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Frisches Leitungswasser ist manchmal mit Vorsicht zu genießen. Hier ein Symbolbild.

Gemeinderatsmitglied stellt Dringlichkeitsantrag

Alte Leitungen: Wasser in Spitzingsee wird gechlort

Chlorung am Spitzingsee, bräunliches Wasser in Neuhaus: Beunruhigende Nachrichten zur Schlierseer Wasserversorgung haben PWG-Gemeinderat Michael Dürr erreicht. Jetzt hat er einen Antrag gestellt.

Schliersee – Für Dürr sind die Probleme eine Folge des teils stark veralteten Leitungsnetzes. „Circa 20 Prozent der insgesamt 70 Kilometer sind älter als 60 Jahre“, sagt Dürr. Aus gegebenem Anlass hat er deshalb einen „Dringlichkeitsantrag“ zur Gemeinderatssitzung am Dienstag, 21. Februar, im Rathaus eingereicht.

In seinem Schreiben fordert Dürr, „angesichts der gerade bekannt gewordenen prekären Lage der Leitungsnetze und Hochbehälter, die bisherigen Investitionen in die Wasserversorgung des Marktes erheblich zu erhöhen“. Bis zur März-Sitzung des Gemeinderats solle die Kämmerei eine Kostenkalkulation vorlegen. Die Dringlichkeit, erklärt Dürr, sei durch die Einarbeitung in den Haushalt bedingt. „Die Trinkwasserversorgung als eine Leistung der Daseinsvorsorge gehört nach Artikel 57 der Bayerischen Gemeindeordnung zu den Pflichtaufgaben der Gemeinden und geht damit allen anderen Investitionen vor.“

Dürrs Antrag ist nicht der einzige Tagesordnungspunkt zum Thema Wasser. In einem Sachstandsbericht wird Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) selbst zur geplanten Rohrnetzsanierung am Spitzingsee Stellung nehmen. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt er, dass das Trinkwasser aus dem Hochbehälter am Trautweinweg seit Dezember gechlort wird. „Das ist aber nicht ungewöhnlich“, sagt Schnitzenbaumer. Zudem habe das Wasserwerk die betroffenen Haushalte umgehend über die Maßnahme informiert.

Ausgangspunkt sei ein „leicht überschrittener Grenzwert“ gewesen, so der Bürgermeister. „Unser Wasserwerk prüft das immer sehr sorgfältig.“ Die Ursache sei noch unklar. Im Verdacht habe man aber den Hochbehälter. Der sei noch nicht mit der heutzutage üblichen Edelstahlschicht ausgekleidet, sondern mit einem betonartigen Material. Wenn das porös werde, könnten sich Keimablagerungen bilden. Alternativ käme auch ein „Biofilm“ in den ebenfalls alten Leitungen als Grund für die Ausschläge bei den Messungen in Frage.

Um dem Problem dauerhaft beizukommen, werde die Gemeinde noch heuer „Sofortmaßnahmen“ einleiten. So habe man die eigentlich für 2016 eingeplanten Sanierungsarbeiten im Schlierseer Leitungsnetz verschoben und die beauftragte Firma stattdessen nach Spitzingsee beordert. Eine Auskleidung des Hochbehälters mit Edelstahl sei dabei nur eine der angedachten Maßnahmen.

Bislang nicht bekannt sind dem Bürgermeister die Vorfälle von braun gefärbtem Trinkwasser in Neuhaus. Laut Dürr haben dies mehrere Haushalte beobachtet. Einige hätten aber vermutet, ihre Hausleitungen seien dafür verantwortlich. Der Gemeinderat sieht eher Ablagerungen im veralteten öffentlichen Netz dafür verantwortlich.

Schnitzenbaumer ist das zu einfach. „Das Alter ist nicht allein entscheidend für den Zustand der Leitungen“, sagt er. Vielmehr müsse man auch Faktoren wie Material, Druck und Beanspruchung berücksichtigen. All das würde das Wasserwerk laufend überprüfen. Eine außergewöhnlich hohe Investition sieht der Bürgermeister nicht auf seine Gemeinde zukommen. Haushaltsbelastend würde sich diese ohnehin nicht auswirken. Weil das Wasserwerk kostendeckend arbeiten müsse, werde man die Ausgaben langfristig an die Bürger weitergeben müssen. „Auch wenn es unpopulär ist“, sagt Schnitzenbaumer.

Die nächste Neukalkulation steht turnusgemäß Ende des Jahres an. Zumindest seelisch können sich die Spitzingseer schon mal auf höhere Wassergebühren einstellen. Allerdings dürften dann auch die Chlorungen der Vergangenheit angehören.

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