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Da hat der Bürgermeister auch schon ein Auge drauf geworfen: ein Modell von Schliersee, das die Studenten gebastelt haben.

Ergebnisse werden im Juli vorgestellt

Architektur-Studenten erfinden Schlierseer Ortskern neu

Studenten der TU München befassen sich aktuell mit der Frage, wie bauliche Verdichtung bei Wahrung eines dörflichen Charakters möglich ist - und zwar in Schliersee und Wörnsmühl.

München/Schliersee/Wörnsmühl – Die Gemeinden in fast ganz Oberbayern stehen vor einer besonderen Herausforderung: Sie müssen auf den Siedlungsdruck regieren, sprich wachsen, wollen aber zugleich ihren Charakter nicht verlieren. Wie dies funktionieren kann, erforschen derzeit 35 Architektur-Studenten am Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren der TU München. Großteils liefern sie damit ihre Bachelor-Arbeit ab. Am Ende des Projekt, das anhand der Beispiele Schliersee und Wörnsmühl entwickelt wird, soll eine öffentliche Präsentation in den beiden Orten und auch eine Fachpublikation stehen, wie Mauritz Lüps, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU, bekräftigt.

Die Ausgangslage ist vielfach genannt: Die Gemeinden speziell in attraktiven Landstrichen sind gezwungen zu wachsen. Dies soll aber nicht geschehen, indem große Neubaugebiete entstehen – Stichwort Flächenverbrauch – und die Dörfer ausfransen. Vielmehr soll im Innenbereich verdichtet werden. Dichter heißt meist aber städtischer, das allerdings ist nicht gewollt – von der Politik nicht und auch von den Menschen vor Ort nicht. 

Wer auf dem Land wohnt, will Individualität und Intimität, etwa einen Garten, gleichzeitig aber auch Gemeinschaft und Kontakt, zum Beispiel in Form guter Nachbarschaft. „Es geht darum, das dörfliche Wohnen neu zu erfinden“, sagt Lüps. Zentral sei dabei, eine Alternative zum Einfamilienhaus zu finden.

Das Dorf ist ein architektonisch hochinteressanter Raum. Die historisch gewachsenen, baulichen Strukturen bilden ein Gefüge aus privaten, halböffentlichen und öffentlichen Räumen. Auch die Stellungen von Gebäuden zueinander spielen eine Rolle, bei dem, was den dörflichen Charakter ausmacht. Letzteren gelte es zu erhalten. „Gute alte Dinge neu interpretieren“, nennt es Lüps, „eine komplizierte Aufgabe und ein relevantes Forschungsthema.“

Zum Beispiele für Schliersee: Die Gemeinde müht sich bekanntlich seit Jahren damit ab, ihren Ortskern neu zu gestalten und geht mit dem Anbau an das Heimatmuseum für einen Kindergarten den ersten Schritt. Von dem Forschungsprojekt an der TU erhofft sich Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) zumindest Impulse. Besonderes Interesse hat der Rathaus-Chef aber an einem großen originalgetreuen Modell, das die Studenten von der Schlierseer Ortsmitte gebaut haben. Damit lässt sich quasi spielerisch erkunden, wie sich der Wegfall eines Hauses oder ein Neubau auswirkt. Die städtebauliche Herausforderung an dieser Stelle ist, eine wirkliche Ortsmitte zu schaffen, einen Platz-Charakter, so Lüps.

Während es in Schliersee um das Dorfcharakter-wahrende Verdichten eines weitgehend bebauten Areals geht, haben die Studenten in Wörnsmühl etwas freiere Hand. Hier gilt es, eine unbebaute Fläche zwischen Kirche und Staatsstraße zu gestalten.

Am 27. und 28. Juli stellen die Studenten ihre Abschlussarbeiten jeweils ab 10 Uhr in der TU, Arcisstraße 21, vor. Die Gemeinden werden dort vertreten sein, und sogar die Öffentlichkeit kann zuschauen. „Für 100 Leute haben wir natürlich keinen Platz“, sagt Lüps lachend.

Ein Studentenprojekt zur Schlierseer Ortsmitte hatte es schon 2011 gegeben. Damals allerdings waren die Ergebnisse keine Abschlussarbeiten.

dak

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