gepasst hätte, entlud sich der Schlussapplaus umso heftiger und länger. Verdiente Anerkennung für ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk.

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Reinhold Schmid

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