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Birkhuhn: Gebietsbetreuer wirbt um Rücksichtnahme

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Von: Christine Merk

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Bedroht: Ein Birkhuhn im Rotwandgebiet. Es zählt zu den Raufußhühnern und darf während der Winterruhe, Balz, Brut und Aufzucht nicht gestört werden.
Bedroht: Ein Birkhuhn im Rotwandgebiet. © Florian Bossert

Das Birkhuhn im Mangfallgebirge ist durch Freizeitsportler bedroht. Bei einem digitalen Symposium, an dem rund 500 Interessierte teilnahmen, warben die Referenten um Rücksichtnahme.

Landkreis – Federn bis in die Nasenlöcher und sich möglichst wenig bewegen – Raufußhühner sind für den Winter im Gebirge gerüstet. „Sie sind Meister der Anpassung“, sagt Florian Bossert. Woran sie sich aber nicht gewöhnt haben, sind Menschen, die ihnen zu nahe kommen. Deshalb ist Bossert als Gebietsbetreuer im Mangfallgebirge ein Verfechter der Besucherlenkung. Mehrmals fiel dieses Stichwort beim digitalen Symposium „Raufußhühner in Bayern“, zu dem die Ornithologische Gesellschaft (OG) in Bayern eingeladen hatte. Rund 500 Interessierte waren online mit dabei.

Sie leben in Bayern: Birkhuhn, Haselhuhn, Auerhahn und Alpenschneehuhn

Bossert war einer der vier Referenten, die am Freitagabend die vier in Bayern vorkommenden Raufußhühner vorstellten: Birkhuhn, Haselhuhn, Auerhahn und Alpenschneehuhn. In den Bergen des Kreises Miesbach profitieren Raufußhühner mittlerweile von einem Schutzstatus: Eine etwa 320 Hektar große Fläche im Rotwandgebiet wurde im November vergangenen Jahres zur Wildschutzzone erklärt. Von 1. Dezember bis 14. Juli herrscht dort mit wenigen Ausnahmen Betretungsverbot.

Dieser strenge Schutzstatus war aus Sicht der Naturschützer notwendig geworden. Zuvor war das Areal Waldwildschongebiet. Es blieb der Freiwilligkeit der Sportler und Spaziergänger selbst überlassen, ob sie das Ruhebedürfnis der Wildtiere respektieren oder nicht. Dass bei den Menschen dabei bisweilen keinerlei Einsicht herrscht, hat Bossert in Gesprächen mit den in dem Gebiet eingesetzten Rangern erfahren. Er berichtete, dass diese, wenn sie Alpenbesucher auffordern, zum Schutz der Tiere die Wege nicht zu verlassen, oft zu hören bekommen: „Ich sehe aber keine Tier flüchten“ – und damit meinen, dass sie also auch nicht stören.

Gebietsbetreuer Florian Bossert referierte beim Symposium.
Gebietsbetreuer Florian Bossert referierte beim Symposium. © THOMAS PLETTENBERG

Bossert weiß, dass dem anders ist. Wenn sich das Birkhuhn etwas wünschen könnte, sagte er bei dem Symposium, wäre das ein Lebensraum mit Artenvielfalt in der Flora, der richtigen Gliederung des Waldes und „wenig Störung durch Erholungssuchende“. Denn was dem Menschen Erholung ist – das Spazierengehen oder Sporteln abseits von Wegen und Pisten, ganz besonders auch in der Dämmerung oder nachts –, ist für das Birkhuhn Stress. Der wiederum bedeutet Energieverlust, und schwache Tiere würden leichter zur Beute und sich weniger gut fortpflanzen.

„Es bleiben nur noch 1,7 Quadratkilometer relativ ungestörter Lebensraum.“

Dabei biete das Rotwandgebiet dem Birkhuhn etwa zehn Quadratkilometer nutzbaren Lebensraum, erläuterte Bossert. „Davon sind aber sieben Quadratkilometer von Wegen beeinflusst, also weniger als 50 Meter von nächsten Weg entfernt.“ Im Winter sei die Situation wegen des Skibetriebs noch extremer. „Es bleiben nur noch 1,7 Quadratkilometer relativ ungestörter Lebensraum.“ Kleine Inseln für die sensiblen Vögel.

Forstamt verspricht Kooperation zum Schutz des Birkhuhns

Bossert sieht die Lage für Birk- und Auerhühner in der Region aber nicht zu schwarz. „Wenn der Lebensraum gut ist, halten Birkhühner mehr Störung aus, weil die Ausweichmöglichkeiten mit ähnlich guten Strukturen vorfinden“ – so interpretiert er seine Beobachtungen. Und der Lebensraum sei grundsätzlich gut, auch dank des Schlierseer Forstamts, mit dem eine gute Zusammenarbeit herrsche. Jörg Meyer, Leiter des Forstamts, hatte sich bei dem Symposium als Besucher zugeschaltet. „Die Raufußhühner sind uns sehr wichtig“, sagte er. Die Staatsforsten seien sich ihrer Verantwortung bewusst. „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir uns auch in Zukunft einbringen.“

Auf einer Karte des Tegernseer Tals zeigte Bossert schließlich auf, dass die gesichteten Populationen der Raufußhühner durch besiedelte oder bewirtschaftete Flächen getrennt sind. Wichtig sei, dass die Flecken, wo die Tiere leben, von Menschen respektiert werden und die Abstände dazwischen nicht zu groß werden. Der Auerhahn etwa überwindet Abstände bis zu zehn Kilometer, beim Haselhuhn sind es nur zwei. Um die Arten zu erhalten, müssten die Teilpopulationen verbunden bleiben, erklärte er. „Es dürfen keine Trittsteine mehr wegfallen.“

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