Kunststoffplatten, auf denen Autos durch die Baustelle am Bahnübergang in Westenhofen  fahren.
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Lärmend: Die Kunststoffplatten, auf denen die Autos inzwischen durch die Baustelle am Bahnübergang in Westenhofen fahren, sorgen für wenig Begeisterung. Immerhin reduzieren sie die Gefahr von Schäden an Federung und Achsen der Autos.

Baustelle in Schliersee-Westenhofen

„Es gibt keinen Königsweg“

Die Aufgabe, eine Vielzahl von Leitungen unter einer Straße zu verlegen, auf der täglich 14 000 Autos fahren, kommt wohl einer Quadratur des Kreises gleich. Bezüglich einer Besserung des Dauerstaus in Schliersee besteht wenig Hoffnung, dass diese Quadratur gelingt.

Zumindest ist der Stau vor der Baustelle am Westenhofener Bahnübergang einigermaßen berechenbar. Meist fängt er tagsüber auf Höhe der Agip-Tankstelle an, und wer eine halbe Stunde mehr Fahrzeit einplant, hat gute Chancen, rechtzeitig am Ziel zu sein. Oder er fährt gleich über das Leitzachtal. Das hat Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) getan und ist auf zehn zusätzliche Minuten gekommen, wie er nun im Hauptausschuss berichtete. Dort stand der Verkehr als Sachstandsbericht auf der Tagesordnung, und Schnitzenbaumer konnte wenig Hoffnung machen, dass eine deutliche Besserung in Sicht ist.

Bürgermeister: „Müssen die Lasten auf mehrere Schultern verteilen.“

„Wir versuchen ständig, was zu tun, aber es gibt keine Lösung, die alle zufrieden stellt“, sagte der Bürgermeister. Mit einer besseren Umleitungsbeschilderung möchten die Baustellen-Verantwortlichen mehr Autos über das Leitzachtal lotsen, was dort freilich für wenig Begeisterung sorgt, wie auch Schnitzenbaumer weiß. „Aber wir müssen die Belastung auf mehrere Schultern verteilen.“ Geprüft habe man Umleitungen innerorts, aber die kleinen Straßen sind für die Frequenz einer Bundesstraße nicht ausgelegt. Unter anderem daran scheitert auch eine Einbahnregelung. Zuletzt wurden Kunststoff-Platten im Baustellenbereich ausgelegt, die den Verkehr aber allenfalls geringfügig beschleunigen und immerhin die Fahrten durch Schlaglöcher verhindern, dafür ist die Lärmentwicklung enorm. Nicht zufriedenstellend, findet auch Schnitzenbaumer.

Lästig: Der störende Kameramast der Bahn sollte schon längst weg sein.

Gemeinderätin: „In 25 Jahren Afrika noch kein so schlechtes Baustellenmanagement gesehen.“

Harte Kritik kam von Babette Wehrmann (Grüne). „In 25 Jahren Afrika hab’ ich kein so schlechtes Baustellenmanagement gesehen wie da.“ Und übermäßigen Arbeitseifer habe sie auch nicht feststellen können. Nebenan sei im gleichen Zeitraum ein ganzer Wohnhaus-Rohbau bis zum Dach errichtet worden. Schnitzenbaumer nahm die Baustellenleitung sowie die Arbeiter in Schutz. „Da sind sehr viele Sparten zu verlegen.“ Leitungen für Wasser, Strom, Breitband, Bahnsignale sowie Kanäle für Ab- und Regenwasser. Dazu habe die Bahn einen störenden Kameramasten anders als vereinbart bisher nicht abgebaut, und zu allem Überfluss trete auch mal Materialmangel auf. Die Telekom etwa müsse teure Flexirohre verlegen, weil herkömmliche derzeit einfach nicht zu haben sind. „Aber das für Fußgänger teilweise gar nichts vorgesehen ist, das geht überhaupt nicht“, insistierte Wehrmann. Da immerhin konnte Schnitzenbaumer mitteilen, dass seit Dienstag ein Fußgänger-Notweg eingerichtet ist. „Auch dafür gibt es Regeln. Er muss mindestens einen Meter breit sein und abgetrennt.“

Beschwerden: „Zum Einkaufen in Hausham brauch in eine Stunde länger.“

Zu den Herausforderungen auf der Baustelle gesellt sich teils auch die Unvernunft der Autofahrer. Manche habe er binnen einer Stunde dreimal gesehen, berichtete Schnitzenbaumer; ein anderer habe geklagt, dass er fürs Einkaufen in Hausham jetzt eine Stunde länger brauche. Als ob es in Schliersee keine Einkaufsmöglichkeiten gebe. Er wisse um den Unmut, den die Großbaustelle erzeuge, „aber es gibt keinen Königsweg“.

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