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Unterwegs in Grönland: Die Schlierseerin Birgit Lutz.

Expeditionsleiterin im Interview

Was treibt eine Schlierseerin in die Arktis?

Die Schlierseerin Birgit Lutz hat Grönland bereist. Ihr Ziel war aber nicht die pure Einsamkeit - im Gegenteil: Sie wollte Menschen kennenlernen. Ihre Geschichte gibt‘s jetzt als Buch.

Schliersee– Drei Monate hat die Schlierseerin Birgit Lutz (43) in Ostgrönland gelebt. Über den Alltag dort hat sie ein Buch geschrieben, das gerade beim btb-Verlag erschienen ist. Wir haben mit ihr darüber gesprochen.

Frau Lutz, wo trifft man Sie gerade an? Im spätherbstlichen Bayern oder irgendwo, wo es richtig kalt ist?

Birgit Lutz: Ich bin zu Hause am Schliersee, und darüber bin ich sehr froh.

Gerade ist Ihr neuestes Buch „Heute gehen wir Wale fangen“ erschienen, in dem Sie das Leben der Menschen ist Ostgrönland beschreiben. Wie kam es dazu? Sind Sie konkret für das Buch auf Recherche gegangen, oder hat eher das Thema Sie gefunden, als Sie auf einer Reise waren?

Birgit Lutz: Ich bin konkret auf Recherche gegangen. Nach meiner Grönland-Durchquerung 2013 hatte ich schon ein Buch geschrieben, darin ging es aber „nur“ um die Querung. Und fast gar nicht um Grönland. Ich habe mich ein bisschen gefühlt, als sei ich an Grönland vorbei gelaufen. Ich wusste dann, dass es viel Eis gibt in Grönland, aber mehr nicht. Und ich konnte den Blick aus dem Hubschrauber runter auf Isortoq nicht vergessen, das kleine Dorf auf einer winzigen Insel im Eis. Ich wollte wissen, wie man dort lebt, welche Menschen dort leben.

Im Buch beschreiben Sie Ihre Beobachtungen, wie komplett anders die Menschen in Grönland ans Leben herangehen und welche Vor- und Nachteile das für den Fortbestand ihrer Kultur im Kontext unserer modernen Zeit birgt. Haben Sie nur beobachtet oder auch für Ihren Alltag etwas davon mitgenommen?

Birgit Lutz: Ich habe viel mitgenommen. Zum Beispiel, dass es nicht immer nur einen Weg gibt, nicht nur ein Richtig und ein Falsch. Grönländer lassen Dinge nebeneinander bestehen. Ein Pfarrer kann dort gleichzeitig ein Trommeltänzer sein, was ja ein heidnischer Brauch ist. Grönländer sehen darin keinen Widerspruch, sondern verbinden scheinbar Gegensätzliches miteinander. Davon könnten wir sicher viel lernen. Gerade in einer Zeit, in der Debatten hier oft sehr aggressiv geführt und eigene Haltungen mit aller Macht verteidigt werden. Es zeigt sich wieder einmal, mit wie wenig man auskommen kann, und wie unwichtig viele der Dinge sind, die man bei uns kaufen kann und von denen man denkt, dass man sie braucht. Im Endeffekt braucht man eigentlich nicht viel.

Seit einer Expedition, die Sie 2007 als Journalistin an den Nordpol führte, waren Sie 15 Mal am Nordpol – unter anderem mit Ski – und reisten mehr als 50 Mal in die Arktis. Was fasziniert Sie so an dieser rauen Welt?

Birgit Lutz: Es ist ja eben gar keine so raue Welt. Weil durch die äußerliche Kargheit und Abgeschiedenheit zwischen den Menschen ganz viel passiert. Das macht die meisten dieser Reisen menschlich sehr wertvoll. Es gibt dort einen Zusammenhalt, der im normalen mitteleuropäischen Alltag nicht so leicht zu finden ist. Es gibt viel weniger Neid und Konkurrenz als vielmehr Freude am gemeinsamen Tun. Und dann sind wir dort einfach in einer Umgebung unterwegs, in der man keine Menschenspuren sieht; keine Wege, Häuser, Hütten, Flugzeuge am Himmel. Nichts. Stille. Das hat mich verändert.

Sie leiten nicht nur Expeditionen in die Arktis, sondern bieten diesen Winter erstmals auch einen Expeditionsworkshop an. An wen richtet sich dieser und was lernt man dabei?

Birgit Lutz: Diesen Workshop habe ich gemeinsam mit dem medius Schliersee konzipiert, weil ich so viele Anfragen von Menschen bekomme, die Hilfe bei Ausrüstung oder der Planung einer Tour brauchen. Er richtet sich an alle, die mal eine längere Tour im Schnee machen wollen. Es geht dabei um Ausrüstung in Schnee und Kälte, das richtige Training für Langzeitbelastungen, um Navigation und die Strategie auf langen Strecken bis zum persönlichen Trainingsplan. Zu all diesen Themen referieren Fachleute aus dem medius und ich selbst.

Lesung und Workshop

Auf Einladung der Schlierseer Bücheroase liest die Autorin und Expeditionsleiterin Birgit Lutz am morgigen Donnerstag um 19.30 Uhr im Café der Slyrs-Destillerie in Neuhaus aus ihrem Buch „Heute gehen wir Wale fangen – Wie mich die Grönländer mit in ihre Welt nahmen“. Karten zu zehn Euro sind im Vorverkauf in der Bücheroase oder an der Abendkasse erhältlich. Der Expeditionsworkshop findet vom 26. bis 28. Januar in der Vitalwelt Schliersee statt. Infos unter 0 80 26 / 9 29 38 41.

Heidi Siefert

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