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„Können wir jede zweite Reihe besetzen oder jede dritte?“, fragt Florian Reinthaler, Vorsitzender des Bauerntheaters. Weil viele Regelungen in Corona-Zeiten unklar sind, hat er die komplette Spielsaison abgesagt.

„Es gibt zu viele Unsicherheiten“

Bittere Entscheidung: Schlierseer Bauerntheater sagt Saison 2020 ab

Es ist ein harter Schlag für die Theaterfreunde in Schliersee: Das Bauerntheater sagt alle Termine der Saison 2020 ab. Es gebe zu viele Unsicherheiten, sagt Vereinsvorsitzender Florian Rheintaler.

Schliersee – Zwei neue Stücke hatten heuer auf dem Spielplan gestanden. Mit dem „Boandlkramerblues“ hätte das Ensemble am Pfingstsonntag Premiere gefeiert und mit der Komödie „Die Wallfahrt“ am Samstag, 11. Juli. Aber Proben sind zurzeit nicht erlaubt – und keiner weiß, wann sie das wieder sind. „Auf der Bühne die vorgeschriebenen Abstände einzuhalten, das ist unmöglich“, sagt Reinthaler. „Und ein Boandlkramer mit Mundschutz, das haut nicht hin.“ Er selbst wäre in diese Rolle geschlüpft und hätte mit seinem Vorstandskollegen Hans Schrädler in der Rolle des Isidor Birnbacher auf der Bühne gestanden.

Die Entscheidung, den Theaterbetrieb einzustellen, habe der Vorstand mit schwerem Herzen, aber einstimmig gefällt, sagt Reinthaler. Zwei wesentliche Argumente hätten im Vordergrund gestanden. Zum einen der Schutz der Schauspieler. „Wir haben auch einige in etwas betagterem Alter“, erklärt Reinthaler. Deren Gesundheit gelte es zu schützen.

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Das andere sei die Unsicherheit, wann Theatervorstellungen überhaupt wieder erlaubt sein werden und unter welchen Auflagen. „Wie viele Besucher dürfen wir dann reinlassen?“, fragt Reinthaler. „Können wir jede zweite Reihe besetzen oder jede dritte?“ Normalerweise bietet der Saal des Bauerntheaters Platz für 400 Zuschauer, wenn er bestuhlt wird. Normalerweise – doch wie ist das in Zeiten von Corona-Schutzmaßnahmen, fragt sich der Vorsitzende. „Wir können ja nicht jetzt Karten verkaufen, wenn wir gar nicht wissen, wie es weitergeht.“ Wer bereits ein Ticket erworben hat, kann das an der Vorverkaufsstelle, wo es gekauft wurde, zurückgeben.

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Für die Schauspieler des Bauerntheaters sei das ungeplante Saisonende natürlich eine große Enttäuschung, bestätigt Reinthaler. Aber auch da müsse man im Kopf haben: Würde einer aus dem Ensemble positiv getestet, müssten alle in Quarantäne. Zumindest halten sich die finanziellen Einbußen im Rahmen, sagt Reinthaler. „Wir haben zwar schon Spielpläne und Plakate gedruckt, aber wir haben wenigstens keine Angestellten, die wir bezahlen müssen.“

Für die Theaterfreunde bleibt ein kleiner Hoffnungsschimmer. Sollte im Herbst oder Winter ein Spielbetrieb wieder möglich und vertretbar sein, dann könnte sich Reinthaler vorstellen, ein Stück „aus dem Bestand“ zu spielen, für das nicht mehr so viel geprobt werden muss. In Frage kämen dafür zum Beispiel „Die Geierwally“ oder „Zwei Bauern im 3/4-Takt“. Aber versprechen kann er nichts.

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Christine Merk

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