Die Arbeiten am Bahnübergang in Neuhaus sind noch nicht abgeschlossen. Die Vollsperrung soll aber heute Abend aufgehoben werden.
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Die Arbeiten am Bahnübergang in Neuhaus sind noch nicht abgeschlossen. Die Vollsperrung soll aber heute Abend aufgehoben werden.

Chaos-Sommer endet

Baustellen im Oberland: Bahn-Verdruss, wo man hinschaut

Landkreis – Aufatmen im Oberland. Mit dem Ende der Vollsperrung der Bundesstraße am Bahnübergang in Neuhaus am Donnerstagabend geht nach und nach ein Sommer zu Ende, in dem Bahnbaustellen viel Ärger eingebracht haben. Jetzt kommt aber noch einmal eine größere Sperrung von Bahnstrecken – und spätestens jetzt ist auch die Bayerische Regiobahn (BRB) sauer.

Für gewöhnlich hält sich die BRB mit Kritik am Bahnkonzern, auf dessen Schienen sie ja fährt, zurück. Diesmal aber ist die Wortwahl eindeutig: „Das ist weder kundenfreundlich, noch serviceorientiert“, zürnt Fabian Amini, scheidender Geschäftsführer der BRB. Grund seines Zorns: „Die DB Netz AG führt Weichenarbeiten in Holzkirchen durch die sie sehr spät angekündigt hat und die äußerst umfangreich sind.“ Das Problem für die BRB: Sie muss kurzfristig ihre Fahrpläne ändern und für Schienenersatzverkehr sorgen. Schon jetzt, bei der Sperrung der Strecke Schaftlach-Lenggries, hat dies für Ärger bei Fahrgästen gesorgt, weil Busse zu spät kamen und überfüllt waren.

Bahnstrecke ab Miesbach komplett gesperrt

Ab morgen, Freitag, ist das Schlierach-/Leitzachtal dran. Zwischen Miesbach und Bayrischzell fährt bis mindestens zum Wochenende, 23. und 24. Oktober, gar kein Zug. Gut, dass die Vollsperrung in Neuhaus weg ist, schließlich müssen dort auch die Busse vorbei. Am kommenden Wochenende geht schon ab Holzkirchen nichts mehr. Lediglich zwischen Schaftlach und Tegernsee, auf der Strecke der Tegernseebahn fahren Züge. Die BRB hat ganze acht Fahrpläne auf ihre Homepage gestellt, um den Ersatzverkehr auf den verschiedenen Strecken und den verschiedenen Tagen bis 24. Oktober, darzustellen. Die Daten für die Zeit bis 5. November sollen noch folgen. Amini: „Es muss mit größeren Auswirkungen gerechnet werden, weshalb die Fahrgäste sich kurzfristig über Fahrplanänderungen informieren sollten.“ Und nochmal verärgert in Richtung Bahn: „Wir sind nicht die Verursacher, müssen aber die Auswirkungen gemeinsam mit unseren Fahrgästen ausbaden.“

Bahn überraschend einsichtig: „Kritik ist berechtigt, müssen uns entschuldigen“

Bezüglich der kurzfristigen Ankündigung der Weichenarbeiten streift die Bahn – was manche überraschen mag – das Büßerhemd über: „Die Kritik ist berechtigt, und wir müssen uns hier entschuldigen“, sagt ein Bahnsprecher auf Anfrage. Ursache sei die „sehr schwierige Abstimmung des Umbaus ,unter rollendem Rad‘ mit dem umfangreichen Verkehr in Holzkirchen.“ Im Konzern habe man die Mängel aufgearbeitet und werde über künftige Baustellen wieder rechtzeitig informieren, heißt es weiter.

Bahnübergang Neuhaus: Planung mehrfach geändert, am Ende drei statt eine Woche Vollsperre

Von kurzfristigen Ankündigungen können vor allem die Schlierseer ein Lied singen, die heuer ja gleich zwei Großbaustellen an den Bahnübergängen in Westenhofen und Fischhausen-Neuhaus zu verkraften hatten. Letztere ist ein Thema für sich. Angekündigt war eine Woche Vollsperrung in den Herbstferien. Auf mehr wollte sich die Gemeinde nicht einlassen. Bis August wusste das Rathaus aber nicht einmal, wann es losgeht, und dann kam alles ganz anders. Zwei Wochen alles dicht, hieß es plötzlich, und dann ging die Sperrung in die Verlängerung, bis eben heute Abend. Grund für die Verlegung war, dass die Asphaltierungsarbeiten ursprünglich sehr spät vorgesehen waren. Ein früher Wintereinbruch hätte sie unmöglich gemacht. Und die Verzögerung begründet die Bahn mit Schwierigkeiten bei der Materiallieferung.

Bürgermeister und Landratsamt angefressen: Von der Bahn kommen einfach keine Infos

Die Folge unter anderem: Eine weitere Woche Verkehrschaos auf den Nebenstraßen. Den Zorn darüber bekommt aber nicht die Bahn ab, sondern regelmäßig die Rathäuser. Telefonisch und per Mail erreichen etwa Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer wutschnaubende Beschwerden nicht zu knapp. Und nicht nur der kritisierte wiederholt die Kommunikation seitens der Bahn (wir berichteten). Auch beim der Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt kommen Infos „nur äußerst spärlich und sehr kurzfristig“ an, wie es auf Anfrage heißt.

Keine konkrete Antwort auf Vorhaltungen zu Kommunikationsdefizit

Mit den Vorhaltungen konfrontiert, reagiert die Bahn nicht konkret. Sie lässt vielmehr wissen: „Wir erleben gerade eine beispiellose Modernisierung des Eisenbahnnetzes, damit dieses den zukünftigen Anforderungen gewachsen ist.“ Dazu gehören eben auch neue Schrankenanlagen, das Stellwerk in Schliersee und neue Weichen in Holzkirchen. „Bedauerlicherweise kann dies nur mit vorübergehenden Eingriffen in den Zug- und Straßenverkehr geschehen. Dafür steht an diesen Stellen nach Abschluss der Bauarbeiten eine neue Infrastruktur zur Verfügung, die die nächsten Jahrzehnte genutzt werden kann.“ Immerhin: Die Aussicht darauf, nun erstmal länger keine Baustellen des Bahnkonzern in der Region zu haben, dürfte im Oberland gut ankommen. Wenn da nicht die unbeschrankten Bahnübergänge wären, an denen die neuen Lint-Züge so laut pfeifen...

Weitere Infos zu den Ersatzfahrplänen unter www.brb.de.

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