Nach Streit

Bei Seefest: Schlierseer (23) pfefferte Haushamer (17) Bierkrug ins Gesicht - Urteil

Nach einem Streit auf dem Schlierseer Seefest landete ein Bierkrug auf dem Kopf eines Haushamers – und der Fall vor Gericht. Nun gibt es ein Urteil.

Schliersee – Alkohol vermag den Menschen zu verändern. Wie sehr, wurde jetzt am Miesbacher Amtsgericht deutlich. Dort musste sich ein 23-jährigen Schlierseer wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Eigentlich ein friedliebender junger Mann, der nach sechs, sieben Halben die Kontrolle verlor. Das brachte ihm am Ende eine Bewährungsstrafe ein.

Der Schlierseer war geständig. Im Juli des vergangenen Jahres war er auf dem Schlierseer Seefest mit einem einemdamals 17-jährigen Haushamer aneinandergeraten, und der Streit endete damit, dass ein Bierkrug auf dem Kopf des Haushamers landete (wir berichteten). „Mir sind da einfach die Sicherungen durchgebrannt“, erklärte der Schlierseer. „Es tut mir wirklich schrecklich leid, das hätte niemals passieren dürfen.“

Der Angriff habe jedoch eine Vorgeschichte gehabt, sagte der Angeklagte: „Er pöbelte meinen Bruder an, da bin ich dazwischen gegangen.“ Der Streit zwischen Bruder und späterem Opfer des 23-Jährigen wurde schnell zum Streit zwischen dem Schlierseer und dem Geschädigten. Etwa eine halbe Stunde hätten sich die beiden sich beleidigt, dann habe er den leeren Halbe-Krug, den er während des Disputs immer in der Hand gehalten habe, genommen und seinem Opfer über den Kopf gezogen. Die Folgen waren unschön für den Getroffenen: Er erlitt eine Platzwunde und eine Gehirnerschütterung und musste erstmal ins Krankenhaus.

Ohne Alkoholeinfluss, war sich der Beschuldigte sicher, wäre es nie zu einer solch eskalierenden Situation gekommen. Sechs bis sieben halbe Bier habe er über den Abend verteilt getrunken. Die Polizei ermittelte später beim Alkoholtest einen Wert von 1,5 Promille. Normalerweise trinke er „wenn überhaupt zwei Mal im Monat jeweils ein bis zwei Bier“, sagt der Schlierseer vor Gericht. An besagtem Tatabend habe er aber viele alte Kumpels getroffen. „Mit denen habe ich dann jeweils ein Bier getrunken.“ Bei der Diskussion mit seinem Opfer – es war bereits 2 Uhr nachts – habe er sich auch „stark betrunken“ gefühlt, gab der Angeklagte an.

Äußerlich war dem 23-Jährigen das aber kaum anzumerken. Ein Zeuge aus Hausham sagte vor Gericht aus, dass der Schlierseer „weder geschwankt noch gelallt“ habe. Der 19-Jährige hatte den Streit aus einigen Metern Entfernung beobachtet. Plötzlich habe das Opfer „Maßkrug“ geschrien, „und dann lag er auch schon am Boden und war voller Blut“.

Der Streit und sein Handeln kommt den Schlierseer nun teuer zu steehen. 1500 Euro hat er bereits außergerichtlich an sein Opfer gezahlt. Die Staatsanwaltschaft forderte eine achtmonatige Bewährungsstrafe und betonte: Ein Glas gegen den Kopf zu hämmern, sei mit das Schlimmste, was man in einer solchen Situation tun kann. Verteidiger Raimund Förschner plädierte für Milde. „Es ist schwer zu beurteilen, was er in dem Moment des Zuschlagens dachte, aber er ist sonst ein sehr friedlicher Mensch.“ Der anwalt bat um eine Geldstrafe von unter 90 Tagessätzen (Vorstrafengrenze). Den Gefallen tat ihm Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid nicht: Der Schlierseer erhielt eine sechsmonatige Bewährungsstrafe. „Ich habe auch den Eindruck, dass sie ein friedliebender Mensch sind“, sagte Schmid zu dem 23-Jährigen. „Schauen Sie aber, dass Sie auch in so einem Sonderfall – das Wiedersehen mit alten Freunden – m nicht so viel trinken.“

Philip Hamm

Rubriklistenbild: © THOMAS PLETTENBERG

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