Schliersee, Westseite
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Sensible Stelle: Zwischen Bahngleis (l.) und Hang (r.) verläuft der Schmutzwasserkanal an der Westseite des Schliersees. Weil es am Westerberg immer wieder zu Erdbewegungen kommt, wurde das Rohr wiederholt beschädigt. 

Rohre immer wieder beschädigt

Hangrutsche am Westerberg: Schliersee stehen teure Kanalsanierungen bevor

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Auch unter der Erde lauern Kostenfallen. So stehen den Schlierseern in den kommenden Jahren einige Kanalsanierungen bevor. Besonders kritisch ist die Lage am Westerberg.

Schliersee – Kanalsanierung ganz ohne Graben: Das verspricht das sogenannte Inlining-Verfahren. Ein mit Kunstharz getränkter Schlauch wird in den bestehenden Kanal eingebracht und dort thermisch oder mit UV-Licht ausgehärtet. Ein neues „Rohr im Rohr“, quasi. Und ein äußerst widerstandskräftiges noch dazu, erklärte Michael Schütte, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Dippold & Gerold, nun im Schlierseer Gemeinderat. „Damit haben sie 50 bis 60 Jahre Ruhe.“ Eine durchaus verlockende Aussicht, stehen der Marktgemeinde in Schliersee und Spitzingsee (siehe Kasten) doch noch einige Kilometer Kanalsanierung bevor.

Seit 2002 ist das Büro mit dieser Aufgabe betraut, berichtete Schütte. Bis 2013 habe die Gemeinde die stattliche Summe von 1,5 Millionen Euro in ihr Abwasser-Rohrnetz investiert. Im vergangenen Jahr habe man nun mit Kamerabefahrungen und Druckprüfungen weitere undichte Stellen identifiziert. Im Fokus steht diesmal vor allem die Seestraße (B 307), die man so gut wie komplett mit Inlinern und damit quasi minimalinvasiv instand setzen könne, so Schütte.

Deutlich komplizierter ist die Lage hingegen auf der gegenüberliegenden Seite des Sees. Am Wiesenhang am Westerberg gerate der mangels Baumbewuchs schnell stark durchfeuchtete Boden immer wieder ins Rutschen, erklärte Schütte. Die Folge: Risse im unten nahe dem Bahngleis verlegten Kanal. Obwohl man 2008 den Bereich mit Inlinern ausgekleidet habe, komme es seit 2016 wiederholt zu neuen Lecken. Selbst eine Manschette, die einen Teil der Erdbewegungen absorbiert, habe das Problem nicht gelöst, sondern nur verlagert. „Der Kanal ist zehn Meter weiter hinten erneut gerissen“, so Schütte.

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Um die Stelle nachhaltig zu entschärfen, müsse man den Fokus auf den Hang legen. Zwölf so genannte „Sickerstützscheiben“ aus Kiesmaterial, jede davon 20 Meter lang und vier bis fünf Meter tief, müssten im Abstand von jeweils fünf Meter in den Untergrund eingebracht werden, erklärte Schütte. Nur so könne man die ständige Gefahr, dass Abwasser durch ein Loch im Kanal in den Schliersee läuft, bannen. Trotz der geschätzten Kosten in Höhe von 320 000 Euro riet der Ingenieur den Gemeinderäten, die Sache „in Bälde“ zu erledigen. Auf die Frage von Babette Wehrmann (Grüne), ob man den Hang auch durch eine Aufforstung befestigen könne, winkte Schütte ab. „Es dauert Jahrzehnte, bis die Bäume so weit sind, dass sie diese Funktion übernehmen können.“

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Horst Teckhaus (PWG) brachte eine andere Idee ins Gespräch: „Ist es utopisch, den Kanal durch den See zu legen?“, fragte er. Keineswegs, meinte Schütte. So habe man einst auch die Wasserleitung für den Anschluss der Insel Wörth unter Wasser verlegt. Die Kosten der Aktion seien aber nicht zu verachten: rund zwei Millionen Euro könnte ein Unterwasser-Kanal verschlingen, mutmaßte Schütte.

Bei der Hangsicherung hingegen könnte die Gemeinde nicht nur auf die Bahn, sondern auch auf den Grundstückseigentümer der Wiese zugehen und über eine finanzielle Beteiligung verhandeln. „Das sind erfahrungsgemäß immer sehr schwierige Gespräche“, meinte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) zum Thema Bahn. Deutlich optimistischer schätzte er die Anfrage beim Wiesenbesitzer ein. Durch die Drainage könne dieser den Hang besser nutzen als aktuell. „Das ist schon ein ziemlich nasser Fleck.“

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