Erst der Anfang: An der Baustelle in Westenhofen staut sich der Verkehr schon jetzt. Mit Beginn der Vollsperrung Ende August dürfte die Behinderung noch größer werden – auch für BRK und Bergwacht.
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Erst der Anfang: An der Baustelle in Westenhofen staut sich der Verkehr schon jetzt. Mit Beginn der Vollsperrung Ende August dürfte die Behinderung noch größer werden – auch für BRK und Bergwacht.

Fahrten dauern länger

Baustellen in Westenhofen und Hausham behindern Rettungsdienst

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Die Baustellen in Hausham und Westenhofen behindern BRK und Bergwacht. Viele Fahrten dauern länger, besonders wenn Bergwachtler aus Miesbach und Hausham in Privatfahrzeugen nach Schliersee ausrücken.

Schliersee – Die vergangene Woche wäre für die Bergwacht Schliersee auch ohne die Baustellen in Hausham und Westenhofen schwer genug gewesen. Acht Mal rückten die Retter in sieben Tagen aus, halfen der schwer verletzten Zwölfjährigen nach ihrem Mountaincart-Unfall am Stümpfling (wir berichteten) und bargen eine junge Frau, die bei einem Reitunfall auf dem Weg Richtung Aurach schwere Kopfverletzungen erlitten hatte. „Es sind immer die gleichen Leute, die unter der Woche ausrücken“, sagt Lorenz Haberle von der Bergwacht. Durch die vielen Urlauber sei für sie die Belastung hoch.

Was diesen Einsatzkräften das Leben zusätzlich erschwert: Wegen der Baustellen brauchen sie derzeit gut eine halbe Stunde länger zum Einsatzort, schätzt Haberle. Das belaste Retter und gefährde zu Rettende.

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So hätte es nicht kommen müssen, meint Haberle. „Wir wurden bei der Planung der Baustellen vergessen.“ Hat der Gegenverkehr grün, hätten es selbst Blaulichtfahrzeuge schwer, schnell durch die Engstelle zu kommen. Helfer ohne Blaulicht auf dem Weg zum Einsatz seien chancenlos. Weil viele Mitglieder der Bergwacht aus Hausham oder Miesbach anrücken, sei dies ein ernstes Problem. „Wir brauchen klar festgelegte Rettungswege. Man muss eine Baustelle so planen, dass der Rettungsdienst in den Gegenverkehr reinfahren kann, ohne dass Chaos entsteht.“

Mit ihrem Problem ist die Bergwacht nicht allein: Auch die Fahrzeuge des BRK müssen durch die Engstelle. „Der Stau behindert uns gewaltig“, sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Robert Kießling. Für Blaulichtfahrten sowie den Transport von behinderten Kindern und Dialysepatienten dürften seine Wagen für Anlieger reservierte Seitenstraßen nutzen. Auch das dauere länger. Für Essenslieferungen und Krankentransporte müsse das BRK an der Ampel warten. Die Baustellen, sagt Kießling, fressen viel Zeit.

Dass die Verzögerung vermeidbar gewesen wäre, glaubt Kießling allerdings kaum: „Hätte es eine bessere Lösung gegeben, hätte man die Planung vermutlich auch anders gemacht.“

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Ähnlich beurteilt Sophie Stadler, Pressesprecherin des Landratsamts, die Lage. Die dortige Straßenverkehrsbehörde hat die baurechtliche Anordnung der Maßnahme erteilt und diese laut Stadler „mit allen Beteiligten abgestimmt“ – auch mit Gemeinden, Katastrophenschutz und Polizei. Sie sprächen für alle Blaulichtorganisationen. Alle, also auch die Bergwacht, bei jeder Anordnung einzeln einzubinden sei weder stemmbar noch sinnvoll. „Leider wird eine Baumaßnahme von diesem Ausmaß nie ohne Einschränkungen möglich sein.“ Aber, betont Stadler: Behinderungen habe es an diesen Stellen schon immer gegeben. Die Arbeiten sollen sie verringern. Das müsse man bedenken.

Michaela Götschl, Leiterin Rettungsdienst beim BRK Kreisverband, sagt, sie würde sich eine Welt ohne Baustellen wünschen. Aber manchmal müssten Arbeiten eben sein. Dann bliebe nur, das Beste aus der Situation zu machen. Deswegen hofft sie auf das Verständnis der Autofahrer. Geht es bei Notfällen um jede Sekunde, würde der Rettungsdienst auch mal bei Gegenverkehr in die Baustelle fahren. „Dann sind wir auf die Unterstützung der Autofahrer angewiesen.“

Wichtig dürfte diese auch ab dem 30. August werden. Dann wird die B 307 in Westenhofen für fast zwei Wochen voll gesperrt. Der Rettungsdienst wird zur Umfahrung Anliegerstraßen nutzen können, bestätigt Stadler. Eng könnte es aber auch da werden. „Ich appelliere an die Autofahrer“, sagt Götschl. „Wenn Sie Blaulicht sehen oder das Martinshorn hören, machen Sie bitte Platz.“

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