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Amtsgericht 

Freispruch für den Mann mit der Eisenstange

Er soll seine Nachbarn terrorisiert haben und stand deshalb jetzt vor Gericht. Die Verhandlung gegen einen 59-Jährigen endete mit einem Freispruch wegen paranoider Schizophrenie.

Miesbach/Schliersee – Auf der Anklagebank sitzt ein Mann, dem drei Straftaten vorgeworfen werden: Beleidigung, Bedrohung und versuchte gefährliche Körperverletzung. Am Ende wird er nicht verurteilt. Der Grund dafür ist eine Krankheit: paranoide Schizophrenie. Dieser Fall spielte sich nun am Miesbacher Amtsgericht ab.

Der Beschuldigte, ein 59-jähriger ehemaliger Neuhauser, der inzwischen in Bad Tölz wohnt, wollte zum Sachverhalt keine Angaben machen. Im April des vergangenen Jahres soll er in dem Mietshaus in Neuhaus, in dem er damals wohnte, eine andere Familie tyrannisiert haben. Mit einer Eisenstange und einem Schraubenzieher sei er nach Angaben der Zeugen auf sie losgegangen. „Er wohnte damals unter uns“, erinnerte sich der 37-jährige damalige Hausgenosse des Angeklagten, „und hat plötzlich mit der Eisenstange gegen unseren Balkon geschlagen.“ Zudem soll der 59-Jährige versucht haben, von seinem Balkon auf den darüberliegenden der attackierten Familie zu gelangen. Wüste Beschimpfungen seitens des Täters sollen gefallen sein. Mehr sei vorerst aber nicht passiert, schilderte der Neuhauser.

Als die Frau des 37-Jährigen dann aber im Garten mit der Vermieterin sprach, „hat er einfach die Eisenstange nach meiner Frau geschmissen“, sagte der Neuhauser aus. Getroffen habe er zum Glück nicht. „Ich bin nach unten in den Garten gegangen“, sagte der 37-Jährige. „Dann kam er auf einmal mit einem Schraubenzieher auf mich zu. Ich wusste gar nicht, was los ist.“ Das Werkzeug soll der Angeklagte dem Neuhauser an den Kopf gehalten haben. In der Anklageschrift steht auch, dass der 59-Jährige dabei „Ich bringe euch alle um, ihr Schweine“ geschrien haben soll. Diese Drohung bestätigte das Opfer allerdings nicht. Dennoch soll sich der Mann erst nach Eintreffen der von der Vermieterin gerufenen Polizei beruhigt haben. „Da hat er dann so getan, als wäre nichts gewesen“, sagte der Neuhauser aus.

Und das soll nicht der einzige Zwischenfall mit dem Angeklagten gewesen sein, schilderte der 37-Jährige: „Es war mit ihm nicht auszuhalten, denn fast jeden Tag hat es irgendetwas mit ihm gegeben.“ Dem 59-Jährigen soll nichts gepasst haben, „egal was wir gemacht haben“. Die Frau des Bedrohten hatte aufgrund des unberechenbaren Nachbarn Angst, alleine vor die Tür zu gehen, wie sie selbst vor Gericht aussagte. „Am Tag des Vorfalls hat er mit der Stange auf seinem Balkon herumgefuchtelt und sie nach mir geschmissen“, erklärte die 45-Jährige. Dabei soll er ihr zugerufen haben, dass sie von hier abhauen solle.

Ob der Angeklagte wirklich eine Stange nach der Frau geworfen hat, ist allerdings unklar, wie ein Polizeihauptmeister der Polizei Rosenheim erklärte: „Wir haben zumindest keine Stange gefunden“, sagte er aus.

Mit der Polizei kooperierte der Angeklagte. „Er redete etwas wirr und hatte sprunghafte Gedanken“, erinnerte sich der Beamte. „Doch er war ruhig.“ Einem anschließend durchgeführten Bluttest zufolge hatte der 59-Jährige 0,45 Promille intus. Für die Staatsanwaltschaft war jedoch die Krankheit der Grund für seinen Ausraster. „Im Zustand der Schuldunfähigkeit bleibt für den Angeklagten nur der Freispruch“, plädierte sie.

Rechtsanwalt Max-Josef Hösl schloss sich dem an und ergänzte: „Es ist ja ohnehin keine Bedrohung, wenn man mit einer Stange auf seinem eigenen Balkon herumfuchtelt, und dass er die geschmissen hat, ist ja sowieso nicht bewiesen.“

Amtsrichter Walter Leitner sprach den 59-Jährigen, der aufgrund seiner Krankheit seit 1994 acht stationäre Psychiatrie-Aufenthalte hinter sich hat, letztlich frei. Einen Hang zu Straftaten sagte der Richter dem Angeklagten nicht nach, da er keine Einträge im Bundeszentralregister hat. Er steht unter Betreuung seiner eigenen Tochter, die auch dafür sorge, dass der jetzige Tölzer regelmäßig seine Medikamente einnimmt. „Wenn so etwas aber noch mal vorkommt“, warnte Leitner den Mann vor, „denkt der nächste Richter nicht mehr, dass Sie nur spielen wollen.“

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