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Abschied vom Namensgeber der Stichel-Hex: Schliersee trauert um Ex-Vizebürgermeister Sepp Faltermeier

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Von: Dieter Dorby

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Soziale Gerechtigkeit lag ihm am Herzen: Dafür engagierte sich Schliersees ehemaliger Vizebürgermeister Sepp Faltermeier über mehrere Jahrzehnte ehrenamtlich.
Soziale Gerechtigkeit lag ihm am Herzen: Dafür engagierte sich Schliersees ehemaliger Vizebürgermeister Sepp Faltermeier über mehrere Jahrzehnte ehrenamtlich. © privat

Schliersees ehemaliger Zweiter Bürgermeister Sepp Faltermeier ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Er wird als Mann in Erinnerung bleiben, für den soziale Gerechtigkeit eine wirkliche Herzensangelegenheit war. Ein Nachruf.

Schliersee – Anderen helfen kann man auf vielerlei Art. Sepp Faltermeier hat sich auf eine Art besonnen, die ihm sein Beruf geboten hat. Er etablierte ehrenamtlich die Rentenberatung im Schlierseer Rathaus und setzte sich als Gemeinderatsmitglied der SPD und als Zweiter Bürgermeister für soziale Gerechtigkeit ein. Am 28. Januar ist er nun – kurz vor seinem 92. Geburtstag und nach längerer altersbedingter Erkrankung – zuhause in Schliersee friedlich eingeschlafen.

Im deutschen Rentenrecht kannte er sich bestens aus. Und anderen zu helfen, die im dichten Paragrafen-Dschungel des Sozialrechts die Orientierung zu verlieren drohten, lag ihm am Herzen. „Mein Mann“, so beschreibt ihn seine Frau Ilse Faltermeier, „war ein überzeugter Sozialdemokrat konservativer Prägung.“ Die Kommunalpolitik sei für ihn jahrzehntelang „Leidenschaft und Lebensinhalt“ zugleich gewesen.

Zahlreiche Ehrenämter

Ein Blick auf die zahlreichen Ehrenämter des gelernten Bergmanns, der nach einem Studium an der Akademie der Arbeit in Frankfurt in die Sozialverwaltung wechselte, dokumentiert den hohen Stellenwert, den der Einsatz für sozial Schwächere und Gerechtigkeit in seinem Leben gehabt haben. 28 Jahre ehrenamtliche Richtertätigkeit am Sozialgericht München sowie seine Ehrenämter als Richter am Finanzgericht und dem Landesgericht München stehen ebenso dafür wie sein über 22 Jahre währendes Mitwirken im Landesausschuss der Bayrischen Versicherungskammer. Im Landkreis kannte man ihn vor allem wegen seiner kommunalpolitischen Arbeit, seiner kostenlosen Rentenberatungsstunden, die er bis zu seinem 75. Lebensjahr im Schlierseer Rathaus hielt, und seiner zahlreichen Vorträge über das Wesen der gesetzlichen Rentenversicherung.

Bundesverdienstkreuz am Bande

Im Gemeinderat brachte er sich 30 Jahre lang – von 1972 bis 2002 – ein, davon zehn als SPD-Fraktionssprecher. Von 1984 bis zu seinem Ausscheiden war er Vizebürgermeister. Dem Kreistag gehörte er zwei Amtsperioden an. In diesen drei Jahrzehnten erwies er sich nicht nur als überzeugter Kämpfer für die kommunale Selbstverwaltung. Sein Verständnis von Kommunalpolitik war geprägt von einem hohen Maß an Pragmatismus. Das Wohl der Bürger und seiner Heimat standen für ihn stets im Mittelpunkt. „Ideologie und Lagerdenken erteilte er stets eine klare Absage“, sagt seine Frau. „Nicht zuletzt deshalb wurde sein Engagement über Parteigrenzen hinweg geschätzt.“ Lohn dafür waren die Anerkennungsmedaille für Verdienste in der kommunalen Selbstverwaltung sowie das Bundesverdienstkreuz am Bande, das ihm 2001 verliehen wurde.

Der Namensgeber der Stichel-Hex

Bekannt war er für seinen Charme und Humor. Er feierte gern und konnte ganze Gesellschaften mit Anekdoten, Gedichten und feinen Witzen unterhalten. Einem solchen Gedicht verdankt unsere Zeitung auch ihr Maskottchen. Als 1990 ein Name für die neue Kolumne mit der Frau auf der Schreibfeder gesucht wurde – das Bild lag schon vor –, reichte Faltermeier bei der ausgeschriebenen Namenssuche diesen Reim ein: „Die Absicht, ja die hab’ ich gleich erkannt. Warum auch nicht? Das macht das Blatt ja interessant. Als Name für die Leitfigur fiel mir gleich ein: Stichel-Hex, das soll er sein.“ Seitdem gilt Faltermeier als ihr Pate. „Nun ist er nach einem sehr erfüllten Leben von uns gegangen“, stellt Ilse Faltermeier fest. „Er fehlt schon jetzt sehr.“

ddy

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