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Einmal drehen - und dann kommt die dicke Rechnung. Vor allem das neue Schloss ist offenbar ein beliebter Trick.

„Und ich habe ihnen sogar noch Kaffee gekocht“

900 Euro für 40 Minuten: So fies wurde ein Schlierseer abgezockt

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Ausgesperrt und abgezockt: Helmut Berlinger hatte sich am Sonntagmorgen ausgesperrt - und dann fing der Alptraum an. Kein Einzelfall, sagt die Verbraucherzentrale.

Helmut Berlinger aus Schliersee wurde von einem Schlüsseldienst abgezockt.

Schliersee – Der Schlüssel steckt innen, Helmut Berlinger (47) steht draußen. Als die Tür zufällt, weiß der Schlierseer, was es geschlagen hat. An einem Sonntagvormittag einen Schlüsseldienst zu bestellen, das kann teuer werden. Dass es ihn aber gleich ein kleines Vermögen kosten wird, das malt sich der Unglücksrabe nicht aus. Noch heute schüttelt der Rettungsdienstassistent ungläubig den Kopf, wenn er die Rechnung der Firma „Schlüsselnotdienst Tag und Nacht“ aus Rees in Nordrhein-Westfalen betrachtet. 901,78 Euro hat er bezahlt. Per EC-Karte, im eigenen Wohnzimmer. „Und ich habe ihnen sogar noch Kaffee gekocht“, sagt Berlinger über die beiden Arbeiter. Dass sie ihn pro Minute um 22,54 Euro erleichtern werden, ahnt er da noch nicht.

Doch der Reihe nach. Es ist kurz nach 9 Uhr, als Berlinger sein Missgeschick passiert. Weil er weder Handy noch Geldbeutel bei sich hat, klingelt er bei seiner Nachbarin. Die beiden setzen sich an den Computer und suchen im Internet nach einem Schlüsselnotdienst. Berlinger sticht ein ihm bekannter Anbieter aus Miesbach ins Auge. „Die haben mir schon mal die Tür geöffnet“, sagt er. „Für 80 Euro.“ Direkt unter dem Eintrag der seriösen Firma steht eine Handy-Nummer. Berlinger ruft an und bestellt den Notdienst ein – ohne nach dem Preis zu fragen. Heute fasst er sich deshalb an den Kopf. Damals war er der festen Überzeugung, mit der Miesbacher Firma zu sprechen.

45 Minuten später sind die beiden Arbeiter da. Sie öffnen Berlingers Tür mit einer Art Metallkarte. Dann empfehlen sie ihm, gleich noch ein neues Schloss einzubauen. Eines, das sich trotz steckendem Schlüssel aufsperren lässt. Berlinger willigt ein. Wieder, ohne sich nach den Kosten zu erkundigen. Nach 40 Minuten ist alles erledigt – bis auf die Rechnung. 169 Euro „fallspezifischer Einsatzwert“, 169 Euro Sonntagszuschlag, 79,80 Euro Mehrarbeitszeit und 310 Euro für das neue Schloss – alles netto, wohlgemerkt. „Das Schloss hätte im Baumarkt vielleicht 30 Euro gekostet“, sagt Berlinger heute. Damals zahlt er anstandslos. „Ich war da total überrumpelt“, sagt er. Deshalb unterschreibt er wohl auch die per Hand gekritzelten Zeilen, er sei über die Preise aufgeklärt worden.

Bei der Verbraucherzentrale Bayern kennt man diese Fälle. „Herr Berlinger ist in guter Gesellschaft“, sagt Rechtsexpertin Tatjana Halm. Abzocke von Schlüsseldiensten sei ein echter Dauerbrenner. Tipps, wie man sich dagegen schützt, hat die Verbraucherzentrale auf ihrer Homepage veröffentlicht. Eine Liste mit zuverlässigen Anbietern gibt es jedoch nicht, meint Halm. „Das ist kein geschützter Beruf.“ Dementsprechend hoch sei die Fluktuation in der Branche. Ist man erst einmal auf einen unseriösen Schlüsseldienst hereingefallen, wird es schwierig, wieder an sein Geld zu kommen. „Die Rechtssprechung ist nicht einheitlich“, erklärt Halm.

Zur Polizei gegangen ist Berlinger noch nicht. Eine Anzeige hätte wohl auch wenig Aussicht auf Erfolg, meint Polizeikommissar Christian Krauß. Weil der Kunde alles unterschrieben habe, könne man kaum einen Betrug nachweisen. Wenn überhaupt, käme Wucher als Straftatbestand infrage. Auch eine Häufung von Fällen könne die Polizei Miesbach nicht feststellen. „Es gibt derzeit keine Lageentwicklung“, sagt Krauß.

Bernhard Heidl ist anderer Auffassung. Der Inhaber der Miesbacher Agentur der Gothaer-Versicherung hat neben Berlinger noch einen Kunden aus Rottach-Egern, der ebenfalls knapp 1000 Euro an besagten Schlüsselnotdienst bezahlt hat. „Das ist eine Art Mafia“, vermutet Heidl. Seinen Kunden empfiehlt er, sich von einem Anwalt beraten zu lassen. Parallel prüft er, ob die Versicherung einen Teil der Summe übernimmt. Je nach Tarif und Anbieter könne die Türöffnung über die Hausrat- oder Haftpflichtversicherung abgedeckt sein. Ob das auch für eine Rechnung von fast 1000 Euro gilt, bleibt abzuwarten.

Berlinger versucht es indes mit Galgenhumor. „Beim nächsten Mal schlag ich einfach ein Fenster ein“, meint er schmunzelnd. „Das kommt mir auf jeden Fall billiger.“

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