Landschaftlich schön, aber auch kompliziert: Das Grundstück, auf dem die Eigentümerfamilie des Schlierseer Hühnerhofs Müller in der Mühl ihre Ferienanlage errichten wollen, liegt im Außenbereich.
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Landschaftlich schön, aber auch kompliziert: Das Grundstück, auf dem die Eigentümerfamilie des Schlierseer Hühnerhofs Müller in der Mühl ihre Ferienanlage errichten wollen, liegt im Außenbereich.

Grundstück liegt im Landschaftsschutzgebiet

14 Ferienwohnungen auf Hühnerhof: Projekt in Schliersee kämpft mit Bauvorschriften

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Die Betreiberfamilie des Hühnerhofs in Schliersee will sich mit Ferienwohnungen ein weiteres Standbein aufbauen. Doch die Lage des Grundstücks macht Probleme.

Schliersee – Als das „frühest urkundlich genannte Besitztum in unserer Gegend“ bezeichnet die Schlierseer Chronik das Anwesen beim Müller in der Mühl. Am 26. Februar 1254 wurden die Mühle und das zugehörige Gütl an der Schlierach erstmals erwähnt. Doch weil sich von der Tradition und auch von der Wasserkraft alleine heute nicht mehr leben lässt, hat die Eigentümerfamilie Hinterseer den Hof mit Fingerspitzengefühl und guten Ideen neu aufgestellt. Seit zwei Jahren betreiben die Brüder Joseph und Marinus Hinterseer einen Hühnerhof mit bis zu 1000 Tieren. Eier und Fleisch vermarkten sie direkt. Sogar einen Online-Shop und ein kleines Café haben sie aufgebaut. Jetzt wollen sie sich ein weiteres Standbein aufbauen: mit einem Gästehaus für 14 Ferienwohnungen.

Im Schlierseer Bauausschuss kam das Vorhaben nun erstmals öffentlich auf den Tisch. Geplant ist laut Sachvortrag ein Gebäude mit 28 mal 14 Metern Grundfläche und einer Wandhöhe von 6,35 Meter parallel zum bestehenden Fußweg an der Schlierach. Die Dachneigung wird mit 26 Grad angegeben. Ferner wollen die Hinterseers auf der Nordseite des Neubaus ein acht mal drei Meter großes Nebengebäude als Abstellraum für Ski und Fahrräder errichten. Hier sollen auch die 14 Kfz-Stellplätze für die Feriengäste entstehen. Wie Joseph Hinterseer auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt, würde die Familie die Apartments unter dem Motto „Urlaub auf dem Bauernhof“ vermieten. Die Gestaltung der Räume soll sich an den Themen Landwirtschaft und Forst orientieren.

Lage des Grundstücks macht Probleme

An Ideen und Kreativität mangelt es den Hinterseers also weiter nicht. Doch das Problem ist die Lage des Grundstücks. Dieses befindet sich laut Bauamt gleich in mehrerlei Hinsicht in einem für eine Bebauung kritischen Bereich. Es liegt nicht nur im Außenbereich, sondern obendrein teilweise im Landschaftsschutzgebiet, teilweise im Überschwemmungsgebiet und ist zu allem Überfluss auch noch zum Teil biotopkartiert. Die von den Eigentümern beantragte Außenbereichssatzung scheide aus, erläuterte Bauamtsleiterin Birgit Kienast.

So sehe das Amt für Ernährung und Forsten (AELF) die Voraussetzungen für eine landwirtschaftliche Privilegierung als nicht erfüllt an. Auch eine „mitgezogene Privilegierung“ sei zu verneinen, da das Bauvorhaben die notwendigen Vorgaben übersteige und die landwirtschaftliche Prägung stark beeinträchtigen würde. Kienasts Nachfrage beim Landratsamt brachte ebenfalls keinen Erfolg. Da die bisherige Bebauung in dem Gebiet keinen Wohncharakter aufweise und auch keine Baulücke vorliege, sei der Erlass einer Außenbereichssatzung nicht möglich. Doch die Bauamtsleiterin gab nicht auf und klopfte noch bei der Regierung von Oberbayern an um zu klären, ob das für eine Bauleitplanung erforderliche Anbindegebot erfüllt ist. Die Antwort steht noch aus.

Auskunft von Regierung von Oberbayern steht noch aus

„Ein Bebauungsplan wäre hier das einzige Instrument“, erklärte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU). „Dafür brauchen wir aber die Aussage der Regierung.“ Generell habe er mit dem Vorhaben kein Problem, solange das geplante Gebäude im Bereich des bestehenden Hühnerstalls bleibe und den Charakter des Ortseingangs nicht verändere. Es werde aber wohl sehr schwer, so Schnitzenbaumer, die rechtlichen Hürden zu überspringen. Auch Horst Teckhaus (PWG) sah „massive Probleme“, und Jürgen Höltschl (CSU) erinnerte, dass bereits die Genehmigung des Hühnerstalls kompliziert gewesen sei. Letztlich einigten sich die Bauausschussmitglieder darauf, erst die Stellungnahme der Regierung abzuwarten und den Antrag der Hinterseers zurückzustellen.

Die haben derweil auch noch einen Plan B. Laut Joseph Hinterseer kann sich sein Bruder vorstellen, auf seinem Grundstück an der Schlierachstraße drei bis vier Almhütten für Urlauber zu errichten. Zuerst aber heißt es: die Antwort der Regierung abwarten.

sg

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